thomas diener systemische-lösungsorientierte supervision und coaching geistliche begleitung gestalttherapeutische beratung
thomas diener                                                             systemische-lösungsorientierte                                                             supervision und coaching                                                                                                                                       geistliche begleitung                                                             gestalttherapeutische beratung

Für wen hälst Du mich?

Lk 9, 18-24

Es kommt nicht oft

vor, dass Jesus mit seinen

Jüngern allein ist. Zumeist

sind viele Menschen um

ihn herum versammelt.

Menschen, die mit ihren

ganz eigenen Anliegen

an Jesus herantreten

und die ihr ganz eigenes

Bild von dem Mann

aus Nazareth

haben.

 

Jesus betet,

sagt das Evangelium,

und er ist mit seinen Jüngern

allein. Dieser kostbare Moment

gibt Möglichkeit, über Wesentliches

nachzudenken. Es ist die Frage,

für wen die Leute ihn halten,

die Jesus beschäftigt.

 

Und ehe man sich versieht,

erwächst aus dieser Frage eine

Lehrstunde über die Person Jesu,

seinen Weg, seinen Auftrag,

und die Nachfolge des

Menschen.

 

„Für wen halten mich

die Leute?“

 

Ist das wirklich

so wichtig zu wissen? Geht

es nicht vielmehr darum, selbst

zu erkennen, wer ich bin, wozu

Gott mich ruft und was mein

ganz eigener Weg in dieser

Welt ist?

 

Wer sich von der Meinung

anderer abhängig macht, der wird

auch ganz schnell zu einem

Spielball der anderen und

von deren Interessen

missbraucht.

 

Die Menschen damals

erwarteten einen Messias,

der sie von der Unterdrückung

durch die Römer befreien

sollte. Sie erhofften sich

einen politischen Befreier,

der die eigene politische

Unabhängigkeit wieder

herstellen würde.

 

Solche Erwartungen muss

Jesus enttäuschen. Er entspricht

nicht dem Bild, das sich viele

seiner Zeitgenossen von ihm

machen. Das wird vielen

unter ihnen spätestens dann

klar, als es mit dem Mann

aus Nazareth nicht mehr so

glorreich verläuft und sein

Weg sich einem bitteren

Ende zuneigt.

 

In seinem Buch „Grundrechte“

schreibt Ulrich Schaffer:

 

Du hast das Recht, Bilder

von dir zu zerstören, mit denen

andere dich festhalten und versuchen,

dir keine Entwicklung zu erlauben.

Die Zerstörung der Bilder muss

nicht mit großen Aufwand geschehen.

Allein dadurch, dass du dir treu bist,

werden die Bilder langsam

zerfallen. Du bist mehr als

alle Bilder, die man von

dir hat.

 

Gegen die Meinung

und die Bilder der Menschen,

der vielen, kann Jesus nichts machen.

Sie immer wieder zu widerlegen,

scheint ein zu großes Unterfangen

zu sein. Aber, was seine Jünger

über ihn denken, das kann er

sehr wohl beeinflussen.

 

„Ihr aber, für wen haltet

ihr mich?“ Diese Frage trifft

sie unmittelbar. Jetzt sind sie

gefragt. Als erster tritt Petrus

hervor. „Ich halte dich für

den Christus Gottes!“

 

Ob er sich darüber im Klaren

ist, welches Bekenntnis er damit

ablegt und welche Konsequenzen

dieses Bekenntnis für sein

eigenes Leben haben wird?

Die Geschichte dieses Jüngers

sagt eindeutig: Nein. Denn als es

tatsächlich darauf ankommt

und Jesus in aller Entschiedenheit

seinem ihm vorbestimmten Weg

folgen will, stellt der vorlaute

Jünger sich ihm in den Weg.

 

Petrus legt ein wirkliches

Bekenntnis ab, jedoch ist er sich

über die Tiefe und die Folgen

dieses Bekenntnisses nicht

wirklich bewusst.

 

„Ihr aber, für wen haltet

ihr mich?“

 

Die Frage reicht

über den Moment hinaus.

Sie zieht sich wie ein roter

Faden durch die Geschichte

bis heute. Denn: Heute

sind wir die Gefragten.

Sie und ich. Und Jesus

liegt an unserer Antwort.

Er wartet auf sie.

 

„Ihr aber, für wen haltet

ihr mich?“

 

Wir könnten auf die Frage

mit den bekannten katechetischen

Antworten reagieren. Aufsagen,

was wir zu früheren Zeiten

gelernt haben. Aber das reicht

nicht aus, weil es uns zumeist nicht

anrührt, weil es nicht in die

Tiefe geht. Jesu Frage ist

keine Prüfungsfrage.

