thomas diener systemische-lösungsorientierte supervision und coaching geistliche begleitung gestalttherapeutische beratung
  thomas diener                                                                                                                                systemische-lösungsorientierte                                                                    supervision und coaching                                                                                                                                              geistliche begleitung                                                                    gestalttherapeutische beratung

Sorge und Glaube              bewohnen einen Raum

Weisheit 12,13

Eine alte Legende berichtet

davon, wie die Sorge am Ufer

eines Flusses saß und aus Lehm

ein kunstvolles Gebilde formte.

Es gelang ihr und sie hatte

ihre Freude daran.

 

So bat sie Gott, es lebendig

zu machen. Gott tat es, und

das Wesen wurde lebendig.

 

Nun aber wurde die

Sorge mit der Erde uneins,

wem es gehören solle.

„Es ist von mir genommen

und aus Erde gemacht“,

sagt die Erde.

 

„Ich aber habe ihm

seine Gestalt gegeben“,

antwortete die Sorge.

Daraufhin entschied Gott

den Streit.

 

„Das neue Geschöpf soll

Mensch heißen. Im Leben

gehöre es der Sorge, sein

Leib gehöre im Tod der Erde,

seine Seele sein mein in

Ewigkeit.“

 

Die Wahrheit dieser –

im übrigen nichtchristlichen –

Legende ist die:

 

Es ist tatsächlich die Sorge,

die vielen unter uns und ihrem

Leben die Gestalt gibt.

 

Dass wir Dinge kaufen,

sammeln und pflegen,

entspringt der Sorge um den

heutigen und morgigen Tag.

Manche unter uns begleitet

die Sorge, Fehler zu machen.

etwas zu versäumen oder

zu vergessen, nicht fertig zu

werden und insgesamt

die Sorge, wie sie durch

das Leben kommen

werden.

 

Die zurückliegenden

Monate und Wochen

waren durch ganz eigene,

durch die Pandemie

hervorgerufene

Sorgen bestimmt.

Sorgen, die auch jetzt

noch anhalten und

manchem unter uns

immer noch keine Ruhe

lassen.

 

Was sind Ihre ganz

persönlichen Sorgen zur

Zeit? Was betrifft Sie?

Was lässt Sie nicht

zur Ruhe finden?

Was quält sie so sehr,

das Sie auch im

Schlaf nicht loslassen

können? Sie vielmehr

hin und her wenden

lässt, von einer Seite

auf die andere?

 

Es ist tatsächlich die Sorge,

die vielen unter uns und ihrem

Leben die Gestalt gibt.

 

Die Sorge sagt:

Du musst dein Leben in

die Hand nehmen.

Wenn du es nicht in der

Hand hast, hat es niemand

in der Hand.

 

Unsere Sorge und

unser Glauben bewohnen

denselben Raum.

Wo die Sorge wächst,

verliert der Glaube an Raum.

Wo der Glaube erlahmt,

dehnt sich die Sorge aus.

 

Wo dagegen der Glaube

Raum greift, schwindet die

Sorge. Die Sorge ist

darum so groß,

weil der Glaube

klein ist.

 

Was meinen Sie -

ob Gott auch die Sorge

kennt? Ob auch ihn die

Sorge quält? Sie ihn belastet

und nicht zur Ruhe kommen

lässt? Die Sorge um Dich

und mich, um unser Leben

und dass es uns gelingen

möge?

 

Das Buch der Weisheit

sagt: „Es gibt keinen Gott,

Herr, außer dir, der für alles

Sorge trägt.“ (Weish 12,13)

 

Ein wunderbares Wort,

wie ich meine. Ein ermutigendes

Wort zugleich. Es sagt nichts

anderes als dies:

Gott sorgt sich um Dich.

Gott sorgt sich um mich.

Gott sorgt sich um das Leben.

 

Die Psalmen geben auf

ihre Weise dieser Sorge

Gottes Ausdruck:

 

„Herr, du hast mich

erforscht und kennst mich.

Ob ich sitze oder stehe, du

kennst es. Du durchschaust

meine Gedanken von fern.

Ob ich gehe oder ruhe,

du hast es gemessen.

Du bist vertraut mit

all meinen Wegen.“ (Ps 139)

 

Was Psalm 139 ins Wort

bringt, fasst der Psalm 23

in einem einprägsamen

Bild zusammen:

 

„Der Herr ist mein Hirte,

nichts wird mir fehlen.

Er lässt mich lagern auf

grünen Auen und führt

mich zum Ruheplatz am

Wasser. Meine Lebenskraft

bringt er zurück. Er führt

mich auf Pfaden der

Gerechtigkeit, treu

seinem Namen.

Auch wenn ich gehe

im finsteren Tal,

ich fürchte kein Unheil,

denn du bist bei mir.“ (Ps 23)

 

Gott sorgt sich

um uns Menschen.

Gott sorgt sich um

unser Leben.

 

Dabei könnte er auch

ganz anders. Die Macht

dazu hätte er durchaus.

Die Macht zu zerstören, zu vernichten,

auszulöschen und zu töten.

Doch dies widerspräche

gänzlich seinem Wesen.

 

Dass Gott sich um uns

Menschen sorgt, entspricht

vielmehr seiner Liebe zu

uns. Weil Gott uns liebt,

sorgt er sich um uns.

Es ist eine Sorge, die

keine Grenzen kennt

und niemanden

ausschließt.

 

Jesus stellt uns dieses

Wesen Gottes vor.

„Sorgt euch nicht!

Seht die Vögel des Himmels

an! Sie säen nicht. Sie ernten

nicht. Sie sammeln keine

Vorräte in Scheunen.

