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Zeit der Barmherzigkeit

Mt 5,17-37

„Wir haben ein Gesetz

und nach diesem Gesetz …“

 

Sie haben nicht nur

ein Gesetz. Sie haben viele

Gesetze, die das Leben

bestimmen - vom Beginn

eines Tages an bis zur

Bettruhe am Abend.

 

Jene, die das Evangelium

als Pharisäer und Gesetzeslehrer

bezeichnet, die Juden.

 

„Wir haben ein Gesetz

und nach diesem Gesetz …“

… darf am Sabbat nicht geheilt

oder eine andere Arbeit verrichtet werden;

… ist eine Frau, die die Ehe bricht

mit dem Tod zu bestrafen;

… müssen Aussätzige gemieden

und aus der Stadt verbannt werden;

… sind Teller und Becher rein zu halten

und die Hände vor dem Essen zu waschen;

… darf ein Jude nur koscheres Fleisch essen;

… muss in Zeiten des Fastens gefastet

werden …

 

„Wir haben ein Gesetz

und nach diesem Gesetz …“

Auch die Kirche hat ein Gesetz.

Sogar ein ganzes Buch mit Gesetzen.

Das kirchliche Gesetzbuch.

Es zählt über 1700 Canones.

Alles ist minutiös geregelt

und vorgeschrieben.

Doch im Mittelpunkt des

Auftrages der Kirche stehen nicht

das Gesetz und die legale Gerechtigkeit,

sondern immer die Liebe Gottes.

Sie allein versteht im Herzen

eines Menschen zu lesen, um seine

verborgenste Sehnsucht zu erfassen

und kann im Leben

der Kirche und Getaufter nicht ein

bloßer Einschub sein, sondern

macht ist ihr eigentliches Leben

aus.

 

Ja, die Kirche hat ein Gesetz.

Aber Gott hat ein Herz, und Vergebung

und Barmherzigkeit sind das sichtbarste

Zeichen der Gegenwart und Nähe

Gottes, seiner Liebe zu uns Menschen.

 

Was dies konkret meinen kann,

ist dem apostolischen Schreiben

des Papstes „Misericordia et Misera“,

das er anlässlich des Abschlusses

des Heiliges Jahres der Barmherzigkeit

verfasst hat, an einem von

vielen Beispielen zu entnehmen:

 

„… damit dem Wunsch nach

Versöhnung und der Vergebung Gottes

nichts im Wege stehe, gewähre ich von nun

an allen Priestern die Vollmacht,

kraft ihres Amtes jene loszusprechen,

welche die Sünde der Abtreibung begangen

haben. Was ich auf den Zeitraum

des Jubeljahres begrenzt gewährt habe,

wird nun zeitlich ausgedehnt, unbeachtet

gegenteiliger Bestimmungen.

Ich möchte nochmals mit aller

Kraft betonen, dass Abtreibung eine

schwere Sünde ist, da sie einem

unschuldigen Leben ein Ende

setzt. Mit gleicher Kraft kann

und muss ich jedoch sagen,

dass es keine Sünde gibt,

die durch die Barmherzigkeit

Gottes nicht erreicht und vernichtet

werden kann, wenn diese ein

reuevolles Herz findet, das

um Vergebung mit dem Vater bittet.“

 

„Wir haben ein Gesetz

und nach diesem Gesetz …“

Jesus hebt das Gesetz nicht

auf. Das betont er immer wieder.

So auch im gehörten Evangelium.

Doch er setzt neben den Maßstab

des Gesetzes einen neuen und

anderen Maßstab, einen, der alles

übersteigt: den Maßstab der

Barmherzigkeit.

 

Es gibt weder ein Gesetz

noch eine Vorschrift, die es Gott

verbieten könnten, den Menschen

immer wieder in seine Arme

zu schließen, dem, der zu ihm

zurückkehrt und entschlossen

ist, wieder von vorne anzufangen.

