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Gott kommt auf einem Mofa

Palmsonntag

 

Ist Ihnen eigentlich bewusst,

dass, wenn Jesus von Nazareth

ungefähr als 30-Jähriger

angefangen hat zu wirken

und mit 33 hingerichtet wurde,

dass wir von den 91% seines

Lebens so gut wie nichts wissen?

 

Wie er aufgewachsen ist,

worüber er mit seinen Geschwistern

gestritten hat,

vor welcher Eisdiele er als

Jugendlicher herumgelungert hat,

ob und wann er das erste Mal

betrunken gewesen ist,

in welche Mädchen er verliebt

war,

welche Menschen ihn prägten,

wer seine Lehrer waren,

zu wem er aufschaute,

ob er seinen Beruf als Zimmermann

gern mochte oder nicht,

überhaupt wie man sich Gott

mit einer Berufsausbildung

vorstellen kann und wann er

zum ersten Mal auf den Gedanken

kam, er sei Gottes Sohn –

über all das schweigt das

Neue Testament.

 

90 % seines Lebens lebt

Jesus in einem winzigen Dorf

in der galiläischen Pampa

und keiner bekommt was davon

mit.

 

Wer würde wohl so

seine göttliche Biografie

beginnen?

 

Doch der Gott, an den

wir glauben, ist ein seltsamer

Gott. Er verweigert sich

konsequent, dem, was

uns als angemessen

und göttlich erscheint.

 

Sicher, was wir von Jesu

dreijähriger Wirksamkeit wissen,

das hat Hand und Fuß.

 

 

Jesus war eine beeindruckende

Figur. Jemand, der etwas zu

sagen hatte. Die Art, wie er

mit Menschen umging, wie er

von der Liebe Gottes sprach

und die vielen Geschichten,

die er erzählte, bezeugen

dies eindrücklich.

 

Auch seine unvergessenen

Worte wirken nach:

 

„Liebt eure Feinde.“

„Du kannst nicht Gott dienen

und dem Mammon.“

„Wer von euch kann durch

seine Sorgen sein Leben auch

nur um einen Tag verlängern?“

„Wer ohne Sünde ist,

werfe den ersten Stein.“

Oder, „Was siehst du den

Splitter im Auge deines Bruders

und bemerkst den Balken

in deinem eigenen nicht.“

 

Einmal fragte ihn jemand,

wie oft man einem anderen

vergeben soll, ob sieben Mal

ausreicht?

 

Jesu Antwort war:

Nicht sieben Mal sollst

du vergeben, sondern

sieben mal siebzig Mal.

 

Das hat Qualität.

 

Oder wie er sich

denen zugewandt

hat, die am Rand standen.

Denen ohne guten Ruf,

den Losern und Vergessenen,

den Gemobbten, Typen, mit

denen wir auch heute nicht

gerne was zu tun hätten.

 

Dazu den Kranken und

Peinlichen. Frauen und Kindern,

Ausländern, Prostituierten

und Verbrechern.

 

Darin war Jesus

unglaublich konsequent.

 

Er legte sich mit

den Tiefgläubigen seiner

Zeit an, beschimpfte sie als

Scheinheilige, als Schlangenbrut.

Und wenn ihm eine Fangfrage gestellt

wurde, hebelte er seine Gegner

mit süffisanten Gegenfragen aus.

Manchmal konnte er richtig

witzig sein.

 

Jesus war ein störrischer

Charakterkopf mit einer

unendlich tiefen Liebe

zu den Menschen.

 

Mit so einem menschlichen

Gott rechnete damals niemand.

Gott, so wie er sich in

Jesus von Nazareth zeigt, ist

nicht so leicht als Gott

zu erkennen – weil dieser

Gott so anders ist.

 

Jesus liebte Zeichenhandlungen.

Einmal hat er seine Nachfolger

um sich versammelt und ihnen

die Füße gewaschen.

 

Daraufhin gab es Proteste,

weil er die Rollen vertauschte.

Aber Jesus ließ sich nicht

irritieren.

 

Feine Herren mögen sich

bedienen lassen, sagte er,

aber das sei nicht seine Art

zu leben:

Dient einander,

seid einander zugewandt,

wascht einander die Füße.

Niemand steht höher

als ein anderer.

 

Gott macht es nichts aus,

Füße zu waschen.

 

Und dann ritt Jesus

auf einem Esel nach Jerusalem.