Euer Vater im Himmel

ernährt sie. Seid ihr

nicht kostbarer als sie?“

 

Spätestens an diesem

Punkt komme ich jedoch

ins Stolpern und frage

kritisch nach:

 

Sind Vögel nicht pausenlos

auf der Suche nach Futter?

Stehen sie nicht ständig in

Auseinandersetzung mit

störenden Artgenossen?

Ist das Fliegen nicht

anstrengend?

Sind sie nicht am Brüten

und auf der Suche nach

Nahrung für ihre Brut?

Geht das, was Jesus

da sagt, nicht an der

Wirklichkeit vorbei?

 

Jesus meint nicht,

dass der Glaube eine

Sache für Blumenkinder sei.

Er meint mit seinen Vergleichen

vielmehr, dass der Mensch

in Gefahr sei, in seiner Angst

und Sorge zu erstarren und

dabei sein Leben zu verfehlen.

 

Wer ganz von der Sorge

eingenommen wird, sagt etwa

dies:

 

„Die Welt ist voller Gefahren.

Sie ist voller Feinde. Glaube keinem.

Jeder lügt. Jeder bedroht dich.

Rechne immer mit dem Schlimmsten.

Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner.

Geh kein Experiment ein.

Halte dich an das Gesicherte.

Sorge für dein Überleben.“

 

Wer auf dem Weg zum Leben

ist, sagt es etwa so:

 

„Die Zukunft ist ganz und

gar offen. Es kann noch viel

geschehen, das ich noch nicht

kenne, auch viel Rettendes,

Helfendes. Ich bin also gespannt,

was morgen sein wird.

Ich baue keine

Mauer um mich herum,

sondern lebe wie auf

einem offenen Feld, wo

der Wind aus allen Richtungen

zu mir kommt. Ich erwarte

trotz aller Gefahren, dass

etwas geschehen kann,

das mir neu ist und die

Lage ändert.

 

Wir haben die Möglichkeit

zwischen diesen beiden Wegen:

Uns durch die Sorge das

Leben nehmen zu lassen.

Oder durch den Glauben

an und das Vertrauen

in das Leben, Freiheit

und Weite zu gewinnen.

 

„Wer sein Leben sichern

will“, sagt Jesus, „der wird

es verlieren.“ – Man kann

das Leben nicht zementieren.

Man kann seine Freiheit

nicht wie Tiefkühlkost

konservieren. Man kann

nur wagen, ein freier

Mensch zu sein.

 

Dazu sind wir

von Gott berufen!

 

Nun wissen wir aber

auch, dass Gott in seine

Schöpfung sehr viel Dunkelheit

hineingeschaffen hat.

In das Gewebe dieser Welt

sind viel Tod und Leid

und Schmerz

hineinverwoben.

 

Das Evangelium greift

dabei auf das Bild vom

Unkraut zurück.

 

Niemand von uns fällt

aus dieser Wirklichkeit

heraus, mit seiner Sorge

oder ohne sie. Alles, was

lebt, ist hineingewoben

in das alles umfassende

und sehr ernste Spiel

der Schöpfung.

 

Im Leben

eines jeden von uns regiert

ein Gesetz, über das er

keine Macht hat.

Darin steckt etwas

sehr Schmerzhaftes, wenn

das große Spiel der Schöpfung

erhaben über uns Menschen

hinweggeht. Wohin dann

mit unserer Sorge?

 

Ich habe den Eindruck,

dass Gott uns die Sorge

um das Leben nicht abnimmt.

Vielmehr teilt er sie mit

uns und geht mit uns

durch all die Widerfahrnisse

unseres Lebens hindurch.

 

Zudem nimmt er uns

nicht ab, worum wir uns

selbst sorgen können

in Bezug auf das eigene Leben,

in Bezug auf das Miteinander

von Menschen, in Bezug

auf die Schöpfung.

 

Der Prophet sagt:

„Wenn du durchs Wasser

schreitest, bin ich bei dir,

wenn durch Ströme, dann reißen

sie dich nicht fort. Wenn du durchs

Feuer gehst, wirst du nicht

versenkt, keine Flamme wird

dich verbrennen. Denn ich,

der Herr, bin dein Gott.

Ich, der Heilige Israels, bin

dein Retter. Weil du in

meinen Augen teuer

und wertvoll bist

und weil ich dich

liebe.“ (Jes 43)

 

All dem entnehme

ich, dass Gott uns in unserer

Sorge nicht allein lässt;

dass er uns hilft, das dunkle

Paket an Sorgen zu tragen.

„Man solle seine Sorgen

auf den Herrn werfen“,

sagt der erste Petrusbrief.

 

Martin Luther sagt dazu:

 

„Wer dieses Werfen nicht

lernt, der muss ein verworfener

Mensch bleiben, ein zerworfener,

ein unterworfener, ausgeworfener,

abgeworfener, umgeworfener

Mensch.“ Also einer, mit dem

geworfen wird, ein Spielball.

 

Dieses Werfen, das Luther meint,

setzte den Versuch, und sei

er noch so ängstlich, zu dem

Vertrauen voraus, dass Gott

selbst dem Menschen dabei

helfen wird. Sonst ist das

Paket zu schwer für seine

Hände.

 

Ohne die Spur eines

Vertrauens wirft man

die Sorge nicht aus dem

Bannkreis seines Lebens

hinaus.

 

Gott segne Sie mit

grenzenlosen Vertrauen

in seine Macht, das Sie alle

Sorge um das Leben überwinden

lässt. Er segne Sie mit dem

Mut, sich dem Leben zu

stellen und lebendig zu

bleiben, befreit von

umklammernder Sorge.

Er lasse Sie offen bleiben

für die Wunder eines

jeden Tages.

 

 

www.Synodalerweg.de

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© Supervision-Coaching-Therapie-Geistliche Begleitung- Pfarrer Thomas Diener