 

Jesu Frage ist eine existentielle

Frage. Sie will mit dem Herzen

gegeben werden. Sie sucht

nach einer wesentlichen, meinem

Wesen entsprechenden, Antwort.

Der Kopf ist dabei weniger gefragt.

 

„Ihr aber, für wen haltet

ihr mich?“

 

Für wen halten Sie Jesus?

Wer ist er bisher für Sie ganz

persönlich gewesen?

Wer ist er heute für Sie?

 

So gefragt, können die

Antworten so unterschiedlich

sein, wie wir Menschen, die

wir heute zu diesem Gottesdienst

versammelt sind. Dabei gibt es

keine richtige und keine falsche

Antwort. Alle möglichen

Reaktionen auf diese eine

Frage sind wirklich.

Wirklich, weil sie mit

dem ganz eigenen und

persönlichen Leben zu

tun haben.

 

Haben Sie Ihre ganz

eigene Antwort schon

gefunden?

 

Der Heilige Ignatius lädt

in seinen Exerzitien immer

wieder dazu ein, sich Jesus

wie einen guten Freund

vorzustellen, der neben

einem sitzt und mit dem

man ganz ungezwungen

ins Gespräch kommen soll.

 

Jesus als guter Freund.

Die Vorstellung gefällt mir.

Das Buch Jesus Sirach erzählt

von so einem Freund und dem,

was einen guten Freund ausmacht:

 

Ein treuer Freund ist

ein starker Schutz, wer ihn findet,

hat einen Schatz gefunden.

Für einen treuen Freund gibt

es keinen Gegenwert,

seine Kostbarkeit lässt sich nicht aufwiegen.

Ein treuer Freund ist eine Arznei des Lebens

und es werden ihn finden,

die den Herrn fürchten.          (Jesus Sirach 6)

 

„Ihr aber, für wen haltet

ihr mich?“

 

„Die Antwort auf diese Frage

ist das Zuhören“, meint Laurence

Freeman. „Jesus trat nicht in

die Geschichte ein, um betrachtet,

untersucht und beurteilt zu

werden. Er ist nicht hier, nur um

beobachtet und mit den physischen

Augen oder dem Verstand gesehen

zu werden. Er muss in der Beziehung

zu uns erkannt werden – mit den

Augen des Herzens …“

 

„Ihr aber, für wen haltet

ihr mich?“

 

Menschen,

die mit dem Herzen

schauen, sagen dies:

 

„Jesus stört mich.

Ich kann mich wegen seines

Dazwischentretens nicht verhalten,

wie ich es zunächst wollte. Oft

genug tue ich es natürlich.

Aber er überlässt mich nicht

meinen Neigungen und Launen.

Er ringt mit mir … So gestört

zu werden ist das Heilsamste,

was uns widerfahren kann.“ (Gollwizter)

 

„Was er mir tut? Ich lerne von ihm.

Ich lerne von ihm, allen Zynismus

zu überwinden. Diese Lektion finde

ich heute am schwersten – es gibt

überzeugende Gründe, Menschen

zu verachten, es gibt großartige Gründe,

mich selbst zu verachten. Es gibt eine

Versuchung, das Leben nur teilweise,

nur ein Stück weit, nur unter Umständen,

zu bejahen. Jesus beschämt mich –

meine endliche, ungeduldige, teilweise,

oberflächliche Bejahung.

Er lehrt mich ein unendliches,

revolutionäres, nichts und

niemanden auslassendes

Ja.“ (D. Sölle)

 

Eine Frau in der Lebensmitte,

die ein leidvolles Schicksal zu

tragen hat, sagt:

 

„Jesus ist für mich der,

der das Leid zu Gott hin öffnet.

Ich kann nur als Christ leben,

weil er als einziger das Leid

öffnet auf einen letzten

Sinn hin.“

 

„Ihr aber, für wen haltet

ihr mich?“

 

Gibt es in Ihrem Leben

entscheidende Stellen der

Christusbegegnung, wo diese

Frage eine Antwort suchte

und fand?

 

Ich lade Sie ein,

einmal mit dieser Frage

durch Ihr Leben zu gehen.

 

Was sind Ihre frühsten

Erfahrungen und Erinnerungen

mit Jesus und wie hat sich

sein Bild im Laufe Ihres

Lebens gewandelt?

 

„Ihr aber, für wen haltet

ihr mich?“

 

Die Frage Jesu kann nur

ihre Antwort finden im

Leben mit ihm. Nur wenn ich

mich mit meinem Leben für

ihn entscheide, werde ich mehr

und mehr erkennen,

wer er ist und für mich

sein will.

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© Supervision-Coaching-Therapie-Geistliche Begleitung- Pfarrer Thomas Diener