thomas diener systemische-lösungsorientierte supervision und coaching geistliche begleitung gestalttherapeutische beratung
  thomas diener                                                                                                                                systemische-lösungsorientierte                                                                    supervision und coaching                                                                                                                                              geistliche begleitung                                                                    gestalttherapeutische beratung

Vom Umgang mit den Widersprüchen unserer Zeit

 

 

 

Es ist und es bleibt

für wohl viele unter uns

herausfordernd, miterleben

zu müssen, was in dieser

Welt immer wieder an

Fürchterlichem und Schrecklichem

passiert und dabei die ganz

eigene und persönliche

Betroffenheit und Ohnmacht

aushalten zu müssen.

 

Tagtäglich erreichen uns

Nachrichten, die sich wie ein

dunkler Schatten auf unser

Leben legen und die Welt, die große

wie die kleine, in Atmen halten

und in Schrecken versetzen.

 

Krankheiten,

Kriege,

Anschläge,

Diktaturen,

Überschwemmungen,

Umweltkatastrophen,

Erdbeben,

Menschen auf der Flucht,

und, und, und,

und zu alle dem,

die ganz eigenen, oftmals

erdrückenden Erfahrungen

im persönlichen Umfeld.

 

Nun könnte jemand einwenden:

Das war schon immer so.

Schon immer mussten Menschen

mit dieser dunklen Seite des

Lebens umgehen. Einmal kamen

sie damit besser und einmal

schlechter zurecht. Andere

sind daran auch zerbrochen.

 

Und damit hätte er nicht

Unrecht.

 

Das Leben hat eben diese

beiden Seiten. Es spielt sich

ab zwischen Licht und Schatten

und irgendwo zieht es uns

einmal mehr dahin und

ein anderes Mal mehr

dorthin.

Dennoch. Ich muss

damit klar kommen.

Ich muss für mich einen

Weg finden, der mich durch

all die Ungereimtheiten

des Lebens hindurchführt.

Und sehr oft bekomme

ich dabei Beklemmungen,

um nicht zu sagen,

ein schlechtes

Gewissen.

 

Ich darf mich meiner

Gesundheit erfreuen.

Ich bin nicht den Unruhen

und Gefahren eines Krieges

ausgeliefert.

Niemand verübt Anschläge

auf mein Leben.

Ich bin nicht Opfer einer

Diktatur und werde nicht

mundtot gemacht,

eingesperrt und verschwinde

nicht ganz plötzlich

von der Bildfläche.

Von Überschwemmungen

bin ich nicht betroffen

und vor Umweltkatastrophen

bleibe ich weitgehend verschont.

Ich habe ein Zuhause

und ein festes Dach

über meinem Kopf.

Krisen in meinem

persönlichen Leben

sind überschaubar

und gelöst.

Ich habe Menschen

an meiner Seite, die

zu mir stehen, denen

ich vertrauen kann,

die mich so annehmen

wie ich bin, die mich

lieben.

 

Ich möchte mir vorstellen

und wünschen, dass es vielen

von Ihnen auch so ergeht,

dass Ihr Leben weitgehend

gesichert ist.  Und Sie

zufrieden sind.

 

Was aber tun Sie mit

dem beklemmenden Gefühl

in der Herzgegend, wenn

sie erleben müssen, wie

schlecht es vielen anderen

Menschen in dieser Welt,

bedingt durch ganz unterschiedliche

Anlässe und Auslöser geht?

Wie kommen Sie damit klar?

Wie gehen Sie mit den

Widersprüchen dieses

Lebens und dieser Welt

um?

 

Immer wieder suche ich

mir einen Weg durch diese Fragen

hindurch. Und immer wieder

muss ich für mich feststellen,

dass ich auf sie keine befriedigende

Antwort habe. Eine Antwort,

die diese Widersprüche

in meiner Seele auflösen

könnte, die mir einen

inneren Frieden schenken

könnte.

 

Ich glaube,

dass es diese Antwort

auch nicht wirklich gibt.

Einmal komme ich

damit besser und ein

anderes Mal schlechter

mit zurecht. Und manchmal

muss ich auch kapitulieren.

Kapitulieren auch

vor meinem Gott,

für den ich selbst in

solchen Momenten nur

noch anklagende Worte

finden kann.

 

Worte, wie sie mir

ein Psalm zu lesen gibt:

 

„Herr, warum bleibst du

so fern, verbirgst dich in den

Zeiten der Not? …

Herr, steh auf, Gott erheb deine

Hand, vergiss die Elenden nicht! …

Schau hin und nimm es

in deine Hand …“ (Psalm 10)

 

Der Glaube bewahrt uns

nicht vor der Erfahrung,

Gott in diesem Leben

zu vermissen, vor allem

doch dann, wenn man ihn

am dringendsten brauchen

würde.

 

Für viele ist dies ein Grund,

an Gott in die Irre zu gehen,

an ihm zu verzweifeln,

mit ihm zu brechen und

selbst zu zerbrechen.

 

Zu dem Zweifel am Menschen

selbst und an dieser Welt

und dem Guten, kommt

dann noch der Zweifel

an Gottes Gegenwart

und Hilfe dazu.

 

Am Ende scheint es,

dass wir nur noch auf

uns selbst verwiesen bleiben,

auf unsere Hilflosigkeit,

auf unsere Ratlosigkeit,

auf eine Ohnmacht,

die uns in unserem

Inneren lähmt.

 

Es wäre fatal,

wenn es aus diesem Zustand

kein Entkommen geben würde.

Wenn am Ende dann doch

die Zerstörung und Vernichtung

das letzte Wort haben

würden.

