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Glückwunsch, Kirche!

Pfingsten

 

Die Kirche

feiert Geburtstag.

Pfingsten führt sie zurück

zu ihren Ursprüngen.

 

Die Kirche

feiert Geburtstag.

Doch nicht jedem ist zum

Feiern zumute.

Und das hat seinen

guten Grund.

 

Die Kirche ist von

ihrer Geschichte gezeichnet.

Ihre Vergangenheit hat

unübersehbare Spuren

hinterlassen.

 

Insbesondere die jüngsten

Erfahrungen mit der Kirche

legen sich wie ein dunkler

Schatten über sie.

 

Sie erzählen von irritierenden

Vorkommnissen, die in ihren

Absichten sehr verletzend

und demütigend sind,

beschämend und

verachtenswert.

 

Wenigen ist vor diesem

Hintergrund zum Feiern

zumute. Für sie gibt es keinen

Anlass zur Ausgelassenheit

und Freude, wie das an

einem Geburtstag üblich

ist.

 

 

Die Kirche

feiert Geburtstag.

Ein Geburtstag, gerade

in einem so hohen Alter,

gibt auch Anlass

zum Nachdenken und

zur Besinnung.

 

Was ist aus

den Anfängen der Kirche

geworden?

Was hat sie so werden

lassen, wie sie heute ist?

 

Wofür kann sie dankbar sein?

Was muss sie selbstkritisch

betrachten und sich auch

sagen lassen?

 

Wo will Kirche heute hin?

Was sind ihre Ziele

und was sind die Visionen,

die sie nach vorne tragen?

 

Wie steht es um den

Glauben in der Kirche?

Wie steht es um die

Menschen in ihr?

 

Wie verarbeitet sie

ihre Geschichte, insbesondere

auch die jüngsten Ereignisse?

 

Wie steht es um

Gott und die Erfahrung

seiner Gegenwart inmitten

der Kirche?

 

Fragen über Fragen.

Ich gebe zu: Längst

nicht alle.

 

Ein Geburtstag blendet

diese Fragen nicht aus.

Sie stellen sich unausweichlich.

Wenn nicht direkt und offensiv

und laut, so doch in einer stillen

Minute.

 

Sie stellen sich heute

und keiner unter uns kann

diesen Fragen wirklich

ausweichen. Sie gehen

alle an, die Kirche

sind. Sie betreffen

Sie und mich.

 

Was ist aus ihren

Anfängen geworden?

 

Ganz am Anfang

sperren sich die Jünger

aus Angst vor den Juden

ein.

Sie bleiben hinter

verschlossenen Fenstern

und Türen und warten

auf den Heiligen Geist,

der ihnen von Christus

als Beistand zugesagt

ist.

 

Es ist offensichtlich:

 

Die Kirche wird

von vielen nicht mehr

als eine sinnstiftende

Größe wahrgenommen

und auch nicht mehr

ernstgenommen.

Es scheint, dass die

Fenster wieder verschlossen

sind und die Türen auch.

Hinter hohen Mauern

lässt es sich gut leben.

Sie geben Sicherheit.

 

Mauern nehmen aber

auch gefangen. Sie verhindern

den Schritt nach draußen.

Sie engen ein.

 

Ansichten und

Meinungen, Strukturen und

Haltungen können wie

Mauern sein. Sie schaffen

eine große Distanz.

 

Es ist unübersehbar:

Es gibt diese Distanz

zwischen der Institution

Kirche und den Menschen

heute, auch innerhalb

ihrer eigenen Reihen.

Immer mehr gehen

auf Abstand zu ihr.

Treten aus.

 

Was hat sie so werden

lassen, wie sie heute ist?

 

Sehr unterschiedlich werden

die Antworten auf diese Frage

sein und so vielschichtig,

dass sie nicht in einem

Atemzug beantwortet

werden kann.

 

Hierarchische Strukturen.

Machtstreben und Geltungswunsch.

Eine feindliche Einstellung

den Frauen gegenüber.

Lust- und Leibfeindlichkeit

und eine lebensbehindernde

Sexualmoral.

Der allzu enge Blick auf die

Gesetze und nicht auf den

Menschen.

Rechthaberei und Unehrlichkeit,

Inkonsequenz und Heuchelei.

Intransparentes Finanzgebaren.

Am Ende waren es die

zahlreichen Missbrauchsfälle,

deren Aufarbeitung zu einem

großen Teil immer noch

aussteht.

 

All das, muss die Kirche

selbstkritisch ins Auge nehmen.

Das reicht aber nicht.

Sie muss auch

die Konsequenzen

aus all dem ziehen:

Mit dem festen Willen zur

Veränderung, dem Mut,

vermeintliche Sicherheiten

aufzugeben und vor

die Mauern zu treten.

Die Chance dazu

ist jetzt!

 

Die Frage ist noch offen:

Wohin will die Kirche?

Wie will sie wahrgenommen

werden? Für wen will sie

da sein? Was ist es, das

sie antreibt?

 

Die Frage ist noch offen

und sie sucht nach

einer Antwort; nach einer

Antwort von Ihnen, von mir,

von Menschen eben, denen Kirche

immer noch wichtig ist

und die unsagbar unter

dem Unheilsein, dem Zustand

von Kirche leiden.

 

Die Apostelgeschichte

erzählt davon, dass ein

Sturm vom Himmel kommt

und das Dach des Hauses

abhebt, in dem die Jünger

sich aufhalten. Auch die

Fenster werden aufgerissen.

Es treibt die Jünger auf

die Straße hinaus.

Ein jeder kann sie

in seiner eigenen

Sprache hören.

 

Begeisterung macht

sich bereit und jeder

lässt sich davon anstecken.

