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Kommt ein wenig zur Ruhe

Mk 6,30 ff

 

Noch nie sind sie

menschlich so stark gefordert

gewesen, die Jünger.

Sie fangen an zu spüren,

wie viel Kraft sie die zurückliegenden

Tage gekostet haben.

Doch zur Ruhe kommen sie

auch bei ihrer Rückkehr nicht.

Es geht genauso weiter,

wie es aufgehört hat:

 

Ein unaufhörliches Kommen und

Gehen, so dass sie nicht einmal

die Zeit zum Essen finden.

Jesus sieht ihnen die Erschöpfung

im Gesicht stehen. Er lädt sie ein:

„Ruht ein wenig aus!“

 

„Sie müssen sich

eine Auszeit gönnen.“

Das hören wir, wenn jemand

ausgebrannt ist. Und viele unter

uns durften es ja schon erfahren,

wie gut ihnen eine Auszeit

getan hat.

 

Sie half ihnen,

Abstand zum alltäglichen

Geschäft zu bekommen.

Die Auszeit trug zur Ent-

schleunigung bei. Sie machte

es möglich, neue Energie

zu tanken.

 

Es gibt ja viele Möglichkeiten,

eine Auszeit zu gestalten.

Für den einen ist es ein

Wellnesshotel, für andere

ein Kloster, wieder andere

pilgern oder ziehen sich

für mehrere Wochen an

einen einsamen Ort zurück.

 

Wer sich eine Auszeit

gönnt, möchte aus der üblichen

Zeit ausscheren. Er will für eine

Weile aus dem üblichen Zeitablauf

und Zeittakt heraustreten.

 

Nach der Auszeit klingt er sich

in der Regel wieder in den alten

Tagesablauf ein und verfällt

ebenso wieder in den

alten Takt.

 

Das erinnert an eine in

Afrika offensichtlich weit

verbreitete Praxis. Dort

gönnt man den Legehennen

für eine Weile eine Auszeit,

damit sie danach wieder

voll einsatzfähig sind.

 

Was läuft verkehrt?

 

Es kann bei einer Auszeit

nicht nur darum gehen,

zur Ruhe zu kommen, Abstand

zu finden und dann

schnellstmöglich wieder

einsatzbereit zu sein.

Es muss in dieser Zeit

noch etwas hinzukommen,

wenn die Auszeit nachhaltig

und die erfolge Erholung

nicht gleich wieder verpuffen

soll.

 

 

Sie muss sich von der

afrikanischen Praxis

mit den Legehühnern

unterscheiden, die sich ausruhen

dürfen, um danach wieder

besser funktionieren zu

können.

 

Was läuft falsch

beim Menschen?

Woran fehlt es?

Was sollte hinzukommen?

 

In der Zeit, in der ein

Mensch auf Abstand

geht, sollte die Sensibilität

für die ganz eigenen Bedürfnisse

und auch Grenzen zunehmen.

Es geht auch darum, zu erkennen,

dass es unbedingt notwendig

ist, angemessen für sich

selber zu sorgen.

 

Diese Erkenntnis muss

so sehr in unserem Kopf und

in unserem Herzen verankert

sein, dass sie nicht mehr

hinterfragt werden kann.

 

Erst wenn der Mensch

dies klar für sich erkannt hat

und innerlich voll dahintersteht,

wird er in der Lage sein, allen

inneren und äußeren Forderungen,

die von ihm auf Dauer mehr

erwarten, als er leisten kann,

ein klares „Nein“

entgegenzusetzen.

 

Nach meiner Erfahrung

kann das manchmal Schwerstarbeit

bedeuten, bis ein Mensch so weit

ist, deutlich und ohne ein schlechtes

Gewissen zu haben, „Nein“ zu

sagen.

 

Da geht es dann unter anderem

um mangelnde Selbstannahme

oder bestimmte Gottesbilder, die

angeschaut und bearbeitet werden

müssen.

 

Viele unter uns haben

es nie gelernt, Nein zu sagen

und sich deutlich und klar

abzugrenzen. Zudem verwechseln

sie die Selbstfürsorge mit bloßem

Egoismus.

 

Woran fehlt es noch?

Was sollte noch hinzukommen?

Was kann noch dazu beitragen,

damit es nach der Auszeit

nicht wieder weitergeht

wie vorher?

 

In der Auszeit sollte der

Mensch lernen und einüben,

sensibler dafür zu werden, wie er

im Alltag selbst; im Ausüben

seiner Arbeit, mehr Erfüllung

erfahren kann.

 

Das geschieht immer dann,

wenn er mit dem, was

er tut, was ihn umgibt,

mit den Menschen, die um

ihn und mit ihm sind,

wirklich in Berührung kommt;

und er anfängt, sie wertzuschätzen

und sie ihm etwas bedeuten.

 

Im Grunde geht es darum,

zu lernen, die Dinge und die

Menschen zu lieben, mit

denen der Mensch in Kontakt

und Beziehung steht.

 

„Wenn wir die Menschen,

Räume, Aufgaben, mit denen

wir zu tun haben, lieben“

so der Soziologe Hartmut Rosa,

„entsteht so etwas wie ein

vibrierender Draht zwischen

uns und der Welt, der es möglich

macht, dass unser Gegenüber

eine Resonanz in uns auslöst.

Das kann ein Gemälde sein,

das wir betrachten, es kann sich

um Musik handeln, der wir

lauschen, oder es ist eine

Person, der wir begegnen.“

 

Der Mensch macht dabei die

Erfahrung, die ihm einfach

guttut. Das kann schon mit

so etwas Einfachem beginnen,

wie jemanden, den ich

begegne, zu grüßen

und zurückgegrüßt

zu werden.

 

Also gönnen Sie sich

ab und zu eine Auszeit,

schaffen Sie sich Oasen,

in denen sie eine Weile der

Hektik des Alltags entfliehen

können.

 

Doch versuchen Sie zugleich

auch mehr Erfüllung im

normalen Alltag zu erfahren,

indem Sie der Welt um

sie herum, dem, was Sie

tun, vor allem aber den

Menschen, auf die Sie treffen,

in dieser liebenden Einstellung

begegnen.

 

Nur dann kann so etwas

wie ein vibrierender Draht

zwischen Ihnen und Ihrer

Mit- und Umwelt entstehen.

Der bewirkt, dass etwas

wiederhallt, Sie also

etwas zurückbekommen.

 

Doch Jesus spricht nicht nur

die Einladung aus, auszuruhen

und Abstand zu finden.

Er macht sich zugleich Sorgen,

um die vielen Menschen,

die ihm wie eine Herde ohne

Hirte vorkommen, die weg- und

orientierungslos umherirrt.

 

Mir fällt auf, dass die Jünger

ihre Auszeit nicht irgendwo

suchen, sondern dass sie

zu Jesus zurückkehren.

 

Das scheint mir bei allem

Wichtigen, das zu einer

Auszeit hinzukommen sollte,

das Wesentliche zu sein.

 

Dass wir die Auszeit,

dazu in Dienst nehmen,

unsere Beziehung

zu ihm zu hinterfragen und

lernen, den Kontakt zu ihm

um ein weiteres Stück

zu vertiefen.

 

Bei ihm finden wir

die Orientierung für unser

Leben. Bei ihm finden wir

die Zuneigung, die sich nicht

an äußeren Leistungen

festmacht.

Bei ihm finden wir

ein bedingungsloses Ja

zu uns.

Bei ihm finden wir

Abstand und Auszeit,

um bei uns bleiben

zu können und in

unserem Herzen

ganz bei ihm.

 

„Ruht euch aus!“

 

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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