thomas diener systemische-lösungsorientierte supervision und coaching geistliche begleitung gestalttherapeutische beratung
thomas diener                                                             systemische-lösungsorientierte                                                             supervision und coaching                                                                                                                                       geistliche begleitung                                                             gestalttherapeutische beratung

Umkehr jetzt!

Mt 4,12-23

 

Menschen geraten

hin und wieder in Sackgassen.

Niemandem würde es

einfallen, in einer solchen

Situation stehen zu bleiben

und zu warten, bis die

Umgebung sich ändert.

Oder doch?

 

Stellen wir uns

eine Reisegruppe

vor, die sich verfahren hat.

Plötzlich versperren

Häuser die Weiterfahrt.

Die Gruppe ist nicht bereit,

umzukehren.

Früher waren sie schließlich

auch immer hier durchgefahren.

Die Leute schimpfen.

Sie warten und warten.

Wut und Resignation machen

sich breit. Einige von ihnen

fordern eine andere

Reiseleitung.

Aber es ist schwierig,

in dieser Situation Menschen

zu finden, die Verantwortung

übernehmen.

 

Einzelne machen Vorschläge,

wie es weitergehen könnte.

Sofort werden sie von anderen

zurechtgewiesen.

Wenn es ihnen nicht passe,

könnten sie ja aussteigen.

Niemand hindere sie daran.

Die Devise lautet:

Einfach warten, bis die

Hindernisse verschwinden.

Unzufriedenheit verbreitet

sich. Immer wieder werden

die Leute zur Geduld

ermahnt.

Trotzdem verabschieden sich

mehr und mehr Menschen

aus der Gruppe und gehen

eigene Wege. (Idee: Martin Werlen)

 

Das Bild lässt sich ohne

große Mühe auf unsere

Kirche und unsere Gemeinden

übertragen. Meinen sie

nicht auch?

 

Die Kirche und mit ihr

viele unserer Gemeinden

sind in Sackgassen geraten.

Umkehr ist gefordert.

Immer wieder.

 

Die ersten Worte Jesu

im Matthäusevangelium heißen:

„Kehrt um! Denn das

Himmelreich ist nahe.“ (Mt 4,f)

 

Bei Umkehr denken

wir sehr oft an die anderen.

Doch: Müssten wir nicht bei

uns selber beginnen?

Von uns ist Umkehr gefordert:

eine persönliche Umkehr,

eine familiäre Umkehr,

eine gemeinschaftliche Umkehr,

eine Umkehr in unseren Pfarreien

und Gemeinden,

eine Umkehr in unseren Diözesen

und der ganzen Kirche.

Das geht vielen aber erst

dann auf, wenn sie in Sackgassen

geraten und diese als solche

wahrnehmen wollen.

Umkehr fordert zudem

eine Offenheit gegenüber dem,

was Gott von uns will.

 

Wahre Umkehr ist immer

eine Umkehr zum Leben.

Sie ist immer konkret.

Vielfältig und spannend

wie das Leben auch.

Nichts für Weicheier

und Softies, denn sie fordert

Mut, Neues zu denken

und Vergangenes hinter

sich zu lassen.

 

Von dem Dichter und

reformierten Pfarrer

Kurt Marti stammt dieser

Gedanke:

 

Wo kämen wir hin,

wenn alle sagten, wo kämen

wir hin, und keiner ginge,

um zu sehen, wohin wir

kämen, wenn wir gingen.

 

Wo kämen wir hin?

Warum wagen wir nicht

einfach neue und ungewohnte

Schritte der Umkehr,

um es zu erfahren?

Dazu fordert Papst Franziskus

auf. Auf seiner Mexikoreise

ermahnt er die Bischöfe

und die Gläubigen:

„Ich bitte euch, nicht

in der Erlahmung zu verfallen,

alte Antworten auf neue Fragen

zu geben.“

 

Er spricht damit ein

großes Problem in unserer

Kirche und in unseren Gemeinden

an: Viele haben sich an zu

vieles in ihrem Glauben gewöhnt.

 

„Es ist eine subtile Form des

Unglaubens, wenn man sich an

das, was man glaubt, gewöhnt hat …

In der Gewöhnung ist die Seele

ohne Hoffnung und der Geist

ohne Fragen“, sagt der deutsche

Geigenbauer Martin Schleske.

 

Ja, die Gewohnheit sitzt

tief in unseren Knochen:

in unserem eigenen Glaubensleben,

in unseren Gemeinden, in unseren

Diözesen, in der Universalkirche.

Hier ist Umkehr gefordert.

Aber: Die Tür, die aus der

Gewohnheit herausführt,

sie klemmt. Das kennen wir

alle aus eigener Erfahrung.

 

Wie bringen wir es

fertig, das bequeme pastorale

Kriterium des „Es wurde schon immer

so gemacht“ endlich

aufzugeben?

 

Ein einfaches Prinzip

lautet:

Leben, was wir sagen.

Leben, was wir beten.

Leben, was wir feiern.

