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Haut, die berührt werden will

Mk 7,31-37

Der Mann scheint

nicht nur nicht hören

und reden zu können,

er scheint auch nicht

in der Lage zu sein,

von sich aus an Jesus

heranzutreten.

 

Freunde, Angehörige

bringen ihn stattdessen

zu Jesus mit der Bitte,

dass er ihn berühren

möge.

 

Jesus nimmt den

Mann zur Seite, nähert

sich ihm vorsichtig, berührt

Ohren und Zunge und spricht

das befreiende Wort:

„Effata!“

 

Von da an ändert sich

Grundlegendes: Der Mann

wird von seiner Fessel

befreit und kann wieder

hören und reden.

 

„Manchmal bestehen

wir über und über nur

aus Haut, die berührt werden

will. Das ist unsere schmerzhalte

Berufung, der wir uns widmen,

als wäre jeder Tag der letzte.“

Ulrich Schaffer

 

Worte können viel bewirken.

Sie können stärken. Sie können

aufrichten. Sie können Mut zusprechen

und Hoffnung wecken. Sie spenden

Trost. Sie bereiten Freude.

Doch es gibt Momente,

da reichen Worte nicht mehr

aus, um in das Innere eines

Menschen vorzustoßen.

Da braucht es etwas anderes.

Da braucht es die Berührung

von Mensch zu Mensch.

 

Solche Berührungen scheinen

tiefer zu reichen. Sie erreichen

den Grund der Seele und

erwecken etwas in einem

Menschen, das zuvor,

wie verschüttet gewesen

zu sein schein.

 

Es gibt Menschen, die

sich in die Arme eines anderen

fallen lassen und ganz plötzlich

zu weinen beginnen.

Sie zeigen Gefühle, die

zuvor für sie nicht

zugänglich gewesen waren

und dennoch da.

 

Sie fühlen sich in den

Armen des anderen geborgen,

gehalten und getragen.

Das erlaubt es ihnen,

schwach zu sein und sich

loszulassen. Am Ende

hat sich dann tatsächlich

auch etwas bei ihnen

gelöst.

 

„Manchmal bestehen wir

über und über nur aus Haut,

die berührt werden will.“

 

Eine Berührung setzt immer

Offenheit und Vertrauen

voraus. Es ist nicht leicht,

sich so aus der Hand

zu geben und sich den

Armen eines anderen

anzuvertrauen. Oder

umgekehrt, einen anderen

Menschen einfach in den Arm

zu nehmen.

 

Manchmal braucht es

sehr viel Zeit, damit

Mauern brechen können

und sich dahinter Eingeschlossenes

freien Lauf lassen kann, seien

es Tränen des Schmerzes

oder einfach auch

Freudentränen.

 

Von was lassen wir

uns berühren?

Wann haben wir uns

das letzte Mal in der Tiefe

unseres Herzens bewegt

gefühlt und betroffen?

Wann einen anderen

Menschen liebevoll in unsere

Arme genommen? Oder um-

gekehrt: Wann tat uns das

letzte Mal eine Berührung

gut?

 

Es können ganz unterschiedliche

Berührungen sein, die uns wieder

ins Leben zurückholen oder

das Leben spüren

lassen.

 

Berührungen von

Mensch zu Mensch.

Eine schöne Musik,

die uns zu Herzen geht

und Gefühle wachruft,

die uns zum Weinen

bringt.

Das Zusammensein

mit anderen Menschen,

deren Nähe gut tut

und für die man unendlich

dankbar ist.

Ein Wort Jesu,

das wie eine Berührung

wirkt und meine Seele

in Schwingungen versetzt.

Das Erleben der Natur,

von Wind und Sonne,

oder Regen und Schnee.

 

Die Frage dabei ist

nur die: Bleibe ich offen

für solche Berührungen

des Lebens? Lasse ich Nähe

zu, Nähe zu den Dingen

die mich umgeben;

Nähe zu den Menschen,

mit denen ich zu tun

habe?

 

Martin Buber meint.

„Alles wirkliche Leben

ist Begegnung.“

 

Wer wirklich leben

will, muss bereit sein

für die Begegnung

und offen für Berührungen

im eigentlichen und auch

in einem übertragenen

Sinn.

 

Auch für die Berührung

mit Gott. Pausenlos tritt

er an uns heran und schenkt

uns seine Nähe; Berührungen,

die zu Herzen gehen wollen,

die uns ins Leben zurückholen

möchten.

 

Sind wir offen für

die Berührungen Gottes?

Lassen wir Gottes Nähe

zu? Wie sehr lassen wir

ihn an uns heran?

Wann haben wir uns

das letzte Mal von Gott

berührt gefühlt?

 

Mit Speichel hat Jesus

die Zunge des Stummen

berührt. Das ist eine sehr

intime Geste, die keine

Grenzen mehr zulässt.

 

Frage: Haben wir

die Grenzen, die uns Menschen

voneinander und auch von

Gott trennen, nicht viel

zu eng gesetzt?

 

Ein anderer Gedanke

Ulrich Schaffers ergänzt

meine Frage:

 

„Hätte wir den stillen

Punkt in uns gefunden,

wären die Armeen nicht

nötig, Worte würden

ausreichen, Hände würden

Hände berühren, weil

es nichts mehr zu verteidigen

gäbe.

 

Der erhobene Zeigefinger

würde seine Drohung

verlieren, und ebenso

still würden wir begreifen,

dass er nach oben zeigt,

auf den stillen Punkt

über uns.“

 

Der Punkt, wo alle

Berührungen gut aufgehoben

sind, liegt direkt über uns.

Jesus richtet seinen Blick

zum Himmel. Also auf Gott

hin. Gott ist es, der alles

gut macht: er macht,

dass die Tauben hören

und die Stummen sprechen.

 

Gott öffnet auch unser Herz.

Er holt auch uns wieder

ins Leben zurück, wenn

wir wie abgeschlossen

und versteinert sind,

unzugänglich, blind,

taub und stumm.

 

Erlauben sie mir

noch einen abschließenden

Gedanken von Ulrich Schaffer.

Er stellt sich dar, wie eine

Vision. Eine Vision die

aufzeigt, wie es denn

sein kann, wenn wir

die Angst vor dem

Berührtwerden

meiden.

 

„Ich sehne mich nach

der Heimat in der Hand

der Milde, nach dem

Regenbogen quer durch

unsere Augen, nach einer

Salbe für die Zerrungen

der nackten Seelen,

nach einer neuen

Sanftmut, in der auch

die härtesten Worte

nicht mehr töten.

 

Ich sehne mich nach

Augen, mitten in der Blindheit

der Angst. Ich verzehre mich nach

der Weite in der einer dem anderen

nah ist, ohne die Steifheit der Enge.

Ich strecke mich aus wie eine

Hand, die aus der Verworrenheit

ragt.

 

Die Gräser der Liebe

werden uns schützen,

die Musik, die jedes Blühen

begleitet, wird uns den

Weg weisen.

Das Leben wird lebbar

sein, und ich werde an

deinen Händen tanzen.“

 

Ich wünsche uns allen

die Offenheit dem Leben

und seinen Wundern

gegenüber, die uns

in der Tiefe unserer

Herzen berühren

wollen.

Ich wünsche uns,

dass Leben lebbar

ist und wir, an Gottes

Hand miteinander

verbunden, tanzen

können.

 

So hat es Gott

gewollt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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