Wenn es keinen neuen

Morgen geben würde, der

über alle Dunkelheiten

hinweg bestehen

bleibt.

 

Ein erster Schritt,

diesem Zustand zu entkommen

ist, die Welt und das Leben

so anzuerkennen, wie es

nun einmal ist und anzuerkennen,

dass wir uns an den Widersprüchen

dieser Welt und dieses Lebens

immer reiben werden.

 

Solange wir diesen Zustand

nicht angenommen haben und

anerkennen, solange werden

wir nicht die Kraft und die Einstellung

finden, an diesem Zustand

etwas zu verändern.

 

Eine erste Veränderung

bestünde für mich darin,

das Selbstverständliche

in meinem Leben, eben nicht

als selbstverständlich hinzunehmen

und den kleinen, oftmals

unscheinbaren Geschenken

meines Alltags mehr an

Achtung und auch

Wertschätzung

zukommen zu

lassen.

 

Das führt mich zu

einer weiteren Veränderung

in meinem Leben. Ich schaffe

mir damit mehr Raum für

die Dankbarkeit.

Menschen,

die diese Haltung besitzen,

haben für mich immer eine

ganz besondere Ausstrahlung.

Ihre Dankbarkeit, ihre Sicht

der Dinge, greifen auch

auf mich über.

Zufriedene und dankbare

Menschen haben eine

ganz besondere

Aura, wie ich

meine.

Ich spüre eine gute

und zugleich mich

ansteckende Energie

in ihrer Nähe.

 

Wer sich selbst als beschenkt

erlebt und versteht, der wird

nicht einhalten, selbst zu

schenken, zu geben,

zur Verfügung zu stellen.

Der blickt mit einem

anderen Auge auf das Leben

des anderen und erkennt,

was möglicherweise

dem anderen

zum Glücklichsein

fehlt.

 

Das ist für mich ein

weiterer Schritt, Veränderung

in meinem Leben zu schaffen,

indem ich einen Blick

für den Menschen

neben mir entwickle,

für das, was ihn betrifft

und achtsam werde für

seine Anliegen und

Bedürfnisse.

 

Als Menschen können

wir nur in den Widersprüchen

dieses Lebens und dieser Welt

bestehen, wenn wir einander

helfen zu bestehen. Wenn wir

uns nicht vorenthalten,

was wir zum Leben

brauchen.

 

Dabei geht es auch um Mitgefühl,

um Empathie, um Verantwortung,

um Beistand und Anteilnahme,

um Interesse.

 

Dass wir fragen, was fehlt

dem anderen nur? Was kann ich

für ihn tun? Erst so, auf diesem

Weg, werden wir zu Menschen,

wie sie sich Gott gedacht hat,

als er uns zu Menschen

gemacht hat.

 

Auf dem Weg dieser

Veränderungen können wir

das Angesicht dieser Welt

und unseres Lebens

verändern. Manche

Widersprüche auch

auflösen.

 

Es ist die Mitmenschlichkeit,

die Mauern überwinden und

Wege zueinander finden lässt,

Verbindungen dort schafft, wo

zuvor nur Abgrenzung und

Misstrauen und Einsamkeit

herrschten.

 

Wo Menschen sich vergessen,

die Wege verlassen und neue

beginnen, ganz neu, da berühren

sich Himmel und Erde, dass

Friede werde unter uns.

 

Wo Menschen sich verschenken,

die Liebe bedenken und neu

beginnen, ganz neu, da berühren

sich Himmel und Erde, dass

Friede werde unter uns.

 

Wo Menschen sich verbünden,

den Hass überwinden und neu

beginnen, ganz neu, da berühren

sich Himmel und Erde, dass

Friede werde unter uns.

 

Sich vergessen.

Sich verschenken.

Sich verbünden

in all dem, was uns

in dieser Welt und in

diesem Leben zu schaffen

macht.

 

Wir täten damit einen

sehr wesentlichen Schritt,

um der Hoffnung unter

uns Menschen einen Weg

zu bereiten. Möglicherweise

Gott selbst. Denn, wo immer

zwei oder drei in seinem

Namen, im Namen der Liebe,

zusammen sind, da ist er

unter ihnen, auch unter

uns.

 

Die Ungelöstheiten dieser

Welt und die Widersprüche

dieses Leben werden wir

niemals ganz auflösen können.

 

Ja, wir könnten

miteinander gegen

sie anlieben. So lange bis

Gott selbst erfüllen wird,

was er an Verheißungen

in diese Welt und in unser

Leben hineingelegt hat.

 

Fulbert Steffenski schreibt

in seinem Buch „Fragmente

der Hoffnung“:

 

„Der Mensch ist sich nie

selbstverständlich in seinem

gegenwärtigen Zustand.

Er hat das Recht, mehr zu

werden, als er ist.

 

Wir müssen alles, was

zu retten ist, zumindest für

unsere Kinder retten.

Wenn wir im Augenblick

auch nicht die Praxis retten,

dann zumindest die Idee.

Vielleicht wird sie ja

einmal wieder zu einer

Praxis.

Jedes geistliche Wesen

ist ein bedürftiges Wesen.

Dies zu leugnen ist

praktischer Verrat

dessen, was wir Gnade

nennen.“

 

Ich bitte:

 

Komm, Herr, segne uns, dass wir uns

nicht trennen, sondern überall und zu dir

bekennen. Nie sind wir allein, stets sind

wir die Deinen. Lachen oder Weinen

wird gesegnet sein.

 

 

 

www.Synodalerweg.de

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© Supervision-Coaching-Therapie-Geistliche Begleitung- Pfarrer Thomas Diener