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Nicht vom Gott sprechen

Dreifaltigkeit

„Ich spreche nie von Gott.“

Eine solche Feststellung ist

für einen Priester eher

ungewöhnlich. Meinen

Sie nicht auch?

 

Und dennoch:

Der Schweizer Priester,

Philosoph und Mystiker

Maurice Zundel kommt

zu dieser Feststellung,

weil er befürchtete,

das Wort „Gott“ zu

zerschleißen, wenn er

es ausspreche.

 

„Ich spreche nie von Gott.“

Nicht von Gott zu sprechen,

war für ihn Ausdruck tiefster

Gottverbundenheit.

 

Durch unser Sprechen

können wir unserem Gott

nicht gerecht werden.

Gott ist immer größer zu

denken, als wir ihn uns

ausdenken und über

ihn sprechen könnten.

 

Maurice Zundel

ermutigt vielmehr dazu,

Gott in sich zu tragen.

In sich zu tragen und zwar

in der täglichen Arbeit,

in der Begegnung mit

anderen Menschen.

In allem eben, was einen

zum Menschen werden

lässt.

 

Gotteserfahrung, so meint

er, geschieht in allem,

was uns zum wirklichen

Menschsein führt.

 

Es geht also darum,

unser Menschsein zu betrachten.

Im Anschauen unseres Lebens,

werden wir die Gegenwart Gottes

ahnen.

 

In der christlichen Spiritualität

hat diese Übung eine lange

Tradition. Sie ist in dem zusammen-

gefasst, was als das Gebet der

liebenden Aufmerksamkeit

bezeichnet wird.

 

In einem Rückblick auf den Tag

schaue ich auf das, was gewesen

ist. Ich nehme dabei vor allem

das Schöne, Wahre und Gute in

den Blick und weite zugleich mein

Herz für die großen Zusammenhänge

des Lebens. Eben für das Wichtigste

und das Wesentliche.

 

Dieses Gebet geschieht am

Ende eines Tages. Alles Erlebte

und Gewesene wird mit Gott

in Zusammenhang und Berührung

gebracht, so dass es geschehen

kann, dass seine Gegenwart in

dem ein oder anderen Punkt des

Tages wie von selbst aufleuchtet.

 

Für den hl. Ignatius von Loyola

war dieses rückblickende Beten

auf den Tag die wichtigste Gebetszeit

des Tages.

 

Im Dasein vor Gott

erfahre ich im Blick auf mein

Leben seine Gegenwart.

Auf einmal wird mir

neu bewusst, wo und wie Gott

sich mir heute gezeigt hat.

In meinem Leben ist Gott

gegenwärtig und ich beginne

zu ahnen, was sein Wille,

seine Absicht für mich

heute war.

 

Zu einer solchen Gotteserfahrung

lädt die Lesung aus dem Buch

Deuteronomium ein.

Es steht zwar nicht der

unmittelbare Blick auf das

eigene Leben im Mittelpunkt,

doch Mose fordert das Volk

Israel auf, einmal zurückzuschauen

und sich an das Wirken Gottes

an seinem Volk zu erinnern:

 

„Forsche einmal in früheren

Zeiten nach, die vor dir

gewesen sind, seit dem Tag,

als Gott den Menschen auf der

Erde schuf.“

 

Im Blick auf die Geschichte

liegt der Stoff der Gotteserkenntnis.

 

„Ich spreche nie von Gott.“

Von Gott zu sprechen bleibt

immer ein großes Unterfangen.

Nie durchdringen wir sein

Geheimnis ganz. Und auch

die Vorstellung von einem

Gott, der in drei Personen

einer ist, vermag das wirkliche

Wesen Gottes nur annähernd

zu beschreiben.

 

Wer immer sich dem Geheimnis

Gottes nähern will, der muss die

Ereignisse des Lebens anschauen.

Die kleinen Ereignisse und

die ganz großen, in denen

sich Gott immer wieder

zeigt und offenbart.

 

In der wunderbaren

Schöpfung, die uns täglich

neu zum Staunen einlädt.

Im Lächeln eines Kindes,

das uns in unserem Inneren berührt.

In der Liebe und Zuneigung

zwei Menschen, die ganz

füreinander da sein möchten.

In der Fürsorge für einen

Kranken, dem wir Nähe und

Geborgenheit zukommen

lassen.

 

Überall ist er und nirgends,

Höhen, Tiefen, sie sind sein.

Heißt es im Gotteslob.

 

Auch wenn es naheliegt,

am Fest Dreifaltigkeit wieder

einmal der Hybris zu unterliegen,

das Geheimnis Gottes

zu entschlüsseln, so stellt

sich mir heute eine ganz

andere Frage:

 

Kann es sein, dass wir

es verlernt haben, die Spuren

Gottes in unserem Leben

und dem Leben dieser

Welt zu erkennen und

von ihnen ausgehend

Rückschlüsse auf unseren

Gott zu ziehen?

 

Wir haben Gottes Spuren

festgestellt, auf unseren

Menschenstraßen,

Liebe und Wärme

in der kalten Welt,

Hoffnung, die wir fast

vergaßen.

 

Blühende Bäume haben wir

gesehen, wo niemand sie

vermutet, Sklaven, die durch

das Wasser gehen, das die

Herren überflutet.

 

Bettler und Lahme

sahen wir beim Tanz,

hörten wie Stumme

sprachen, durch tote Fensterhöhlen

kam ein Glanz, Strahlen, die

die Nacht durchbrachen.

 

So heißt es in einem

anderen Lied im Gotteslob.

Es bestätigt mit seinen Worten:

 

Je tiefer wir in unser Leben

eintauchen, desto näher

kommen wir auch dem

Geheimnis unseres Gottes.

Im Blick auf das Leben

liegt der Stoff der

Gotteserkenntnis.

 

Der Blick auf die Geschichte,

die eigene und die der anderen

auch, vergewissert uns, wie es

im Refrain des Liedes heißt:

 

Zeichen und Wunder

sahen wir geschehn

in längst vergangenen Tagen.

Gott wird auch unsere

Wege gehen, uns

durch das Leben tragen.

 

Vielleicht hat Maurice Zundel

Recht, nicht von Gott zu reden,

vielmehr auf die Spuren Gottes

in dieser Welt und auch im

eigenen Leben zu achten,

die jeden von uns vergewissern,

wollen, dass er bei uns ist und

dass er uns trägt.

 

Ich wünsche uns den

Blick für diese Zeichen und

die Wunder Gottes in unserem

Leben und die Hoffnung, die

sie in uns wecken möchten,

dass er da war, ist und bleiben

wird, als Gott, Vater,

Sohn und Heiliger Geist.

Amen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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