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Die Grenze, an der Glaube zur Herausforderung wird

LK 20,27-38

So viel sei gesagt:

 

Die Sadduzäer

waren Schriftgelehrte,

die einer bestimmten jüdischen Tradition

folgten und die Auferstehung

der Toten leugneten. Darin

unterschieden sie sich

von anderen jüdischen

Gruppen.

 

Mit ihrer Frage haben sie

nur das eine im Sinn, Jesus

eine Falle zu stellen und ihm

einen Fall vorzulegen, mit dem

sie ihre Meinung, dass es keine

Auferstehung der Toten geben

kann, belegen möchten.

 

Auf ein solches Gespräch

lässt Jesus sich erst gar nicht ein.

Er macht diesen Leuten

unmissverständlich

klar:

 

„Die Maßstäbe, die ihr anlegt und

die Kategorien, in denen ihr denkt,

sind zu eng, als dass ihr damit

den Glauben an die Auferstehung

der Toten widerlegen könntet.

 

Wenn es um das ewige Leben

geht, muss man größer und weiter

denken, da gilt es eine Wahrheit

mitzudenken, die zu denken

dem ein oder anderen von euch

sehr schwer fällt.“

 

Die Wahrheit, die Jesus meint

ist die: Gott ist ein Gott der

Lebenden und nicht der Toten.

Und dass nach dem Tod

und der Auferstehung des

Menschen von den Toten

alles völlig anders sein wird.

Nichts wird mehr so sein,

wie es gerade ist.

Gott setzt einen

Neuanfang.

 

Gibt es eine Auferstehung der Toten?

 

Sie spüren es möglicherweise:

Auf Jesu Antwort folgt eine ganz

andere Frage. Nämlich die:

Wie sieht das Neue, das

Gott, macht aus?

Was ist das für ein

Leben, das Gott

neu entstehen

lässt?

 

An diesem Punkt ist

Raum für viele Spekulationen.

Niemand von uns kann

diese Frage wirklich beantworten.

Worauf wir uns stützen können

sind einzig und allein die Aussagen,

die uns die Bibel anbietet.

 

Mit negativen Beispielen

antwortet auf diese Frage

das Buch der Offenbarung.

Es sagt:

 

„Stellt euch darauf ein,

dass es keinen Tod mehr geben

wird, dass niemand von euch

mehr einen Grund zum Weinen

haben wird, was Euch auch immer

Anlass dazu war.

 

Es wird keine Trauer,

keine Klage und keine Mühsal

mehr geben. All das, was euch

das Leben bisweilen so schwer

macht und womit ihr möglicherweise

euch selbst das Leben zu einer

Zumutung macht, wird nicht

mehr vorkommen.

 

Und auch damit dürft ihr

fest rechnen: Gott macht alles

neu. Seine Liebe und sein Willen

zum Leben wird alles durchdringen.

Auch ihr selbst werdet mit einer

noch nie dagewesenen

und erfahrenen Liebe

erfüllt sein.

 

Gott selbst wird mitten

unter euch sein. Er wird da

sein, wie er schon immer da

gewesen ist, möglichweise

klarer und eindeutiger

als jemals zuvor.“

 

Gibt es eine Auferstehung

der Toten? Wenn ja, wie sieht

das neue, von Gott verheißene

Leben für uns Menschen aus?

 

Ich weiß nicht, ob dies auch

Ihre ganz eigenen Fragen sind.

Oder ob sich Ihr Suchen und

Fragen in eine ganz andere

Richtung bewegen?

 

Es war in der vergangenen

Woche. Ich wurde zu einer

sterbenskranken Frau auf die

Palliativstation des Krankenhauses

gerufen. Die Frau wünschte sich

die Krankensalbung.

 

Wir sprachen lange miteinander.

Am Ende hatte sie mir ihre

ganze Lebensgeschichte

erzählt und auch von ihrer

Angst angesichts des eigenen

Todes hatte sie gesprochen.

 

Sie weinte dabei.

Vorsichtig formulierten

sich ihre Worte:

 

„Ich habe Angst, dass im

Augenblick meines Todes

niemand bei mir ist.

Dass da niemand ist,

der mir die Hand

hält, mir die Tränen trocknet,

mich in den Arm nimmt.

