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Einander helfen durchzuhalten

Mt 14,13-21

Wonach hungern Menschen,

wenn es um die Kirche geht?

Was erwarten sie von ihrer

Kirche?

 

Brot, gewiss keine Steine,

die schwer im Magen

liegen und nicht zu

verdauen sind.

 

Zugeben, es gibt viele,

die erwarten schon lange

nichts mehr von der Kirche.

Sie haben ihre Erwartungen

aufgegeben und schon

lange begraben. Sie haben

einfach genug und wenden

sich enttäuscht, verletzt,

entsetzt, kopfschüttelnd

und abwinkend vom

System Kirche ab.

 

Doch da gibt es immer noch

die anderen, die da sind, die

durchhalten.

Viele aus Gewohnheit

und Bequemlichkeit, andere,

weil sie spüren,

dass es gerade

jetzt darauf ankommt,

an einer neuen Kirche

mitzuwirken, die in diese

Zeit und zu ihren Menschen

passt, und in gemäßer

Weise Antworten auf

ihre Fragen zu geben

versteht.

 

Antworten,

die auf dem Fundament

des Evangeliums gründen.

Denn Jesu Worte geben

immer noch die Richtung

an. Er ist Weg, Wahrheit

und Leben.

 

Zwischen die befreiende

und wegweisende Botschaft

des Evangeliums und das

Leben der Menschen jedoch

stellt sich ein anderes Wort,

das Wort der Institution

und ihrer Vertreter.

 

Das letzte Dokument

der Kleruskongregation

ist ein solches Wort

und hat in der vergangenen

Woche wie eine Bombe

eingeschlagen und

viele, darunter auch

Bischöfe, vor den

Kopf gestoßen.

 

Als einen weiteren

Beitrag zur Selbstzerstörung

wird dieses jüngste Schreiben

aus Rom gedeutet.

 

Dabei hören sich die

ersten Seiten des Dokuments

sehr vielversprechend an.

 

Von Kreativität ist da die

Rede, von neuen Wegen, die

es zu gehen gilt, von Öffnung

und einem neuen Stil der

Zusammenarbeit, von Strukturen,

die einen trügerischen Schutz

gewähren und die blockierend

wirken, von der Fähigkeit zur

Wandlung.

 

Von Veränderungen in der

Gesellschaft, dem Wechsel

kultureller Modelle, der

Wahrnehmung von Zeit

und Raum, die eine neue

Dynamik vor Ort notwendig

erscheinen lassen, ebenso

wie neue Konzepte

auf Pfarreiebene.

 

Zugleich wird

wahrgenommen, dass Kirche

und Pfarrei, keineswegs mehr

angemessen auf die vielen

Erwartungen der Menschen

reagieren und bisheriges

pastorales Handeln

überholt ist.

 

Es berühre die Menschen

nicht mehr und gleiche

einem sterilen

Überlebensversuch.

 

Viele der Gedanken

bündeln sich in den

Hinweisen:

 

„In Anbetracht des Gesagten

geht es darum, Perspektiven

auszumachen, die es erlauben,

die „traditionellen“ pfarrlichen

Strukturen … zu erneuern.“

 

Es ginge zudem darum,

„zu vermeiden, einer exzessiven

Bürokratie und Servicementalität

zu verfallen“, die nur dem

Selbsterhalt dienen würden,

jedoch nicht dem Auftrag

des Evangeliums dienlich

sind.

 

Beeindruckend scheint mir

vor allem dieser Hinweis:

„Wenn wir das Volk Gottes

als Ganzes und in seinen Unterschieden

verdrängen, zum Schweigen bringen,

zerstören, ignorieren, oder auf eine

kleine Elite beschränken wollen,

setzen wir Gemeinschaften,

pastorale Pläne, theologische

und spirituelle Akzente

und Strukturen ohne Wurzeln,

ohne Geschichte, ohne Gesicht,

ohne Gedächtnis, ohne Leib,

ja, ohne Leben in die Welt.“

 

Wer könnte all dem nicht

zustimmen und dem Hinweis,

dass zu viel Selbstbezogenheit

und eine Klerikalisierung

des kirchlichen Lebens

zu überwinden seien?

 

Es lohnt sich, das Dokument

zu lesen. Gerade die ersten Seiten

laden zu einer eigenen persönlichen

Reflexion ein und zeigen sehr

deutlich, was Umkehr der

Pastoral bedeuten soll:

Nämlich eine Erneuerung

der Kirche im Ganzen und

im Besonderen vor Ort, die

in die Verantwortung aller

gegeben ist.

 

Doch was folgt dann?

Im zweiten Teil des Schreibens?

 

Ziemlich einseitige

kirchenrechtlich kritisch

abgrenzende und ausgrenzende

Worte folgen und zerschlagen

jedes zuvor noch so verständnisvolle

und hoffnungsweckende

geschriebene Wort.

 

Die Rolle des Pfarrers

wird hervorgehoben.

Ihm allein bleibt die Gemeindeleitung

vorbehalten. Bestrebungen, die

Leitung von Pfarreien beispielsweise

Teams aus Priester und kirchlich

Engagierten sowie anderen

Mitarbeitern anzuvertrauen,

wird widersprochen.

 

Ich bin enttäuscht.

Wieder einmal.

Ich bin frustriert.

Wieder einmal.

Ich bin wütend.

Wieder einmal.

Ich bin ratlos.

