thomas diener systemische-lösungsorientierte supervision und coaching geistliche begleitung gestalttherapeutische beratung
  thomas diener                                                                                                                                systemische-lösungsorientierte                                                                    supervision und coaching                                                                                                                                              geistliche begleitung                                                                    gestalttherapeutische beratung

Freiheit, die ich meine.

6. Sonntag A

Freiheit.

Ein wertvolles Gut.

 

Von vielen viel zu

selbstverständlich

genommen und viel zu

wenig gewürdigt.

Von anderen missachtet,

mit Füssen getreten

und verletzt.

Schließlich oftmals hart

erkämpft und errungen,

unter dem Einsatz

des ganz eigenen

Lebens.

 

Wir sprechen von

Entscheidungsfreiheit

und Handlungsfreiheit,

von Meinungsfreiheit

und Religionsfreiheit,

von Pressefreiheit

und Versammlungsfreiheit,

von Wahlfreiheit,

von Gewissensfreiheit

und …

 

Freiheit meint zunächst

Unabhängigkeit. Sie findet

sich dort, wo kein Zwang,

keine Bedingung, keine

Verpflichtung den Menschen

in seinen Entscheidungen

beeinflusst.

 

Freiheit meint

die Autonomie

eines Menschen.

 

Der Philosoph Thomas Hobbes

sagt zum Thema der Freiheit:

Frei ist, wer tun kann, was er will

und daran von anderen nicht

gehindert wird.

 

Immanuel Kant geht davon aus,

dass man in seiner Freiheit nicht

nur von außen und durch andere,

sondern auch von innen und durch

sich selbst eingeschränkt sein kann.

 

Wiederum andere meinen:

Die Freiheit des Menschen liegt

nicht darin, dass er tun kann,

was er will, sondern dass er nicht

tun muss, was er nicht will.

 

Paulus beschreibt

die Grundstimmung

des Christen so:

 

„Ihr seid zur Freiheit berufen.“

 

Was verbinden Sie selbst

mit dem Wort Freiheit?

Welche Assoziationen

und Bilder ruft dieses Wort

in Ihnen wach?

Wann haben Sie sich

das letzte Mal so richtig frei gefühlt?

Und: Wie war das?

Was hat zu Ihrer Freiheit

beigetragen?

Und: Was unterscheidet diesen

Zustand möglicherweise

von ihrer jetzigen

Lebenssituation?

 

Freiheit.

Der Umgang mit der Freiheit

will gelernt sein. Kennt Freiheit

Grenzen?

 

Nur über den Wolken

scheint die Freiheit grenzenlos

zu sein, denn hier auf Erden

ist sie nur bedingt lebbar.

Sie gelangt doch spätestens

dort an ihre Grenze, wo

sie der Freiheit eines

anderen Menschen

begegnet.

 

Freiheit ist nie absolut.

Kann es nie sein.

 

Es gibt welche, die der Meinung

sind, dass der Mensch überhaupt

keine Freiheit hätte. Dass der

Mensch ein Produkt seiner

Umwelt, äußerer Einflüsse

oder genetischer Determinierung

und seiner Triebe sei.

 

Äußere Einflüsse sind nicht

von der Hand zu weisen. Doch

wie die jeweils eigene Entscheidung

aussieht, ist das nicht eine Frage

des eigenen freien Willens?

 

Die heutige Lesung fordert

den Hörer heraus, in Freiheit eine

Entscheidung zu treffen.

 

Gott gibt dem Menschen Gebote

und Vorschriften. Es liegt bei ihm,

diese Weisungen anzunehmen

und nach ihnen zu handeln, oder

sie auszuschlagen und einen

anderen Weg zu gehen.

 

„Wenn du willst“ so heißt die

Formulierung, die uns darauf

aufmerksam macht, dass der

Mensch die Möglichkeit

hat, sich zu den Geboten

und Weisungen Gottes

frei zu verhalten.

 

Christliche Freiheit findet

ihren Ursprung in Gott.

Er schenkt sie uns.

Er respektiert sie.

Er nimmt dafür sogar

in Kauf, dass sich der

Mensch gegen ihn und

damit gegen das Leben

entscheidet.

 

Ist hier möglicherweise

die Antwort auf das Böse

und das unendliche

Leid in dieser Welt und unter

Menschen begründet: Dass

der Mensch sich in Freiheit

für oder gegen Gott; für

oder gegen das Leben

entscheiden kann?

 

Freiheit.

Ein wertvolles Gut.

Mit ihr ist uns Menschen

eine große Verantwortung

gegeben.

 

Der deutsche Rapper

und Liedermacher Curse

beschreibt Freiheit so:

 

„Weil das Album eben

„Freiheit“ heißt, werden

mich viele fragen, was für mich

Freiheit heißt.

Was für ein großes Gefühl.

Was für große Erwartungen,

die ich fühle.

Was für ne große Verantwortung,

was für ne große Bürde.

Zu beschreiben, was für

mich die Freiheit heißt,

was für ne große Hürde.“

 

Im weiteren Verlauf des Rapps

wird deutlich, dass die Bürde nicht

nur darin besteht, die Freiheit zu

beschreiben, sondern diese auch

gewissermaßen für sich selbst

jeden Tag neu kreieren zu

müssen.