Ich habe Angst vor dem

Alleinsein in dem Moment,

in dem ich loslassen muss.“

 

Die Fragen,

die Bedürfnisse

und die Anliegen, die ein

Mensch mit dem Blick

auf sein Leiden, sein Sterben

und seinen Tod hat, können

so unterschiedlich sein.

 

Für diese Frau steht

der Glaube an die Auferstehung

der Toten nicht in Frage.

Die einzige Frage ist,

ob sie denn im Augenblick

ihres Todes von

anderen Menschen umgeben

sein wird, die sie diesen

Schritt begleiten würden.

Ihr Bedürfnis ist es,

nicht allein sterben

zu müssen.

 

Was sind Ihre ganz

eigenen Fragen mit dem Blick

auf Ihren Tod?

Was bewegt Sie, wenn

es um diese letzten Dinge

und Fragen geht?

Haben Sie schon einmal

darüber nachgedacht?

 

Der Schweizer Schriftsteller

und reformierte Pfarrer Kurt Marti

hat einmal dieses Gedicht

geschrieben:

 

Ihr fragt, wie ist die

Auferstehung der Toten?

Ich weiß es nicht.

Ihr fragt, wann ist die

Auferstehung der Toten?

Ich weiß es nicht.

Ihr fragt, gibt´s eine

Auferstehung der Toten?

Ich weiß es nicht.

Ihr fragt, gibt´s keine

Auferstehung der Toten?

Ich weiß es nicht.

Ich weiß nur, wonach ihr

nicht fragt:

Die Auferstehung derer,

die leben.

Ich weiß nur, wozu er

uns ruft: Zur Auferstehung

heute und jetzt.

 

Als ich diese Zeilen gelesen

hatte, dachte ich mir. Er hat

ja recht. Auferstehung geschieht

heute und jetzt.

 

Da gehen Menschen wieder

aufeinander zu und reichen

sich die Hände, finden die

rechten Worte. Der Streit

zwischen ihnen findet ein

Ende.

 

Da geschieht Auferstehung.

 

Da beenden Völker einen

vernichtenden Krieg untereinander,

legen ihre Waffen nieder und

überwinden Grenzen im Eigentlichen

und in ihren Köpfen.

 

Da geschieht Auferstehung.

 

Da findet das bislang

geteilte Land wieder zusammen,

Mauern werden niedergerissen,

Menschen finden nach Jahren

der Trennung wieder zueinander,

fallen sich in die Arme, feiern

miteinander das, was wir

uns in diesen Tagen als

friedliche Revolution in

Erinnerung rufen.

 

Da geschieht Auferstehung.

 

Da findet ein sterbenskranker

Mensch Heilung seiner Krankheit

und fängt ein neues Leben

zu leben an.

 

Da geschieht Auferstehung.

 

Doch ich frage mich:

Bleibt die Antwort dieses Pfarrers

nicht enttäuschend für all jene, deren Fragen über den Alltag dieses Lebens hinausreichen

und tatsächlich den Tod

betreffen?

 

Es wird einen Augenblick

in unserem Leben geben,

da können wir auf die Frage

nach der Auferstehung der

Toten nicht mehr länger

ausweichen. Da stellt sie

sich uns ganz direkt

in den Weg.

 

Möglicherweise

ist das der Moment, in dem wir

zum allerersten Mal erfahren werden,

dass der christliche Glaube

eine Zumutung ist.

Unmögliches von uns

abverlangt.

 

Er mutet uns zu,

mit neuen Maßstäben

und in anderen Kategorien

zu denken, als wir dies bislang

getan haben.

Er mutet uns zu,

uns mit der Wahrheit

Gottes konfrontieren zu lassen,

die größer ist als unsere eigene

Wirklichkeit.

Er mutet uns zu, alle

noch so gescheiten Worte

über das Ende unseres Lebens  

hinter uns zu lassen und

zu vertrauen.

 

Möglicherweise in

einer Art und Weise

zu vertrauen, wie wir

dies noch nie getan

haben.

 

Ich glaube, dass es

eine Auferstehung der

Toten gibt. Herr, hilf

meinem Unglauben.

 

 

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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