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"Weite(r) denken!

Lk 14,25

 

Was halten Sie davon?

Was halten Sie von den

eben gehörten Worten

Jesu?

Was regt sich beim

Zuhören in Ihnen?

Was lösen die Worte

aus, an Zustimmung,

an Widerstand?

 

Ich gebe zu:

Die Evangelien

der vergangenen Sonntage

sind alle ziemlich

herausfordernd.

 

Sie provozieren,

reizen,

ärgern,

verwirren,

klären auf,

verunsichern,

zerstören.

Von der engen Tür

wurde gesprochen, durch die

nicht jeder hindurchgelangen

könne.

Auch die ersten und

die letzten Plätze

bei einem Festmahl

wurden ins Auge genommen.

„Wer sitzt am Ende wo?“,

das was die Frage.

 

Bei den Worten

Jesu, dass er gekommen

sei, Feuer auf die Erde

zu werfen und Unfrieden

unter den Menschen

zu provozieren, Sie

erinnern sich vielleicht

noch daran,

hat mir einmal eine

Gottesdienstgemeinde

laut und vernehmlich zugestimmt,

als ich sagte, dass dies nicht

mein Evangelium sei.

 

Die Evangelien

der vergangenen Sonntage

sind herausfordernd.

 

Das Evangelium heute

hat nicht weniger Sprengkraft:

Die Familie soll man verlassen,

wenn man Jesus nachfolgen

will.

Sein eigenes Leben soll man

geringachten, wenn man

Jesu Jünger sein will.

Sein Kreuz soll man tragen

und dies bis zum bitteren

Ende.

 

Ich weiß nicht, wie es

Ihnen persönlich geht:

Ich hänge an meiner

Familie. Auf mein soziales

Netz will ich nicht verzichten

müssen. Freunde sind

mich wichtig.

 

 

„Lange Zeit habe ich

viel zu wenig auf mich

geachtet, auf das, was

mir gut tut, was mich leben

lässt. Zu oft habe ich

gegen mich selber

gelebt. Das hat mich

krankwerden lassen,“

sagte mir in dieser Woche

bei einer Tagung ein

Mitbruder.

 

„Und ob ich tatsächlich

dazu bereit bin,

das Kreuz, wie Jesus

es meint, auf mich zu

nehmen, wenn es denn

tatsächlich darauf ankommt,

das kann ich nicht sagen.

Ich weiß nicht, ob mich

nicht die Angst überkommen

und mich der Mut

verlassen wird.

 

 

Kann ich deshalb kein

Jünger Jesu sein?

Muss ich traurig und

enttäuscht umkehren,

weil ich nicht verzichten,

all das nicht loslassen kann,

was mir so wichtig

geworden ist?“

 

Die Forderung des

Evangeliums lässt anscheinend

keiner Verhandlung Raum.

Es geht um alles

oder nichts.

 

Ich sage anscheinend.

Lausche ich aufmerksam

den Worten eines Gedichtes

von Andreas Knapp, dann

darf man mit Unzulänglichkeiten,

Lücken und Schwächen

in der Nachfolge Jesu durchaus

rechnen:

 

 

„Wer mein Jünger sein will,

der verleugne sich selbst

und folge mir nach.

Jugendlich trunken

meinte ich alles zu geben

und dir, egal wohin,

lässig zu folgen.

 

alt und ernüchtert

möchte ich vor allem zugeben,

egal wohin ich auch gestolpert

bin, du bist mir unablässig

nachgefolgt.

 

Den Jüngern damals

war deutlich vor Augen,

was Jesus mit seinen

Worten meinte.

So ein Leben verträgt sich

nicht mit bürgerlichen

Ansprüchen wie festem

Wohnsitz, geregelter Arbeit

oder einem unseren Vorstellungen

entsprechendem Familienleben.

 

Am Ende waren es

ausgerechnet jene Jünger, die

geschwächelt haben.

Allen vorweg Petrus.

Sie erinnern sich.

Er war der, der Jesus

von dem Weg nach Jerusalem

abhalten wollte.

Bezeichnenderweise

war er es auch, der, als er sich

zu Jesus bekennen sollte,

einen Rückzieher gemacht

hat. Sympathisch menschlich,

dieser Mann, meinen Sie

nicht auch?

 

Die Evangelien

der vergangenen Sonntage

sind herausfordernd.

Und sie enttäuschen.

 

Jeden, der meint, Glaube

und Nachfolge seien

billig zu haben, so im

Vorbeigehen.

Einfach so!

Jesus selber lässt

keinen Zweifel daran:

Das ist es nicht!

 

Glaube und Nachfolge

fordern heraus und dies

immer wieder aufs Neue.

Glaube und Nachfolge

erlauben es nicht, sich

kuschlig und mollig warm

einzurichten und das

Leben vorbeiziehen

zu lassen.

Glauben und Nachfolge

machen es erforderlich,

sich immer wieder neu

für das Leben zu entscheiden

und den, der von sich sagt,

dass er das Leben ist,

Jesus Christus.

 

Wer ihm nachfolgen

will, der muss immer wieder

aufbrechen. Der muss

Liebgewordenes loslassen

lernen. Der muss auch bereit

sein, bewusst gegen den

Strom der Zeit zu schwimmen

und Klippen zu nehmen.

 

Das gilt nicht nur für

den Einzelnen unter uns,

das gilt erst recht für

eine Gemeinde und

die gesamte Kirche.