 

Merken Sie: Umkehr hat

nichts zu tun mit liberal

oder konservativ, wie das einige

vielleicht meinen – und damit

Umkehr verhindern.

 

Bei der Umkehr, die Jesus

meint, geht es um alles,

nicht um Kleinigkeiten.

Das betrifft vor allem

den Umgang mit Menschen.

Umkehr ist Glauben, nicht nur

mit Worten, sondern mit

der ganzen Existenz, mit Körper,

Geist du Seele. Umkehr bewegt.

 

Um das zu zeigen braucht der

große Theologe Romano Guardini

ein sehr eindrückliches Bild.

Er meint:

„Glauben bedeutet mit dem

Denken, mit dem Herzen,

mit dem Gefühl für Richtig

und Unrichtig, mit allem,

was Menschendasein ausmacht,

in Christi Schule zu treten.

Da hilft es nicht, im Schiffe

von rechts nach links zu gehen,

oder für einen Apparat

einen anderen einzusetzen:

das Ganze muss anders fahren.

Glauben ist also ein Vorgang,

eine Unterweisung, eine Umformung,

worin die Augen neu geschaffen,

die Gedanken anders gerichtet,

die Maßstäbe selbst umgemessen

werden.“

 

Leben wir als Kirche

und Gemeinde vor Ort so,

wie Jesus es uns vorgelebt

hat?

Nehmen Menschen Kirche

und unsere Gemeinde heute so wahr?

Oder sorgen wir uns nicht

allzu sehr darum, Besitzstände

zu bewahren, uns am Gewohnten,

dem „Es war schon immer so.“

festzuklammern?

 

Der Benediktiner Martin Werlen

meint in seinem sehr lesenswerten

Buch: „Wo kämen wir ihn“:

„Wir sorgen uns vor allem

um diejenigen, die noch da sind.

Wir schauen, dass sie zufrieden sind

und nicht auch noch weggehen.“

 

Sehr viele Menschen verabschieden

sich von unserer Kirche und unseren

Gemeinden. In kirchlichen Feiern

und Veranstaltungen fehlen die Kinder

und die Jugendlichen oft ganz.

Menschen in großer Not denken

nicht daran, bei Seelsorgern Hilfe

zu suchen.

 

Als Kirche, als Gemeinde,

als Getaufte sind wir berufen,

Notleidende zu suchen,

sie wahrzunehmen, auf sie

zuzugehen und ihnen zuzuhören.

 

Die deutsche Schriftstellerin

Ida Fredericke Görres nennt diese

Haltung ein Werk der Barmherzigkeit.

Sie schreibt: „Mir scheint deshalb,

als ob der Ratende vor allem

einer Kunst bedürfe … der Kunst

des Hörens … Hören heißt:

sein Herz auftun und das,

was ein anderer zu sagen

hat, wie einen Gast einlassen;

mit Ehrfurcht, ohne Hast,

dass das Fremde sich „niederlassen

kann“, ohne gleich mit Entgegnungen

überschüttet, in Vergleiche gequetscht

zu werden, - ohne es augenblicks mit

meinen Marken zu bekleben

und meinem Bestand

einzuverleiben.“

 

Umkehr hat mit unserer

Orientierung an Jesus Christus

zu tun. Umkehr hat mit dem

Wesentlichen unseres Glaubens

zu tun. Umkehr hat mit Liebe zu

tun. Umkehr hat mit Glaubwürdigkeit

und Authentizität zu tun.

 

Einer der größten Vorwürfe,

die man unserer Kirche und

vielen Getauften macht ist,

dass es genau daran fehle.

 

„Was Menschen aus der Kirche

treibt“ sagt Martin Werlen,“

ist die Verlogenheit. Tragisch

ist es, wenn solche Verlogenheit

mit frommen Zuckerguss begründet

und verteidigt wird. Damit

machen wir Gott lächerlich.“

 

Gerade als Getaufte sollten

wie sensibel sein für das,

was andere als verlogen

wahrnehmen könnten.

 

Zudem:

Wir haben nach innen und

nach außen eine Vorstellung von

Kirche herangezüchtet, die mit der

einen, heiligen, katholischen

und apostolischen Kirche,

die wir bekennen, nicht

mehr viel zu tun hat.

Damit sage ich nichts

neues.

 

Und an dieser unmöglichen

Vorstellung basteln wir herum.

Wir sprechen von

Kirche und Gemeinde –

und meinen oft ein System.

Ein Denksystem.

Ein Organisationssystem.

Ein Machtsystem.

 

Solches Systemdenken

hindert uns, als Kirche,

als Gemeinde, als Christen

zu leben.

 

Wann kehren wir endlich um?

Wann fangen wir endlich

an zu begreifen,

dass Umkehr im eigenen

Kopf und im eigenen Herzen

beginnt?

Wann endlich zeigen

wir durch unser Leben,

zu welcher Hoffnung

wir berufen sind?

Es geht um alles

oder nichts.

 

 

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© Supervision-Coaching-Therapie-Geistliche Begleitung- Pfarrer Thomas Diener