2. Sonntag nach Weihnachten

2. Sonntag nach Weihnachten


Wir sind gesegnet.

Wir sind erwählt.

Wir sind bestimmt.

Wir sind berufen.

Von Gott gesegnet,

erwählt, bestimmt

und berufen.

 

Das macht unsere

Existenz als Christen aus.

Und das ist eine ganze Menge.

Kaum zu begreifen.

Kaum zu verstehen.

Können wir es denn

annehmen?

 

Der Beter des Psalms

meint an anderer Stelle:

„Seh ich deine Himmel,

die Werke deiner Finger,

Mond und Sterne, die

du befestigt:

Was ist der Mensch,

dass du seiner gedenkst,

des Menschen Kind,

dass du dich seiner annimmst?

Du hast ihn nur wenig

geringer gemacht als Gott,

du hast ihn gekrönt

mit Pracht und Herrlichkeit.“ (Psalm 8)

 

Besteht nicht unser

ganzes Lebens darin,

sich dieser Identität

als Mensch bewusst zu werden,

bei allem, was auch

immer geschieht?

 

Dass der Mensch

gekrönt ist mit Pracht

und Herrlichkeit?

Ja, dass der Mensch

die Herrlichkeit Gottes ist?

 

Mit anderen Worten

auf den Punkt gebracht:

Der Mensch ist Gottes geliebter Sohn.

Er ist Gottes geliebte Tochter.

Und ist es nicht unsere

Lebensaufgabe, immer

mehr in diese Identität

hineinzuwachsen und

uns ihrer bewusst zu werden?

 

Dabei besitzen Christen

kein exklusives Recht auf

diese Identität, weil sie

allen Menschen in Christus zugesagt ist.

Von Gott her zugesagt

und durch Christus gewirkt.

 

Christen sind aus dieser

Perspektive betrachtet nichts Besonderes.

Das Besondere besteht wohl eher darin,

erst recht als Christ diese Identität

zu entdecken und sie zu leben.

 

Man darf in diesem

Zusammenhang durchaus

von Berufung und Nachfolge

sprechen.

 

Wir sind von Gott berufen

und eingeladen ihm, Christus,

dem vor allen anderen

diese Identität zusteht,

nachzufolgen und so,

auf diesem Weg,

immer mehr zu dem

Menschen zu werden,

zu dem uns Gott

von Anfang an gemacht hat.

 

Der Brief an die Gemeinde

von Ephesus gibt einen Anhalt,

wie das geschehen kann,

geschehen muss:

 

indem wir „untadelig“

leben vor Gott. 

 

Untadelig. Ein großes Wort.

Ein möglichweise überforderndes Wort.

Vor allem der Anspruch,

der sich hinter diesem Wort

verbirgt.

 

Wer ist schon einwandfrei

und fehlerfrei, makellos

und vollendet? Keiner von

uns ist so, wie er sollte,

wie er wollte, wie er

könnte.

 

Zeit unseres Lebens sind

wir dazu angehalten,

in die Form von Menschsein

und Identität hineinzuwachsen,

die uns mit der Taufe und

dem Angesprochenwordensein

durch Gott selbst

zugekommen sind.

 

Das geschieht

nicht geradlinig und direkt.

Das vollzieht sich sehr oft

über Umwege und Irrwege

hinweg und durch Täler

und Dunkelheiten,

Widersprüchlichkeiten und

Inkonsequenzen hindurch.

 

Das weiß auch Gott.

Darin überfordert er uns nicht.

Im Gegenteil.

Nachsichtig und gütig

begleitet er uns auf der Suche

nach unserem wahren Menschsein.

Er rechnet uns Versagen und Rückschläge nicht an.

Er vergibt sie im Voraus.

Schenkt sie uns in seinem Sohn,

dem Christus und aus Liebe zu uns.

 

Und dennoch,

wer sich immer mehr als Sohn

des lebendigen Gottes begreift

und sich als Abbild seiner Herrlichkeit versteht,

der fängt an, ein anderes Leben zu leben.

Zumindest ist er dazu eingeladen.

 

Als ein von Gott geliebter Mensch

gehe ich aufrecht durch das Leben.

Nein, nicht arrogant,

aber mir Gottes Segen bewusst

und zudem, dass auch andere Abbild

der Herrlichkeit Gottes sind.

Möglicherweise ausgerechnet jene,

denen ich es am wenigsten

zugestehen möchte.

 

Wir sind gesegnet.

Wir sind erwählt.

Wir sind bestimmt.

Wir sind berufen.

Von Gott gesegnet,

erwählt, bestimmt

und berufen.

 

Das macht unsere Existenz

als Christen aus.

Und das ist eine ganze Menge.

Kaum zu begreifen.

Kaum zu verstehen.

Können wir es denn annehmen?

 

Es anzunehmen

von uns selbst und von jedem

und jeder anderen auch,

das würde eine ganze Welt verändern.

Der Umgang untereinander

würde ein ganz anderer werden.

 

Achtsamer, wertschätzender,

sorgsamer, behutsamer,

vorsichtiger, zärtlicher,

würdigender, anerkennender

würden wir einander begegnen.

 

Es würde entstehen

und sich ergeben,

wonach der Mensch sich im Grunde

seines Herzens schon immer sehnt:

von Grund auf angenommen

und gewollt zu sein,

ein Zuhause zu finden

in der ewigen Liebe.

 

Doch nicht nur der Umgang

von Mensch zu Mensch würde

sich entscheidend verändern.

Es ist auch der Umgang mit allem,

was uns umgibt, vornehmlich

auch mit der Schöpfung Gottes insgesamt,

die nicht weniger die Herrlichkeit Gottes

widergibt und uns bisweilen

so prächtig ins Auge sticht,

der sich wesentlich verändern würde

und dies zum Wohl von uns allen

und jenen, die uns

nachfolgen werden.

 

Gott erleuchte die Augen

unserer Herzen, damit wir verstehen,

zu welcher Hoffnung

wir berufen sind.

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