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Gott hat kein "hinten"

5. Ostersonntag

Wie sieht Gott aus?

Haben Sie eine Ahnung?

Die kleine Anna hat eine

Antwort, zugegeben, ihre

ganz eigene Antwort:

 

„Und was macht der Pfarrer,

wenn sich rausstellt, Mister

Gott hat überhaupt kein

Gesicht? Nicht mal Augen?

Dann kann der Mensch

ihn gar nicht von Angesicht

zu Angesicht sehen.“

 

Dann rückte

sie näher zu ihrem Freund

Fynn und sagte, was sie

über Gott wusste.

 

„Ich sage dir, Fynn,

Mister Gott hat überhaupt

kein Gesicht. Er sieht uns alle

auf der Erde, jeden einzelnen,

und er muss sich dafür

nicht einmal umdrehen

oder schielen oder so

was. Sieh mal, ich habe ein

„vorne“ und ein „hinten“.

Und wenn ich hinten

was sehen will, muss

ich mich umdrehen,

weil ich hinten keine

Augen habe.

 

Aber Mister Gott hat

nur ein “vorn“ und kein

„hinten“. Er schaut

überall hin gleichzeitig.“

 

„Gott hat kein „hinten“

rief sie auf dem Weg

nach Hause, so dass

es alle hören konnten.

Sie waren empört.

 

Anna dagegen

hüpfte vor Freude.

Sie war sicher:

Gott war ihr Freund.

Und dieser Freund,

der verstand sie.

 

Die Geschichte stammt

aus dem Buch: „Hallo

Mister Gott, hier spricht

Anna“. Möglicherweise

ist es ihn bekannt.

 

Wie sieht Gott aus?

Keiner hat Gott je

gesehen und dennoch

gibt es so viele Bilder

und Bezeichnungen

für ihn.

 

Allein 99 Namen kennt

der Islam für Gott. Namen,

die die Wesenszüge

und Eigenschaften Gottes

bezeichnen sollen.

 

Demgegenüber ist

das Judentum zurückhaltend,

wenn es sagt, dass man sich

kein Bild von Gott machen

soll.

 

Auch Gott selbst hält

offen, wer und was er

für den Menschen bedeuten

will. Aufschlussreich erscheint

mir die Szene, die Marc Chagall

im Bild festhält und die Worte,

die im 2. Buch Mose,

dem Buch Exodus, zu lesen

sind.

 

Marc Chagall malt

Mose vor dem brennenden

Dornbusch auf dem Berg

Sinai. Im Feuer ist ein

hebräischer Schriftzug

zu erkennen: Jahwe.

 

Das Buch Exodus erzählt

davon, wie Gott Mose den

Auftrag erteilt, sein Volk

aus Ägypten zu befreien

und herauszuführen.

 

Mose erscheint unsicher.

Er fragt nach, was er seinem

Volk antworten soll, wenn

es ihn fragen sollte, wer ihn

schickt.

 

Da antwortete

Gott dem Mose:

Ich bin, der ich bin.

Und er fuhr fort:

So sollst du zu den

Israeliten sagen:

Der Ich-bin hat

mich zu euch gesandt.

 

Eine andere Übersetzung

der Antwort Gottes erscheint

mir persönlich aufschlussreicher.

Sie lautet:

 

„Ich werde sein,

der ich sein werde.“

 

Mit dieser Antwort

lässt Gott alles offen

und verschafft sich selbst

die Möglichkeit, dem Menschen

gegenüber in tausenden Gesichtern

zu erscheinen und gegenüberzutreten.

 

Gott lässt sich

nicht vorschreiben,

wie er sein und wie er aussehen

soll, ob mit einem weißen Bart

oder glatt rasiert; ob auf

einem Thron sitzend

oder auf einem Hocker,

ob als Mann oder Frau,

ob als Vater oder Mutter.

 

Er zeigt sich so, wie

es dem Augenblick entsprechend

ist und dem Menschen gut tut.

 

Auffallend ist:

Dem Judentum, dem Islam

und dem Christentum

fehlt die weibliche

Symbolik für Gott.

 

Für die Theologin Dorothee Sölle

war es eine sehr einschneidende

Erfahrung als sie am Ende

eines Gottesdienstes die

Segensworte vernahm:

 

„Gott behüte und segne

dich. Sie lasse leuchten

ihr Angesicht über dir.

Sie sei dir gnädig.“

 

Während die einen

eher doch empört über

solche Worte gewesen waren

und sie als bedrohlich empfanden,

lösten sie bei den anderen

ein Gefühl der Befreiung

aus.

 

Wie sieht Gott aus?

Dorothee Sölle meint:

Wenn Gott nur „er“

genannt wird, so ist Gott

zu klein gedacht.

 

Gott vereint alle Gegensätze

in sich: Er ist allgegenwärtig und

verborgen, allmächtig und ohnmächtig,

Mutter und Vater. Ein Name

ist für ihn nicht genug.

Ein Name führt in die

Irre.

 

Vater allein, als Bezeichnung

für Gott, sagt Sölle, ist ein

totes Wort. Vater und Mutter

als Bezeichnung für Gott

sei dagegen eine Einladung,

mehr Namen Gottes suchen

zu gehen.

 

Wie Liebende nicht müde

werden, füreinander neue

Namen zu finden, so sei es

auch in der Beziehung

zur Liebe selbst, zu Gott.

 

Papst Johannes Paul II

sagte einmal: Gott sei auch

Mutter, zumindest so sehr,

wir er auch Vater sei.

 

In einem Lied aus

der amerikanischen

Frauenbewegung

heißt es:

 

„Möge der warme

Wind dich streicheln,

möge Gott lächeln, möge

sie dich segnen.“

 

Gott lächelt.

Sie segnet,

sie tröstet.

Wärme und Weichheit,

Zärtlichkeit und Geborgenheit,

Gefühlsreichtum

sind Züge des christlichen

Gottes. Gott ist emotional.

Gott ist weiblich, zumindest

so sehr wie er männlich

ist.

 

Unsere Sprache bleibt

immer ein Gefängnis.

Sie ist zu klein für unseren

Gott, der viele Namen

hat, zu viele, als das

wir sie, Gott, fassen

könnten.

 

 

 

Segen

 

Im Namen Gottes,

der uns Vater und Mutter

ist, im Namen Jesu, der unser

Bruder und Heiland ist,

und im Namen des Heiligen

Geistes, der uns tröstet

und die uns Mut macht,

seien Sie gesegnet.

 

Und allen Müttern und

mütterlichen Menschen

wünsche ich am heutigen 

Muttertag einen schönen Tag,

herzliche Begegnungen

im Rahmen des Möglichen.

 

 

 

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