Die Menschen jubelten ihm

zu. Sie erwarteten, dass nun

der Messias endlich sein

Königreich aufrichten und

die verhassten Römer aus dem

Land jagen würde.

Ein symbolträchtiger Moment.

 

Nebenbei:

Haben Sie schon einmal

gesehen, wie es aussieht,

wenn jemand auf einem Esel

reitet?

 

Vergessen wir die

stattlichen Szenen

aus Sandalenfilmen, von Königen,

die hoch zu Ross herrschaftlich

in eine Stadt geritten kommen.

 

Ein Esel ist erst einmal

viel kleiner als ein Pferd.

Und „stattlich“ ist ganz sicher

kein Wort, das einem dazu

einfällt.

 

Esel tippen so komisch,

der Reiter wird die ganze Zeit

durchgeschüttelt, und Esel

laufen auch nicht richtig

gerade. Man muss die ganze

Zeit aufpassen, nicht

herunterzufallen.

 

Aber genauso kommt der

Messias in die Heilige Stadt.

Durchgeschüttelt. Auf einem

Esel.

 

Gott fährt nicht Mercedes,

sondern ein verrostetes

Mofa – wer hätte das gedacht?

Herrlich und stattlich

können alle Götter – der christliche

Gott kommt auf einem Mofa.

 

In der Stadt spitzt sich

alles zu, der Konflikt mit

der religiösen Elite, den römischen

Besatzern und mit der Erwartung

des Volkes, dass Gott durch Jesu

ein neues herrliches Israel

aufrichten würde.

 

Nach ein paar Tagen

und einigen denkwürdigen

Sätzen und Aktionen, wird

Jesus verraten, gefangen genommen,

verhört, verhöhnt, gefoltert

und schließlich ans Kreuz

genagelt.

 

Am Kreuz hingen die,

denen Rom noch im Tod

jegliche Würde und Menschlichkeit

absprach. Der Abschaum.

Der Dreck. Unwertes Leben.

 

Und darunter an jenem

Freitag Jesus, der Mann, den

wir als Gott verehren.

Gemartert.

Entehrt.

Ein Stück blutenden

Fleisches.

Mit einer Dornenkrone

auf dem Kopf.

 

Noch im Tod treiben

die Leute ihren Schabernack

mit ihm. Verspotten ihn.

Wollen sehen, ob ihm irgendeine

übernatürliche Macht zur

Seite springt und ihn vor

dem Tod bewahrt.

 

Es gibt kein übernatürliches

Eingreifen. Jesus stirbt allein.

Seine Peiniger behalten recht.

 

Herrlich und stattlich

können alle Götter –

der christliche erstickt elendig

an einem Kreuz.

 

Was ist das für ein merkwürdiger

Gott? Der sich nicht rettet. Der

nicht triumphiert, sondern

sich hinrichten lässt?

Und wie um alles in der

Welt konnte aus dem

Glauben an so einen Gott

eine Weltreligion entstehen?

 

Die Evangelien schildern das

alles sehr ausführlich. Sie berichten,

dass Jesus noch für seine Peiniger

betet, kurz bevor er stirbt:

„Vater vergib ihnen, denn

sie wissen nicht, was sie tun.“

 

Und dann stirbt er mit der

einsamsten Frage auf den Lippen,

die man sich vorstellen kann:

„Mein, mein Gott, warum hast

du mich verlassen?“ Diese Frage

zieht sich wie ein roter Faden

durch die Geschichte. Sie wird

nicht nur von dem Mann aus

Nazareth gestellt. Sie stellt sich

auch vielen gläubigen Menschen,

die an die Grenzen ihrer Existenz

stoßen. Vielen auch in diesen

Tagen und Wochen, wo ganze

Existenzen und Lebensentwürfe

in Frage gestellt werden.

 

Spätestens hier wird klar,

dass, sollte Jesus tatsächlich

Gottes Sohn sein, alles,

aber auch wirklich alles,

was wir je über Gott gedacht

haben, an sein Ende gekommen

ist.

 

Gott ist anders als

wir Menschen es uns

vorstellen und das Kreuz

ist der Dreh und

Angelpunkt des christlichen

Glaubens.

Wenn es ein Symbol

für die Merkwürdigkeit unserer

Religion gibt, dann dieses.

 

www.Synodalerweg.de

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

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