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Systemrelevant?

Pfingsten

Jede Zeit bringt

bestimmte Begrifflichkeiten

hervor. So auch diese Krisenzeit.

Ein Begriff, der in Zusammenhang

mit der Pandemie immer wieder

aufgetaucht ist, ist der Begriff

der Systemrelevanz.

 

Man spricht in diesem

Zusammenhang von

systemrelevanten Menschen

Gruppierungen und Berufen

und wie unersetzbar wichtig sie

für das soziale Funktionieren,

die Aufrechterhaltung der

staatlichen Ordnung und

für die medizinische wie

sonstige Grundversorgung

der Bevölkerung sind.

 

Ist der Heilige Geist

systemrelevant?

 

Oh, ja und wie.

Zumindest doch für

das System Kirche.

Ohne ihn stünden wir

heute nicht hier,

feierten wir keinen

Gottesdienst, hörten

wir nicht Gottes Wort,

erlebten wir keine

Gemeinschaft im Glauben und

ökumenische Verbundenheit.

 

Ohne ihn wären die

Türen und die Fenster damals

verschlossen geblieben.

Die Jünger immer noch gefangen

hinter den Mauern, hinter

die sich zurückgezogen

hatten und diese Welt

ohne die befreiende

Botschaft eines Mannes

aus Nazareth mit

Namen Jesus.

 

Doch nicht nur

für die Kirche als Gemeinschaft

ist der Geist systemrelevant.

Er ist bedeutend und gewichtig

für jeden einzelnen Menschen.

Bedeutend und gewichtig

wegen seiner Gaben, die

er einem schenkt.

 

Weisheit und Einsicht,

Rat und Erkenntnis,

Stärke und Frömmigkeit,

Gottesfurcht.

 

In unseren Liedern

bitten wir um diese Gaben

sehr eindringlich. Und was

täten wir in einer Zeit

wie dieser, in der alle

Welt in der Krise steckt,

ohne diese Gaben?

 

Alles, was weise

und einsichtig ist,

wo wir um den gegenseitigen

Rat bitten und die gemeinsame

Erkenntnis des Guten haben

und dessen, was zum Wohl

des Menschen zu tun und

auch zu lassen ist, wo

Menschen sich einander

Mut zusprechen und

stärken, hat mit

dem Wirken des

Heiligen Geistes

zu tun.

 

Das ist das Besondere

an dem Geist Gottes.

Er ist mehr als nur

relevant für das System

Kirche. Er ist von Bedeutung

für das Leben von Menschen

überhaupt.

 

Und dass er sich

nicht in ein System einsperren

lässt, auch nicht in das System

Kirche, das scheint mir diesen

Geist Gottes auszuzeichnen.

 

Im Gegenteil: Dieser Geist

sprengt das kirchlich-institutionelle

Systemdenken; reißt Mauern

nieder; schafft sich Raum

für neues Denken und

Lebensansätze, und zwar

überall dort, wo man

ihn seiner ganz eigenen

Dynamik überlässt;

wo man sein Wirken

nicht bestimmen, untergraben,

in Frage stellen will.

Sich stattdessen

offen zeigt und

zugänglich

für ihn.

 

Ob man dies bei allen

Reformbemühungen in

unseren Kirchen mitbedenkt?

Ich bin mir da nicht so sicher.

 

Vielmehr doch darüber,

dass man ihn an die kurze

Leine binden möchte,

den Heiligen Geist.

 

Auch jetzt, in einer

Zeit, in der durch die Krise

bedingt, Neues und

Geistgewirktes

entstehen könnte,

will man

im eigenen System

lieber doch zur

Tagesordnung zurück,

als sich mutig neuen Ideen

gegenüber zu öffnen,

um der Kirche ein

neues Gesicht zu

geben, im Allgemeinen

und in den Gemeinde

vor Ort im Besonderen.

 

Wovor haben wir Angst?