Heute, so scheint es,

sind wir weit von dieser

Erfahrung entfernt.

 

Die Kirche spricht

nicht mehr die Sprache

der Menschen. - Hat sie das

jemals wirklich getan?

 

Doch darauf käme

es an, um der ganzen

Sprachverwirrung ein

Ende zu setzen: Eine

Sprache zu finden, die

den Menschen zu Herzen

geht und sie anzurühren

vermag.

 

 

 

 

Es scheint, die Situation

der Kirche gleicht dem Warten

der Jünger hinter verschlossen

Türen, dem Warten auf den

Heiligen Geist, der wieder

Leben schafft, wie wir

es erhoffen und in

unseren Liedern

heute singen, beherzt,

weil wir ja auch diese

Erfahrung kennen,

wenn der Geist

am Wirken ist.

Das letzte Konzil

erzählt davon. -

Doch was ist

daraus geworden?

 

Wir laufen seinen

Anregungen und

Absichten in Vielem

immer noch

hinterher.

 

Wovor haben wir Angst?

Was meinen wir, zu verlieren,

wenn wir uns den

Herausforderungen

heute stellen?

 

„Auch unter uns“,

so Papst Franziskus,

„zeigt sich dieser Widerstand

gegen den Heiligen Geist.

 

Um es in ganz eindeutigen

Worten zu sagen, der Heilige

Geist stört uns. Denn er treibt

uns an, er setzt uns in

Bewegung, er drängt die

Kirche dazu, vorwärts zu

gehen. Und wir benehmen

uns wie Petrus bei der

Verklärung des Herrn:

„Ach wie schön ist es,

hier so zusammen zu sein!“

Aber er soll uns nicht

stören.

 

Wir wollen, dass

der Heilige Geist

einschlummert.

 

Wir wollen den Heiligen Geist

zähmen. Und das ist nicht

in Ordnung. Denn er ist

Gott, und er ist jener

Wind, der kommt und

geht, und du weißt

nicht, woher er kommt.

 

Er ist die Kraft Gottes;

er ist es, der uns tröstet

und uns die Kraft gibt,

weiterzugehen.

Aber weiterzugehen!

Und das stört uns.

Die Bequemlichkeit

ist uns angenehmer.

 

Ihr könntet sagen:

„Aber, das geschah

zu jener Zeit. Jetzt sind

wir alle glücklich und zufrieden

mit dem Heiligen Geist.“

Nein, das ist nicht wahr!“

 

                                               Papst Franziskus

 

Wollen wir uns dem

Wirken des Geistes wirklich

stellen? Heute, hier und jetzt

in unseren Gemeinden,

in unseren Pfarreien, in

unserer Kirche?

Der Papst ist sich

dessen nicht so sicher.

Und, ehrlich gesagt,

ich bin es auch

nicht.

 

Denn, sich dem

Heiligen Geist zu stellen,

das würde bedeuten,

in Bewegung zu kommen,

Umkehr und Veränderung

zu wagen, Neuanfänge

zu setzen, vermeintliche

Sicherheiten über Bord

zu werfen und sich

Gottes Schaffen und

seinen Absichten mit

uns hinzugeben.

 

Die Hingabe aber

macht Demut

erforderlich.

 

Inkonsequent, mit

diesem Wort ist ein Gedanke

von Lothar Zenetti

überschrieben:

 

„Frag hundert Katholiken,

was das Wichtigste ist in

der Kirche. Sie werden antworten:

Die Messe.

Frag hundert Katholiken,

was das Wichtigste ist in

der Messe. Sie werden antworten:

Die Wandlung.

Sag hundert Katholiken, dass

das Wichtigste in der Kirche

die Wandlung ist. Sie werden

empört sein: Nein, alles

soll so bleiben wie es

ist.“

 

Jesus sagt seinen

Jüngern vor seiner

Himmelfahrt:

 

„Noch vieles habe

ich euch zu sagen,

aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.

Wenn aber jener kommt,

der Geist der Wahrheit,

wird er euch in der

ganzen Wahrheit leiten.“

 Joh 16,12

 

Das Walten des Heiligen

Geistes erst macht Kirche wahrheitsfähig

auch dann, wenn es ihr selbst ans

Leder geht, weil sie sich um

die Wahrheit bemüht.

 

Kleingeister und Zeitgeister

haben eine konsequenzträchtige

Wahrheit immer noch

erfolgreich abgestritten.

 

Die Kirche und mit ihr

jeder und jede einzelne

von uns, befinden sich heute

in einer Situation, in denen

wir nicht umhinkönnen, die

Farbe zu wechseln oder

Farbe zu bekennen,

in einer Situation, in

der wir zu zeigen haben,

was Geistes Kind wir

sind.

 

Die Kirche

feiert Geburtstag.

Pfingsten führt sie zurück

zu ihren Ursprüngen.

 

Was schreiben Sie

auf die Glückwunschkarte

zu ihrem Geburtstag, wenn

Sie eine schreiben könnten?

 

Zugegeben: Ich habe

sehr Kritisches benannt.

Das gehört sich vielleicht

nicht zu einem Geburtstag.

Gesagt werden muss es

dennoch, weil vieles

von dem Gesagten

den Menschen unter

den Nägeln brennt.

 

Dennoch habe ich

auch meinen ganz eigenen

Wunsch an meine

Kirche zu diesem Tag:

 

Dass es ihr gelingen

möge, und dies immer

mehr, aus Gottes Geistesgegenwart

zu denken, zu handeln

und zu leben.

 

Einen anderen Wunsch

habe ich nicht. Und während ich

diesen Wunsch ausspreche,

werde ich mir bewusst,

dass er ebenso Sie,

wie auch mich betrifft

und uns alle zum Mitdenken,

Mithandeln und Leben

einlädt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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