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Herzensfrage

Mk 12,38-44

Hat er nichts anderes zu tun,

als den Leuten dabei zuzusehen,

wie sie ihre Opfergabe den

Priestern im Tempel geben?

 

Ziemlich neugierig.

Meinen Sie nicht auch?

Was geht es ihn an,

was die anderen in die

Opferstöcke werfen?

Eigentlich doch gar

nichts.

 

Oder etwa doch?

 

Ich lade Sie ein,

in Gedanken einmal neben

Jesus Platz zu nehmen

und dem Treiben im Tempel

zuzusehen. Schauen Sie sich

um. Schauen Sie sich das

Innere des Tempels an.

Schauen Sie sich die Leute an, die

den Tempel betreten.

Machen Sie es wie Jesus.

Lassen Sie alles auf

sich wirken.

 

Möglicherweise tut es Ihnen

gut, ihre Augen hierfür

zu schließen. Lassen Sie

die Bilder vor Ihrem inneren

Auge entstehen. Steigen Sie

so mit mir in die Geschichte

ein.

 

Was sehen Sie?

Wen sehen Sie?

Was hören Sie?

Wen hören Sie?

 

Möglicherweise Menschen.

Ganz verschiedene Menschen.

Menschen wie Sie und ich.

Menschen mit ihren ganz eigenen

Anliegen und Sorgen,

Fragen und Ungelöstheiten

ihres Lebens.

 

Unter ihnen welche

mit langen Gewändern.

Wichtigtuer. So zumindest

meint es das Evangelium.

Zu ihnen gehören zweifelsohne

die Gruppen der Schriftgelehrten,

der Gesetzeslehrer, der Pharisäer.

 

Vor Gott gib es keine Ausnahmen.

Jeder von ihnen findet im Tempel seinen

Platz. Letztere am Liebsten auf

den vorderen Sitzen.

 

Zugegeben, es sind

nicht alle so. Da gibt

es auch Ausnahmen.

Wie so oft.

 

Gehen Sie im Tempel umher.

Schauen Sie sich alles in

Ruhe einmal an. Gibt

es irgendwelche Impulse,

die Sie im Umhergehen

empfangen? Regungen,

die Sie spüren?

 

Sie entdecken Jesus.

Mitten unter den Menschen.

Sein Blick ist auf den

Opferstock gerichtet.

Beenden Sie Ihren Rundgang

und setzen Sie sich wieder

neben ihn.

 

Aus seiner Perspektive

betrachtet sehen Sie eine Frau.

Witwe ist sie. So viel

verrät das Evangelium.

 

Sehen Sie selbst

möglicherweise mehr?

Wie geht diese Frau?

Wie ist sie gekleidet?

Können Sie ihre Gesichtszüge

erkennen? Ihre Hände?

Ihre Augen? Ihre Haltung?

 

Witwen im damaligen Palästina

sind arm dran. Sie haben keine

Witwenrente. Sie leben von

der Hand in den Mund.

Es kommt jedoch noch schlimmer:

Es gibt welche, die machen

sich ihre Situation zu eigen

und nutzen sie schamlos

aus.

 

„Sie bringen Witwen um

ihre Häuser und verrichten

in ihrer Scheinheiligkeit

lange Gebete.“

 

Spüren Sie möglicherweise

Wut und Zorn in Ihrem Herzen

über solche Zustände?

Hat sich Ihrer Meinung

nach an solchen oder

ähnlichen Missständen

im Rahmen religiöser Institutionen

und gesellschaftlicher Wirklichkeiten

je wirklich etwas geändert?

 

Wo spüren Sie heute

Wut und Zorn,

Enttäuschung und Schmerz,

wenn Sie an die Kirche

denken?

 

„Sie bringen Witwen um

ihre Häuser und verrichten

in ihrer Scheinheiligkeit

lange Gebete.“

 

Viele machen Ihren

Regungen Luft. In den

zurückliegenden Wochen

kommen immer wieder

Austrittserklärungen

von Gemeindemitgliedern

auf meinen Schreibtisch.

 

Intrige,

Korruption, Lüge

und Missbrauch an heiligen

Orten sind für sie gerade dort nicht

länger mehr auszuhalten.

Die Wahrheit möge

endlich ans Licht

kommen.

 

Ob man seine Stimme

hören möchte: „Ich bin

die Wahrheit, das Leben,

der Weg“?

 

Das setze eine Umkehr

im Ganzen voraus.