 

„Christentum ist der

Anspruch, dem Herrn

nachzufolgen und aus seiner

Gegenwart, aus dieser

Beziehung heraus,

zu leben“, sagt der Passauer

Bischof Oster in einem Interview

mit Peter Seewald.

 

Die Frage, die ich

an meine Kirche, an

viele Gemeinden und auch

immer wieder an mich selber

stelle ist:

 

Haben wir überhaupt

noch diesen Anspruch?

Als Einzelne,

als Gemeinde,

als Kirche?

 

Zum einen, ihm, Christus,

nachzufolgen, und zum anderen,

aus der Beziehung zu ihm

heraus das Leben zu gestalten?

 

Anders gefragt:

Glauben wir, um lediglich

unser altes Ego zu stabilisieren?

Oder sind wir bereit, unser altes

Ego dranzugeben, um eine

neue Identität,

auch als Kirche und Gemeinde

vor Ort zu gewinnen?

 

Eine Frage, die sich mit dem

Blick auf den bevorstehenden

Visionsprozess unseres Bistums,

der am kommenden

Sonntag auf dem Katholikentag

in Kaiserslautern beginnen soll,

neu stellt.

 

Persönlicher gefragt:

Habe ich einen festen

Stand in Christus und die

Erfahrung gemacht, dass

ER mein Leben trägt und stärkt?

 

Ist das nicht genau der Punkt:

Bestimmt Christus mein Leben –

oder sage ich: Wer Christus

für mich sein soll, wie viel

Platz er in meiner Seele haben

darf, das bestimme immer

noch ich selbst?

 

Vom Evangelium her ist klar,

dass Christus der absolute

Mittelpunkt in meinem Leben

sein will.

 

 

Es geht dabei auch

um das eigene innere

Ergriffensein von Christus

und das Bewusstsein

der Anwesenheit Gottes

im ganz eigenen Leben.

 

Vieles läuft auf die Frage

hinaus: Wie es uns heute

gelingt, den Glauben wieder

zu vertiefen. Wie es uns

heute wieder gelingt, neue

Erfahrungsräume für

Christus und den Glauben

an ihn zu eröffnen.

 

Hierbei sind wir als

Einzelne angefragt, noch

mehr aber als Kirche

und Gemeinde vor Ort.

Ich bin mir nicht sicher,

ob sich viele unter uns

diese Fragen wirklich

stellen lassen

möchten.

 

Für viele läuft ja alles

irgendwie noch

ganz gut.

 

Ja, irgendwie.

Dieses „Irgendwie“

ist gefährlich.

Irgendwie nämlich

läuft dabei unmerklich vieles

aus dem Ruder und zudem

in die falsche Richtung.

 

Zu viele haben, wenn es

um die Zukunft von Glaube

und Kirche geht, schon längst

innerlich resigniert,

sind müde geworden,

sind ermattet,

entkräftet,

erschöpft.

 

Dabei will der Glaube

das Gegenteil in uns

erwecken. Begeisterung

will er wachrufen und

entstehen lassen. Uns lebendig

machen, will er.

 

Das Thema des diesjährigen

Katholikentages unseres Bistums

lautet: „Weiter denken“.

Auffallend ist, der Buchstabe „r“

in dem Wörtchen „weiter“

ist eingeklammert.

 

Das kann bedeuten:

Nicht aufhören mit

dem Sichgedankenmachen,

dem Sichsorgenorgen,

dem Verantwortungübernehmen,

dem Sicheinsetzen,

dem Sichstarkmachen.

 

Es bedeutet

möglicherweise

aber auch:

Größer zu denken,

in anderen Maßen und

Dimensionen zu denken,

wenn es um Glauben,

Kirche und Volk Gottes

geht.

 

Was mir persönlich

ein Anliegen ist, ist

eine neue Sehnsucht

zu wecken. Das, was ist

und getan wird, in einem

neuen Licht erstrahlen

zu lassen, damit

vieles von dem, was im

Augenblick so farblos

und geschmacklos anmutet,

eine ganz andere Couleur

und wieder einen intensiven

Geschmack bekommt.

 

Im Letzten geht es mir

darum, Menschen wieder

in die Begegnung mit

Gott zu führen und die

Liebe zu ihm neu zu

entdecken.

 

 

Die meisten unter Ihnen

wissen wie das ist, wenn sich

ein Mensch verliebt, dann ist

plötzlich seine ganze Welt, auch

die Alltagswelt, in ein neues

Licht getaucht.

Verlorengegangene

Kräfte werden wieder wach.

Eine neue Art des Denkens

und des Erlebens brechen

sich Bahn.

Nichts ist

mehr wie es war.

Neue Lust am und auf

das Leben entsteht.

 

Auch am Glauben.

Auch am Christsein.

Auch am Gemeindesein.

 

Ich gebe zu:

Die Evangelien

der vergangenen Sonntage

sind alle ziemlich

herausfordernd.

 

Sie provozieren,

reizen,

ärgern,

verwirren,

klären auf,

verunsichern,

zerstören,

setzen auf neue Wege,

weiten den Blick,

erlauben eine andere

Perspektive.

 

Und das ist gut so!

Sie sollen uns aufrütteln!

Sie sollen uns herausreißen!

Sie wollen uns neu beseelen,

als Einzelne und als Kirche

allemal.

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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