thomas diener systemische-lösungsorientierte supervision und coaching geistliche begleitung gestalttherapeutische beratung
  thomas diener                                                                                                                                systemische-lösungsorientierte                                                                    supervision und coaching                                                                                                                                              geistliche begleitung                                                                    gestalttherapeutische beratung

Ostern

Eine Kirche der Auferstehung

Diese Ansprache enstand kurz bevor

das Corona-Virus ausgebrochen ist, so dass

sich kein ausdrücklicher Bezug zur augenblicklichen

Situation darin findet. Hierzu verweise ich auf

den Ostergruß.

 

_______________________

 

 

Das Christentum ist eine

merkwürdige Religion.

Es feiert den Tod

seines Gottes und

findet am Kreuz

seinen Anfang.

Es beginnt mit

einer scheinbaren

Neiderlage seines

Gottes, Jesus Christus.

 

Die Evangelien stellen ihn

als einen gescheiteren Gott

dar. Als einen Gott, der an

dieser Welt und den Menschen

zugrunde ging.

 

Verraten.

Gefangengenommen.

Ausgeliefert.

Verurteilt.

Ans Kreuz geschlagen.

Tot. Mausetot.

Schließlich begraben.

Götter anderer Religionen

sind mächtig und stark,

herrschaftlich und gehen

als Sieger aus dem Streit

hervor. Sie thronen über

den Wolken, unendlich

fern.

 

Der christliche

Gott ist anders.

Wo andere stark sind,

zeigt er sich schwach.

Wo andere triumphieren,

macht er sich klein.

Wo andere gewohnt sind,

dass man ihnen hofiert,

macht er sich zum Diener

aller.

Wo andere unerreichbar

erscheinen, setzt er sich

aus, kommt dem Menschen

nah in einem wehrlosen

Kind.

 

Zunächst.

 

Ostern erzählt uns noch

von einer anderen Wahrheit:

dass der christliche Gott der

eigentliche Sieger ist

und bleibt, weil er das

vollbringt, was andere

Götter niemals

vollbringen

können:

 

Der christliche Gott

besiegt den Tod.

Dieser Sieg über

Sterben und Tod hinweg

macht ihn zum wahren

Gott für uns.

 

Das Christentum ist

eine merkwürdige Religion.

Es beginnt mit dem Scheitern

eines Menschen, der selbst

Gott gewesen ist und in allem

uns Menschen gleich, also

auch im Scheitern menschlicher

Existenz.

 

Das macht ihn glaubwürdig

für uns. Das bringt ihn uns

nah. Das lässt ihn einen von

uns werden, der es uns erlaubt,

dem eigenen Scheitern,

den eigenen Schwächen,

den eigenen Grenzen,

den eigenen Niederlagen,

dem eigenen Tod

offen und ehrlich ins

Gesicht zu schauen.

 

Das Leben Jesu,

sein Scheitern, Sterben und sein

Tod, aber auch seine

Auferstehung, gerade

diese, haben mit unserem

Leben zu tun und nicht nur

das. Leben, Scheitern,

Sterben und Tod Jesu und auch

seine Auferstehung

haben auch mit der Kirche

zu tun.

 

Vom Scheitern der Kirche

ist in den zurückliegenden

Monaten immer wieder

die Rede gewesen.

Die Kirche erlebt seit

längerem Rückschlag

um Rückschlag.

Für viele hat sie an

Bedeutung verloren.

Für viele ist sie

gestorben und damit

ohne weitere

Relevanz für das eigene

Leben und die vielen

Fragen, die das Leben

an einen Menschen stellt.

 

Heute, für einen Moment,

tritt sie aus all diesem Wust heraus

und ruft den Menschen zu:

Der Tod hat keine Macht

mehr über das Leben.

Die Macht des Todes

ist gebrochen durch

den, der den Tod

besiegt hat:

Christus.

 

Doch was bedeutet Ostern

für die Kirche selbst? Wozu

lädt das Fest der Auferstehung

unseres Gottes die Kirche ein?

 

Die Einladung ist zunächst

die: sich dem eigenen Scheitern

zu stellen und die Dunkelheit

des eigenen Grabes, in das

sie hinabgestiegen ist,

auszuhalten.

 

Nur eine Kirche, die

dazu bereit ist, sich ihren

Schattenseiten zu stellen,

kann auch wirklich und

glaubhaft Ostern feiern.

Die Auferstehung Jesu.

Und die ganz eigene

Auferstehung dazu.

 

Denn zur Auferstehung

bleibt auch die Kirche gerufen.

Österlich soll Kirche

sein. Doch wie?

 

Eine österliche Kirche, die

von Auferstehung redet,

darf Auferstehung nicht

nur verkünden, sie muss

sie auch leibhaft in

ihren Vollzügen leben.

Nur das macht sie

glaubwürdig.

 

Glaubwürdig für

Zweifler, Enttäuschte

und Verletzte.

Glaubwürdig für

Frustrierte und an

ihr Gescheiterte.

Glaubwürdig für

Suchende und jene,

die ihre Hoffnung noch

nicht aufgegeben haben.

Glaubwürdig für alle,

die an der Kirche leiden.

Glaubwürdig für die Unzähligen,

die aus der Kirche ausgetreten

sind und sich dennoch

tief im christlichen Glauben

zuhause wissen und geborgen.

 

Eine österliche Kirche

ist eine Kirche, die Abbild

der Sonne des Ostermorgens

ist und nicht den beängstigenden

Eindruck eines dunklen Grabes

bei den Menschen hinterlässt.

 

Eine österliche Kirche ist

eine Kirche, die bereit ist,

die ganz eigenen Leinenbinden abzustreifen,

die sie selbst ersticken und gefangen

halten und die sich nicht länger

binden lässt durch restaurative

und reaktionäre Kräfte, die

den eigenen Prozess der

Auferstehung,

der Neuwerdung,

widerstehen

wollen.

 

Eine österliche Kirche

ist eine Kirche

der Auferstehung

und nicht des Todes.

Des Lichtes und nicht

der Finsternis.

Der Weite und nicht

der Enge.

Der Freude und nicht

der Trauer.

Der Hoffnung und nicht

der Resignation.

Des Aufbruchs und nicht

des Niedergangs.

 

Zu all dem bleibt die Kirche

gerufen, von Christus gerufen,

und jeder von uns mit ihr.

Denn: Diese österliche Kirche

fängt bei jedem von uns

und mit jedem von uns

zu leben und zu existieren

an.

 

Ostern lädt uns alle

zur Auferstehung ein.

Zum Leben. Zur Fülle.

Zur Freude. Zur Hoffnung.

Zum Aufbruch im Eigenen

und auch im Leben

der Kirche.

 

Österlich leben wird

die Kirche nur dann können,

wenn wir selbst bereit sind,

Ostern zu einer Lebenseinstellung

werden zu lassen und als Gemeinschaft

von Glaubenden und Hoffenden dem

Licht entgegen zu gehen,

das uns von fern

entgegenstrahlt.

In Christus,

dem Auferstanden,

unserem Gott,

dem so ganz anderen

Gott, einer für viele andere

merkwürdig bleibenden

Religion.

 

 

 

www.Synodalerweg.de

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© Supervision-Coaching-Therapie-Geistliche Begleitung- Pfarrer Thomas Diener