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Das Herz hat seine Gründe

7. Sonntag A

 

„Das Herz hat seine Gründe,

die der Verstand nicht kennt.“

Blaise Pascal hat dieses Wort

geprägt.

 

Jesus geht es stets um

das Herz eines Menschen

und das, was das Herz

dem Menschen sagt

und offenbart.

 

„Hör auf dein Herz“,

raten wir selbst bisweilen

anderen Menschen.

Das setzt ein weites,

ein offenes, ein mitfühlendes,

ein verständnisvolles

und liebendes Herz

voraus.

 

Jesus meint, dass der

Mensch wesentlich mehr

kann, als die geltenden Gesetze

vorschreiben, wenn er sein

Herz zum Zuge kommen

lässt.

 

Was er damit meint

und wie er es meint, das

macht das heutige Evangelium

eindringlich deutlich.

 

„Ihr habt gehört,

dass gesagt worden ist:

Auge für Auge und

Zahn für Zahn.“

 

Dieses Gebot, das Jesus

hervorhebt, findet sich

im Alten Testament (EX 21,24)

Übernommen haben es die

Israeliten wahrscheinlich

von den Babyloniern.

 

Ursprünglich schützte dieses

Gesetz vor zügelloser Rache.

Wenn jemand ein Schaf gestohlen

hatte, durfte ihm aus Wut darüber

nicht ein Esel als Wiedergutmachung

abverlangt werden.

 

Oder wenn im Streit

jemand einem anderen das

Auge verletzt oder einen

Zahn ausgeschlagen hatte,

durfte ihm dafür nicht die

Hand abgeschlagen werden.

 

„Auge für Auge und

Zahn für Zahn“, bedeutete

also nicht einen Aufruf zum

Gegenangriff, sondern die

Aufforderung, sich zu

mäßigen.

 

„Ich aber sage euch …“

Mit diesen Worten geht

Jesus einen entscheidenden

Schritt über das ursprüngliche

Gesetz hinaus.

 

Er lädt ein, auf Rache überhaupt

und ebenso auf unbedingte Forderung

nach Wiedergutmachung zu

verzichten.

 

Anstelle des üblichen

„wie du mir, so ich dir“,

lässt Jesus das Herz

zu Wort kommen.

 

„Das Herz hat seine Gründe,

die der Verstand nicht kennt.“

 

Gott selbst hat seine Gründe,

die uns oftmals wenig

verständlich sind.

„Er lässt seine Sonne

aufgehen über Bösen

und Guten und er lässt

regnen über Gerechte

und Ungerechte.“

 

Der Mensch als Ebenbild

Gottes soll dem Verhalten

Gottes nacheifern. Wie Gott

selbst keine Rache nimmt

und auf eine Wiedergutmachung

beharrt, so soll auch der Mensch

sich von einer solchen Haltung

und Einstellung verabschieden.

 

„Wenn dich jemand

auf die rechte Wange schlägt,

dann halte ihm auch die

andere hin!“

 

Da wird einer geohrfeigt.

Das war im Orient eine der

schwersten Beleidigungen, die

mit dem Tod des Beleidigers

enden konnte.

 

Auffallend dabei ist,

dass auf die rechte Backe

geschlagen wird. Für einen

Rechtshänder ist das schwierig.

Daraus folgt: Es wird nicht

mit der Innenseite der Hand,

sondern mit dem Handrücken

geschlagen. So wird die

Beleidigung noch schwerer.

Denn damit wird ausgedrückt:

„Du bist ein derart elender

Schwächling, dass ich bei dir

nicht einmal richtig zuschlagen

muss.“

 

Jesus sagt:

„Wenn dir das passiert:

Lass dich ruhig auf das

Schwerste beleidigen.

Halte deinem Gegner

dann sogar noch die andere

Backe hin!“

 

„Und wenn dich einer vor

Gericht bringen will, um dir

das Hemd wegzunehmen, dann

lass ihm auch den Mantel.“

 

Vielleicht geht es

hierbei um Schadensersatz

oder eine Pfandeintreibung.

Jedenfalls trifft es einen Armen,

der nur ein einziges Untergewand

und nur ein einziges Obergewand

hat.

 

Jesus sagt:

„Kämpf nicht um dein

Gewand! Lass es dir einfach

abnehmen! Ja, gib deinem

Gegner das andere Stück

deiner Kleidung noch dazu!“

 

Möglichweise sind wir jetzt

an der Stelle angekommen,

wo uns die Worte Jesu einfach

nur noch aufregen. Wo wir

meinen, dass die Weisungen

Jesu unmöglich sind und

wir uns fragen, ob denn

dieser Mann völlig

weltfremd und

abgehoben

ist.

 

Doch damit nicht

genug. So schnell können

wir uns in unserer Aufregung

über seine Wort nicht

beruhigen, wie er

weiter ausholt.

 

„Und wenn einer dich

zwingen will, eine Meile

mit ihm zu gehen, dann geh

zwei mit ihm!“

 

Zwingen bedeutet in diesem

Fall so viel wir das Erpressen

von Fronleistungen durch

eine Besatzungsmacht.