Wie so oft in

der vergangenen Zeit,

wenn die Institution

in die Schlagzeilen

gerät.

 

Ich weiß, dass ich

damit nicht allein bin.

Viele Menschen reagieren

in ähnlicher Weise

und dies mit Recht.

 

Wann beginnen

Verantwortliche dieser

Institution endlich zu begreifen,

dass sie es mit erwachsenen

und mündigen Menschen vor

Ort zu tun haben, die es

durchaus schon seit langem

gewohnt sind, Verantwortung

zu übernehmen und denen

die Zukunft der Kirche und

der eigenen Gemeinde

am Herzen liegt? –

Möglicherweise besser

und mehr als manch

einem geweihten

Haupt.

 

Meine Befürchtung ist

die: Viele werden dieses

jüngste Schreiben der

Kleruskongregation als

ein weiteres Argument

begreifen, der Kirche den

Rücken zuzukehren

und sich von ihr

zu verabschieden.

 

Die Austrittszahlen

des vergangenen Jahres,

die erst unlängst veröffentlicht

wurden, sprechen

eine eindeutige Sprache.

 

Im ersten Korintherbrief

lese ich diese Zeilen:

„Das Alte ist vergangen,

siehe, Neues ist geworden.“

 

Wir können schon lange

nicht mehr an dem anknüpfen,

woran wir uns früher festgemacht

haben. Unsere Gesellschaft,

die Zeit sind eine andere

geworden, die Menschen

sind andere geworden

und ihre Bedürfnisse

und ihre Sehnsüchte, ihre

Fragen, ihre Sorgen,

ihre Freuden auch.

 

Damit jedoch Neues

entstehen kann, muss

die Kirche die Veränderung

sehen, sie beurteilen und

sich neu und anders

zu ihr verhalten als

bisher.

 

Es muss unter theologischen,

personellen, regionalen

und ökonomischen

Rahmenbedingungen

verantwortungsbewusst

und einfühlsam sowie

kreativ und mutig

überlegt, besprochen

und entschieden werden,

in welcher Form Pfarreien

und Gemeinden auch in Zukunft

noch bestehen und

lebendig von Gott

künden können.

 

Das jetzige Schreiben

mit seinen Aussagen

gleicht eher doch einem

alten Hemd, auf das

ein Stück neuen Stoffs

genäht werden soll;

oder einem altgedienten

rissigen Schlauch, in

den neuer Wein gefüllt

werden soll.

 

Wir wissen um den Ausgang

des Vergleiches, den Jesus

den Menschen erzählt.

Am Ende zerreißt das Hemd

und der neue Wein ergießt

sich über den ganzen

Boden.

 

Ich möchte nicht,

dass dies mit meiner

Kirche geschieht!

 

Ich möchte

Worte des Schriftstellers

Ulrich Schaffer zitieren,

die mir vor Hintergründen,

wie dem benannten immer wieder

in den Sinn kommen.

Er schreibt:

 

„Altes ist leer geworden.

Er klingt hohl, bringt nichts

mehr zum Schwingen in uns.

 

Worte, Lieder,

Gesten, Bewegungen,

Gedankengebäude, sie betreffen

uns nicht mehr, und darum

sind wir nicht betroffen.

Es geschieht etwas an

uns aber nicht in uns.

 

Das Neue ist noch

nicht da. Wir wissen, dass

es kommen wird, weil

wir das Alte verloren haben.

 

Der Preis des Wartens

scheint ständig zu steigen.

 

Müdigkeit ist unser gefährlichster

Feind und die Mutlosigkeit

begleitet uns wie ein

ständiger Schatten.

 

Wollen wir einander helfen

durchzuhalten? Wollen wir

eine Verschwörung bilden,

die in Stärke und Sanftheit

das Neue herbeisehnt?

 

Hier zu stehen in diesem

Nicht-Mehr und Noch-Nicht,

ist eine Form von Glauben,

und sich die Lösungen der

Vergangenheit nicht mehr

zu genehmigen, ist Ausdruck

des Vertrauens, dass alles

weitergeht, dass es einen

Punkt gibt, auf den wir

zuströmen, dass es eine

Kraft gibt, die die

Entwicklung steuert.“ –

 

Einander helfen durchzuhalten.

Miteinander immer wieder

das Neue herbei sehnen

und eine Verschwörung

bilden. Wie immer

dies auch konkret

aussehen mag, ich glaube,

dass es darauf ankäme,

jetzt, heute, für eine

Kirche von morgen.

 

Doch ich habe ich

Befürchtung, dass viele

dessen müde geworden

sind, sie keine Lust mehr

an dem Ganzen haben.

Ich kann sie verstehen.

 

Lassen wir es nicht

zu, dass die Müdigkeit

zu unserem Feind wird.

Stellen wir uns vielmehr

mutig den Herausforderungen

vor Ort und überlassen wir

uns vertrauensvoll in unserem

Tun dieser Kraft, die alles

steuert und lenkt.

 

Gott segne Sie

in all ihren Enttäuschungen

und Rückschlägen. Er gebe

Ihnen die Kraft zum Durchhalten

und lasse Sie Ihre Hoffnung

niemals verlieren. Er stärke

immerzu Ihre Sehnsucht

nach dem Neuen, das er mit

Ihnen und seiner Kirche

bereits begonnen hat.

Er segne Sie, dass Sie

nichts von ihm trennt,

denn er ist von allem

der Herr.

 

 

 

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