Was meinen wir, zu verlieren,

wenn wir uns den

Herausforderungen

heute stellen?

 

„Auch unter uns“,

so Papst Franziskus,

„zeigt sich dieser Widerstand

gegen den Heiligen Geist.

 

Um es in ganz eindeutigen

Worten zu sagen, der Heilige

Geist stört uns. Denn er treibt

uns an, er setzt uns in

Bewegung, er drängt die

Kirche dazu, vorwärts zu

gehen. Und wir benehmen

uns wie Petrus bei der

Verklärung des Herrn:

„Ach wie schön ist es,

hier so zusammen zu sein!“

Aber er soll uns nicht

stören.

 

Wir wollen, dass

der Heilige Geist

einschlummert.

 

Wir wollen den Heiligen Geist

zähmen. Und das ist nicht

in Ordnung. Denn er ist

Gott, und er ist jener

Wind, der kommt und

geht, und du weißt

nicht, woher er kommt.

 

Er ist die Kraft Gottes;

er ist es, der uns tröstet

und uns die Kraft gibt,

weiterzugehen.

Aber weiterzugehen!

Und das stört uns.

Die Bequemlichkeit

ist uns angenehmer.

 

Ihr könntet sagen:

„Aber, das geschah

zu jener Zeit. Jetzt sind

wir alle glücklich und zufrieden

mit dem Heiligen Geist.“

Nein, das ist nicht wahr!“

 

                                               Papst Franziskus

 

Diese Gedanken bringen mich

zu der ganz anderen Frage:

 

Ist die Kirche als Institution

noch systemrelevant?

Was meinen Sie?

Ist sie entscheidend für

die Öffentlichkeit, für

unsere Gesellschaft,

auch für einen gläubigen

Christen?

 

Nach all dem, was

ich in den vergangenen

Wochen miterleben,

hier und da in den Medien

lesen und immer

wieder auch im Gespräch

erfahren durfte ist

die Antwort die:

 

Nein. Die kirchliche Institution

ist nicht systemrelevant.

Für viele Menschen unserer

Gesellschaft ist sie obsolet

geworden. Sie spielt keine

Rolle mehr. Viele kommen

auch ganz gut ohne diesen

blockierten Riesen

zurecht. (M. Lütz)

 

Gewiss wurde die Kirche

in den zurückliegenden

Wochen auf ihre ganz

eigene Weise

herausgefordert.

 

Gottesdienste

wurden per Livestream

übertragen.

Geistliche Impulse

wurden über die

verschiedensten

Kanäle gesendet.

Die wichtigsten

Gottesdienste

für uns Christen

wurden im Fernsehen

übertragen. Um nur

einiges zu nennen.

 

Doch was tragen

Religion, Theologie

und Kirche zur Deutung

der Krise bei?

Haben wir etwas anderes

zu sagen als das,

was die Kanzlerin

und das Robert-Koch-Institut

immer wieder betont

haben?

 

Wir müssen uns an die

Regeln halten.

Es geht darum, Leben

zu retten.

Wir müssen besonnen

sein.

Wir müssen aufeinander

achten.

Wir dürfen diejenigen

nicht aus dem Auge verlieren,

die unter der Pandemie

oder unter ihrer Bekämpfung

besonders leiden.

 

Die Frage steht nicht nur

für unsere Gesellschaft im Raum,

sondern auch für das System

Kirche selbst:

 

Wollen wir uns ändern?

Oder wollen wir

möglichst schnell wieder

anknüpfen an die Normalität,

aus der uns die Pandemie

so brüsk herausgerissen

hat? Fahren wir das System

Kirche und Gemeinde

einfach wieder hoch oder

soll es nach diesem

Shutdown ein echtes

Reset geben?

 

Es geht um wesentliche

Weichenstellungen,

systeminterne und

systemfremde

Weichenstellungen.

Kirchlicher Art.

Gesellschaftlicher Art.