 

Nur bei dem Gesetz stehen zu

bleiben bedeutet, den Glauben

und das göttliche Erbarmen

zu vereiteln. Bedeutet, sich

über die Langmut, die Geduld,

das Erbarmen, die Liebe Gottes

lächerlich zu machen.

Langmut,

Geduld,

Erbarmen

und Liebe unseres Gottes

erneuern und erlösen den

Menschen. Hierbei begegnen

sich zwei Herzen: das Herz

Gottes, das dem Herz des

Menschen entgegenläuft.

 

Ja, die Kirche hat ein Gesetz.

Aber Gott hat ein Herz!

 

Franziskus schreibt:

 

„Dies ist die Zeit der Barmherzigkeit.

Jeder Tag unseres Weges ist von Gottes

Gegenwart geprägt, der unsere Schritte

mit der Kraft der Gnade führt, die der

Heilige Geist in unser Herz eingießt,

um es zu bilden du fähig zu machen

zu lieben.

 

Es ist die Zeit der Barmherzigkeit

für alle und jeden, damit niemand

denkt, der Nähe Gottes und der Macht

seiner Zärtlichkeit fern zu sein.

 

Es ist die Zeit der Barmherzigkeit,

damit alle Schwachen und Wehrlosen,

Fernen und Einsamen die Anwesenheit

der Brüder und Schwestern wahrnehmen

können, die sie in ihren Nöten unterstützen.

 

Es ist die Zeit der Barmherzigkeit,

damit die Armen den respektvollen und

doch aufmerksamen Blick jener auf sich

spüren, die nach Überwindung der

Gelichgültigkeit das Wesentliche des

Lebens entdecken.

 

Es ist die Zeit der Barmherzigkeit,

damit jeder Sünder nicht müde wird,

um Vergebung zu bitten und die Hand

des Vaters zu spüren, die uns

immer aufnimmt und an sich

drückt.“

 

Solche Worte erlauben es,

all jenen aufzuatmen, die sich

durch die Gesetze der Kirche, oder

das Gerede und die Blicke der

vermeintlichen Gutchristen,

bevormundet, abgedrängt,

ausgeschlossen, nicht

zugelassen fühlen.

Gott schließt niemanden

aus! Jedem erlaubt er es,

ihm nahzukommen.

 

Wer immer Barmherzigkeit

einmal erfahren hat, kehrt nicht

mehr hinter sie zurück.

Barmherzigkeit wächst ständig.

Sie verändert das Leben und

schafft aus einem Herz

aus Stein, ein Herz aus

Fleisch und Blut, das mitfühlt,

das sich sorgt, das sich eines

anderen annimmt.

Barmherzigkeit schenkt

auch Freude.

 

Die Gewissheit zu vermitteln,

dass Gott uns liebt, ist keine rhetorische

Übung, sondern eine Bedingung

für die Glaubwürdigkeit eines

Christenmenschen und

der gesamten Kirche.

 

Sie bleibt auch die Herausforderung

für die konkrete Gemeinde vor Ort.

Die Unglaubwürdigkeit einer

Gemeinde und ihrer Menschen

zeigt sich in Streit und Missgunst,

in Ärger und Groll, in Intrige und

Verleumdung, in Abgrenzung und

Spott.

Bei all dem

fehlt es ihr an Liebe.

Das Fehlen der Liebe

jedoch macht eine Gemeinde

und ihre Menschen lächerlich,

unglaubwürdig und verlogen,

weil sie nicht wirklich für

das einsteht, wofür sie

einstehen und sich einsetzen

sollte.

 

„Wir haben ein Gesetz,

und nach diesem Gesetz …“

Die Liebe ist der erste Akt,

mit dem Gott sich uns zu erkennen

gibt und uns entgegenkommt.

Nicht das Gesetz.

 

Halten wir

daher unser Herz offen

für das Vertrauen, von Gott

geliebt zu sein.

Seine Liebe kommt uns immer

zuvor, begleitet uns und bleibt

an unserer Seite, trotz jeder

Unzulänglichkeit, die uns

Menschen zu eigen sein

kann.

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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