Einen Neubeginn.

Für alle.

Mit allen.

 

„Sie bringen Witwen um

ihre Häuser und verrichten

in ihrer Scheinheiligkeit

lange Gebete.“

 

Wie lange noch?

Ich schäme mich fremd.

Schon lange.

 

Sie bemerken es vielleicht.

Wir haben die Ebene des

Evangeliums verlassen.

Es geht schon längst nicht

mehr um die Witwe im

Tempel. Es geht um Dich.

Es geht um mich. Es geht

um Menschen, die in ihrer

Existenz in Frage gestellt

werden von Institutionen

und Einzelnen.

 

Doch zurück in den Tempel.

Sie sehen die Frau wie

sie sich dem Priester nähert,

der ihre Gabe in Empfang

nimmt. Zwei kleine Münzen.

Nichts im Vergleich zu dem,

was andere in den Opferstock

werfen.

 

Für die Frau jedoch

ihre Existenzgrundlage,

alles, was sie geben kann,

nicht wissend, was am

nächsten Tag auf sie

zukommen wird.

 

Jesus steht auf.

Er ergreift das Wort.

Diese Frau, von vielen

möglicherweise gar nicht

erst wahrgenommen,

nimmt er zum Lehrbeispiel.

Zu einem Beispiel

für wahres Leben.

 

„Diese arme Witwe hat

mehr in den Opferkasten

hineingeworfen als alle

anderen.“

 

Warum, eigentlich?

Wieso, eigentlich?

 

Weil es hier nicht

mehr ums Geld geht,

sondern um eine

Lebenseinstellung.

 

Ich will sie einmal

so beschreiben:

 

Es ist die Hingabe dessen,

was das ganz eigene und

persönliche Leben ausmacht,

die wahrhaft zählt.

Die Frau hat sich selbst gegeben.

Aufgegeben. Hingegeben.

Vergeben. Das ist mehr

wert als zwei Münzen es

je sein können.

 

Mir fallen hierbei die

Worte des Dichters

Joachim Ringelnatz

ein:

 

„Schenke herzlich und

frei, schenke ohne List,

sei eingedenkt, dass

dein Geschenk du

selber bist.“

 

Können Sie für sich

aus dem bisher Gesagten einen

ganz eigenen und persönlichen

Impuls für ihr Leben

entnehmen?

 

Möglicherweise diesen:

In der Begegnung zwischen

Menschen ist immer der

ganze Mensch gefordert.

Es kommt dabei nicht auf

Berechnung an, sondern

auf die Offenheit des

Herzens, das bereit ist,

den anderen aufzunehmen,

anzunehmen, zu lieben.

 

Nichts anderes gilt

für die Begegnung mit

Gott. Auch hier geht es

um ein vorbehaltloses,

ganzheitliches, vertrauensvolles

Hingeben des Menschen an ihn.

 

Gott schaut auf die Absicht

des Herzens und nicht auf

zwei Münzen. Was er selbst

uns Menschen durch den Tod

seines Sohnes erwirkt hat,

wäre niemals durch dreißig

Silberstücke aufzuwiegen

gewesen.

 

Gott gibt stets alles.

Zuallererst sich selbst.

Das macht seinen Wesenszug

aus.

 

Zu einer ganz eignen

und persönlichen

Hingabe an den anderen

lädt er jeden von uns ein.

Was hieraus erwachsen

kann, allein das ist von

Bedeutung und einem

unschätzbaren Wert.

Die Hingabe an den anderen

kann zu einer wahren

Gottesbegegnung

werden.

 

So zumindest verstehe

ich die Legende des Heiligen

Martins, dessen Gedenktag

wir heute feiern.

 

Lassen Sie uns unseren

Aufenthalt im Tempel

beenden. Verlassen Sie

mit mir diesen Ort, der

so viele Gedanken und

Eindrücke wachzurufen

vermochte.

 

Was regt sich gerade

in Ihrem Herzen?

Welche Anstöße haben

Sie bekommen?

In welche Richtung würden

Sie gerne weiterdenken

wollen?

Worüber würden Sie

sich gerne noch mit

einem anderen Menschen

austauschen wollen?

 

Und schließlich:

Was sind Sie selbst bereit,

von sich zu geben? Etwas,

das mit Münzen niemals

aufzuwiegen wäre,

das Sie aber anderen

Menschen und Gott

selbst ein ganzes Stück

näherbringt?

 

 

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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