 

Wie wollen wir in Zukunft

was gewichten? Welche Prioritäten

setzen wir? An welchen Stellen

reagieren wir? An welcher

Stelle rangieren Gesundheit,

Wirtschaftskraft, Freiheitsrechte,

Teilhabe, Geselligkeit, Kultur

und der christliche Glaube?

 

Was tut uns sterblichen,

elenden und herrlichen

Menschen gut? Was

nicht? Was schulden

wir einander? Wo

drehen wir uns

allzu selbstverliebt

um uns selbst?

Auf welchem Auge

sind wir blind?

 

Gottes Geist lässt uns

klarer sehen, spüren

und erkennen.

Er macht Mut, aus Erkenntnis

Taten erwachsen zu lassen,

dem Leben mehr zu trauen

als dem Rückschlag

und lehrt uns auszubrechen

aus vermeintlichen Sicherheiten,

um dabei wesentlicher

eigentlicher, lebendiger,

glaubwürdiger, geisterfüllter

zu werden.

 

Ist der Geist systemrelevant?

Ja, eindeutig ja. Nicht nur

für die Kirche, aber gerade

auch für sie, und dafür, dass

die Sache Jesu weitergeht.

In seinem Sinn, in seiner

Absicht und nicht nach

kirchlichem Gutdünken.

 

Lothar Zenetti schreibt

zum Pfingstfest diese

Worte:

 

"Die Wunder von damals

müssen’s nicht sein,

auch nicht die Formen von gestern;

nur lass uns zusammen Gemeinde sein,

eins so wie Brüder und Schwestern,

ja, gib uns deinen guten Geist,

mach uns zu Brüder und Schwestern.

 

Auch Zungen von Feuer

müssen’s nicht sein, Sprachen,

die jauchzend entstehen,

nur gib uns ein Wort,

darin Wahrheit ist,

dass wir, was Recht ist,

verstehen, ja, gib uns den Geist,

deiner Wahrheit Geist,

dass wir einander verstehen!

 

Ein Brausen vom Himmel

muss es nicht sein,

Sturm über Völker und Ländern,

nur gib uns den Atem,

ein kleines Stück unserer

Welt zu verändern, ja,

gib uns den Geist,

deinen Lebensgeist,

uns und die Erde zu ändern!

 

Der Rausch der Verzückung

muss es nicht sein,

Jubel und Gestikulieren,

nur gib uns ein wenig

Begeisterung, dass wir

den Mut nicht verlieren,

ja, gib uns den Geist,

deinen Heil’gen Geist,

dass wir den Mut

nicht verlieren."

 

Ich wünsche uns den

Mut zur Veränderung,

eine Veränderung, die gelenkt

ist durch den Geist Gottes,

der wirkt, in dir, in mir,

in uns allen, und, Gott sei es

gedankt, möglicherweise

gerade auch dort, wo viele

es nicht vermuten

und, aus welchen

Vorwänden heraus auch

immer, akzeptieren

wollen.

 

Ja, Gottes Geist ist

systemrelevant.

Er besitzt aber auch die

Fähigkeit, ein System

völlig durcheinander

zu bringen und es

auf den Kopf zu stellen,

vorausgesetzt, wir erlauben

es ihm, über uns zu kommen,

uns zu ergreifen und zu dem

zu machen, was wir vor

Gott und dieser Welt

sein sollen: Kirche

seines Geistes.

 

Seien wir alle gesegnet

mit den Gaben dieses

Durcheinanderbringers.

Und werden wir zu denen,

die zu werden wir berufen sind.

Werden wir zu Jüngern

und Jüngerinnen Jesu.

Geführt und gelenkt

durch seinen Geist.

Von ihm erfüllt

und bewegt.

 

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Diese Ansprache ist auch auf YouTube zu sehen. Bitte geben Sie folgende Erkennung ein:

 

Thomas Diener, Pfarrer

 

 

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Bistum Speyer

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Deutsche Bischofskonferenz

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