Da kommen einem die

Römer in den Sinn.

Die römischen Soldaten

nehmen sich das Recht,

einen Juden als Wegführer

oder als kostenlosen Gepäckträger

zu benutzen.

 

Jesus sagt:

„Wenn man dich auf diese

Weise zu einer Meile zwingt,

dann geh zwei Meilen mit

ihm!“

 

Jesu Worte bieten

Diskussionsstoff, meinen

Sie nicht auch? Gerade vor

den Hintergründen dessen,

was in diesen Tagen

in Hanau passiert ist.

Ich kann mir

sehr gut vorstellen, wie

verdutzt seine Zuhörer

zugehört haben. Wir sind

es möglichweise nicht

weniger.

 

Jesus lädt dazu ein,

das Böse durch die Liebe

zu unterlaufen und ihm

das Gute entgegen

zu setzen.

 

Selbstverständlich hat

auch er nicht zum Bösen

geschwiegen. Im Gegenteil.

Jedoch hat er sich stets

geweigert, dem Unrecht

mit Unrecht zu begegnen.

 

Die Liebe dem Bösen

entgegen zu setzen, ist kein

schwächliches Nachgeben

gegenüber dem Bösen.

Es ist vielmehr ein höchst

aktiver Kampf, dem Bösen

den Boden zu entziehen.

 

„Das Herz hat seine Gründe,

die der Verstand nicht kennt.“

 

Was kann es heute bedeuten,

den Gründen des Herzens

mehr zu trauen und nach

seinen Eingaben, in

Liebe eben, zu

handeln?

 

Z.B. dies:

 

- Im Streit jede Form

von Gehässigkeit unterlassen.

Vorwürfen nicht mit neuen Vorwürfen

begegnen, sondern prüfen, ob

ein Stück Wahrheit in dem steckt,

was ein anderer an Vorwurf

formuliert.

- Einen Fehler oder ein Versagen

nicht immer wieder neu ins

Wort bringen und dem anderen

vorhalten.

- Bei Enttäuschung nicht postwendend

die Beziehung zum anderen für

immer abbrechen.

- Einen ungeschickten Menschen

nicht zu einem Versager abstempeln.

- Jemanden nicht hängen lassen,

weil er den wohlgemeinten Rat nicht

annimmt.

- Hilfe und Beistand in Not nicht

verweigern, obwohl man schon

öfters ausgenutzt wurde.

 

Und dann sticht da noch

ein anderer Satz ins Auge:

 

„Wenn ihr nur die liebt,

die euch lieben, welchen Lohn könnt

ihr dafür erwarten? Tun das nicht

auch die Zöllner?

 

Jesus spricht damit den

oft unter Menschen gängigen

Umgang mit der Liebe an.

Der besteht darin, mit

Liebe und Zuneigung auf

einen anderen Menschen

nur dann zu reagieren,

wenn man zuvor von diesem

selbst mit Liebe und

Aufmerksamkeit

bedacht wurde.

 

Jesus hat seine Gründe,

uns durch all diese Worte

herauszufordern.

Er meint, dass wir zu weit

Größerem fähig sind.

 

Es geht ihm darum, die

Durchschnittlichkeit zu

durchbrechen und

dieses normale,

allgemein menschliche

Verhalten der Gegenseitigkeit

in der Liebe zu übersteigen.

 

Viel zu sehr ist der Mensch

in der Haltung des „wie du mir,

so ich dir“, gefangen und

verwurzelt.

 

Gott jedoch begrenzt und

dosiert seine Liebe nicht.

Er lebt sie unverbrüchlich

und uneingeschränkt. Wir

Menschen sollen Abbild

Gottes sein.

 

Gewiss Jesus ist

realistisch genug um

zu wissen, dass kein Mensch

jemals eine ungebrochene

Liebe leben kann.

 

Jedoch weiß er auch,

dass der Mensch allzu schnell

versucht ist, die Mühe beiseite

zu schieben, die Liebe in ihrer

ganzen Tiefe auszuschöpfen.

 

Hier, an diesem Punkt,

setzen seine Worte an.

Wir sind zu weit Größeren

fähig, als wir selbst meinen.

Und jeder Versuch, die Mittelmäßigkeit

und das Gängige zu überschreiten,

bringt uns der möglichen Größe

des Menschseins und des Abbild

Gottesseins näher.

 

Jesus will uns mit

dem Alltagschristensein

entreißen. Wir sollen zu

den Menschen werden,

die wir durchaus

sein könnten, Kraft der Liebe,

mit der Gott uns liebt.

 

Am Ende bleibt der Dank

darüber, dass Gott uns seine

Liebe nicht entzieht, selbst

dann nicht, wenn wir zeitweise,

oder gar auf lange Strecken

hinter dem zurückbleiben,

wozu wir fähig wären.

 

„Das Herz hat seine Gründe,

die der Verstand nicht kennt.“

Gott allemal. 

 

 

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TelefonSeelsorge

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