 

In der Tat,

Freiheit kann auch zu einer

Überforderung,

zur Last,

zur Bürde,

zur Hürde werden.

 

Woran kann sich die Freiheit

eines Menschen orientieren,

wenn sie nicht willkürlich,

möglicherweise zerstörerisch

und verletzend sein soll,

grenzüberschreitend?

 

Gott gibt seinem Volk

Gebote und Weisungen.

Sie tragen ganz wesentlich

zum Bundeschluss zwischen

ihm und Israel bei.

 

In der Aneinanderreihung

der 10 Gebote, die Gott Mose

übergibt, findet sich die Begründung

für die Weisungen Gottes:

„… damit du lange lebst

in dem Land, das der Herr, dein

Gott, dir gibt.“ (Ex 20,12)

 

Gottes Gebote schränken

die Freiheit des Menschen

nicht ein, sie wollen Leben

ermöglichen. Denn hierzu

ist der Mensch von Gott berufen:

Leben zu haben, in seiner

ganzen Fülle zu haben.

 

Allem vorweg geht es

Gott um ein

heiles,

freies,

erlöstes,

sinnvolles,

erfülltes und gutes

Leben.

 

Auf dieses Leben richtet

sich die Freiheit von Christen aus.

An einem solchen Leben findet

die Freiheit von Christen ihren

Maßstab.

Die Freiheit des Christen

orientiert sich an

Gottes Absicht.

 

Martin Luther beginnt

sein Buch „Von der Freiheit

eines Christenmenschen“

mit zwei klassischen Sätzen:

„Ein Christenmensch ist ein

freier Herr über alle Dinge

und niemand untertan.

Und:

Ein Christenmensch ist ein

dienstbarer Knecht aller Dinge

und jedermann untertan.“

 

Das klingt zunächst paradox.

Der Widerspruch lässt sich

dadurch begreifen, dass die Freiheit

eines Christen niemals in

ihm selbst begründet ist.

Der Grund seiner Freiheit

und der Garant seiner

Freiheit ist Christus und

damit Gott selbst.

 

Christlich frei handelt

derjenige, der Gottes Absicht

seiner Freiheit und seinen

Entscheidungen zugrunde

legt.

Derjenige, der danach

fragt, womit diene ich dem

Leben mehr, womit

verherrliche ich Gott

mehr?

 

Anders gesagt:

Es geht nicht

um die Frage: Was will

ich und immer wieder nur

ich?

Vielmehr geht es darum,

sich zu fragen: Was will

Gott, dass ich tue?

 

Freiheit, wie Christen sie

verstehen, orientiert sich

an den Qualitäten menschlichen

Lebens und menschlicher Haltungen,

die ein Leben ermöglichen,

wie es Gott gedacht hat.

 

In allem, was Jesus tut,

geht es ihm darum, Gott

selbst die Ehre zu geben.

 

Sein Handeln zielt auf

die Erfüllung des Willens

seines Vaters und auf

das Leben des

Menschen:

 

„Ich bin gekommen,

damit sie das Leben haben,

und es in Fülle haben!“ (Joh)

 

Nur so lässt es sich

verstehen, warum er nicht

immer mit den jüdischen Gesetzen

konform geht. Sich ihnen sogar

widersetzt und dabei mehr

als einmal betont, dass

der Mensch nicht für

das Gesetz da ist, sondern

das Gesetz für den

Menschen.

 

Kurz:

Jesus geht es um die größere

Gerechtigkeit. Ihm geht es

stets um das Leben.

Ihm geht es um

Gott.

 

Der einzelne Buchstabe des

Gesetzes kann dabei tödlich

sein und dazu verführen

allzu schnell nach den

Steinen zu greifen und

sie nach einem anderen

Menschen zu werfen.

 

Jener Maßstab,

den Jesus selbst der menschlichen

Freiheit setzt, ist der

Maßstab der Liebe.

Sie weist jedem

Gebrauch menschlicher

Freiheit die Richtung.

 

„Alles, was ihr tut,

geschehe in Liebe“, schreibt

Paulus seiner Gemeinde

in Korinth. (1 Kor 16,13ff)

 

Nutze ich meine Freiheit

dazu, ein Mehr an Liebe in diese

Welt und unter die Menschen

zu bringen, oder provoziere

ich durch meine Freiheit

ein Weniger an Liebe

in dieser Welt

und unter den

Menschen?

 

Gott will, dass wir

uns für ein Mehr an

Liebe entscheiden und damit

für das Leben und damit

für ihn.

 

„Bei der Suche nach Erlösung“,

schreibt der Schriftsteller Paulo

Goelho, „wird am Ende die Frage

nach der Liebe gestellt.

Denn die Liebe in sich verschlossen

zu halten verstößt gegen das Gebot Gottes

und ist ein Zeichen dafür,

dass wir ihn nie gekannt haben,

dass er uns vergebens geliebt hat

und dass Jesus umsonst gestorben ist.“

 

Wir sind zur Freiheit

berufen. Freiheit, wie

sie der Glaube meint,

orientiert sich immer

an der Liebe und sie

vollendet sich in

Gott.

 

 

www.Synodalerweg.de

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© Supervision-Coaching-Therapie-Geistliche Begleitung- Pfarrer Thomas Diener