thomas diener systemische-lösungsorientierte supervision und coaching geistliche begleitung gestalttherapeutische beratung
thomas diener                                                             systemische-lösungsorientierte                                                             supervision und coaching                                                                                                                                       geistliche begleitung                                                             gestalttherapeutische beratung

Sehnsucht nach dem Unermesslichen

Joh 4,5-42

Die Botschaft dieses Evangeliums

liegt auf der Hand und scheint klar:

Es gibt einen Durst in jedem

Menschen, der nicht mit

einem erfrischenden Glas

Wasser gestillt werden

kann.

 

Dieser Durst, von dem das Evangelium

spricht, sitzt tiefer und reicht tiefer,

bis in das Innerste eines Menschen

hinein. Es ist der Durst, den unsere

Seele kennt.

 

Wonach also dürsten wir?

 

Recht unterschiedlich werden

die Antworten auf diese Frage

ausfallen. Je nachdem, wo

ein Mensch gerade steht,

was ihn ausmacht und bewegt,

woran es ihm fehlt.

 

Menschen können dürsten

nach Anerkennung und Ansehen.

Sie können dürsten nach

Annahme und Wohlwollen.

Sie können sich sehnen nach

Geborgenheit, Zärtlichkeit

und Liebe.

Sie können verlangen nach

Freiheit und Gerechtigkeit,

Frieden und Vergebung.

Sie können sich ausstrecken

nach der Gesundheit des Körpers.

Auch nach Glauben und nach

Gott kann sich die Seele

eines Menschen sehnen.

 

Wonach dürsten Sie?

Was ist es, wonach Ihr Herz

verlangt? Welche Sehnsucht

kommt aus Ihrer Seele

und sitzt ganz tief in Ihrem

eigenen Inneren, bewusst

oder unbewusst, geahnt

aber noch nicht klar ins

Wort zu bringen?

 

Sehnsucht sei heilig,

meinen die Romantiker.

In unserer Sehnsucht, in unserem

Durst und Hunger schmecken wir

das Heilige; verspüren wir

unser Verlangen nach dem

Unermesslichen, das zu uns gehört

und zu dem wir gehören,

ohne es zu besitzen.

Sehnsucht sei der Grund für die Unruhe

unseres Herzens, die sich nicht

einstellt, bis wir das Unermessliche

berührt, Ruhe gefunden haben

in Gott.

 

Menschen können einander

ihre Sehnsüchte stillen. In einem

viel größeren Maß als gedacht und

vielleicht auch verwirklicht,

können Sie einander erfüllen.

 

Es ist ein wahres Geschenk,

wenn Menschen einander derart

erfüllen, dass ihre Sehnsüchte

fast gänzlich gestillt werden

können, insbesondere doch

durch die Liebe, die sie

einander schenken.

Menschen, die sich Liebe und

Zuneigung zuteilwerden lassen

und die erkennen, woran es dem

anderen tatsächlich mangelt,

können zur lebendigen Quelle

füreinander werden.

 

Es gibt Menschen, denen fehlt

es an solchen zwischenmenschlichen

Begegnungen. Sie fühlen sich einsam

und verlassen. Ihre Seele ist ausgetrocknet.

Es gibt Menschen, die versuchen

ihr Verlangen durch materielle Dinge

zu befriedigen. Sie konsumieren

ohne Grenzen.

Es gibt Menschen, die versuchen

ihre Sehnsucht und ihr Verlangen

erst gar nicht zu spüren und betäuben

sich durch Alkohol oder andere

Mittel, die sie unempfindlich

werden lassen.

 

Diese Befriedigung der Sehnsucht

hält nur für wenige Momente.

Sehnsucht lässt sich nicht

reduzieren auf Sex, Erfolg, Sport

und Wellness.

 

Jesus weiß um den Durst des Menschen.

Er kennt die menschlichen Sehnsüchte.

Die Trockenheit der menschlichen Seele

ist ihm nicht fremd.

 

Jesus bietet sich selbst dem Menschen an,

seinen Durst durch ihn stillen zu lassen.

Jenes Verlangen, das seinem tiefen Inneren

entspringt.

Zur Quelle lebendigen Wassers

will er dem Menschen werden, aus der dieser

unbegrenzt schöpfen kann, darf, soll.

 

Dabei versteht Jesus es, jenen Durst zu stillen,

der in dieser Welt immer ungestillt bleiben

muss. Ich meine den Durst nach der Fülle

des Lebens, nach dem Absoluten,

dem Ewigen.

 

Die Seele eines

Menschen ist mit nicht

weniger als dem Unermesslichen

zufrieden. Und solange er nicht

den Bereich des Unermesslichen

berührt und schmeckt, wird er

unruhig und unerfüllt bleiben.

Er wird suchen und dabei auch

viele Irrwege gehen.

 

Wer sich des Wassers bedient,

das Jesus schenkt, der wird niemals

mehr durstig sein müssen.

Das ist die frohe Botschaft

des heutigen Evangeliums.

Was machen wir daraus?

Für uns?

Für unsere Gemeinde?

Für unsere Kirche und all

die anderen Menschen?

 

Es geht darum, Christus wieder

als die Quelle des Lebens zu entdecken.

Es geht darum, unsere Quellen in

ihm entspringen zu lassen.

Es geht darum, uns von ihm

tränken zu lassen und das Wasser

an all jene weiterzureichen,

die den Weg zur Quelle noch

nicht gefunden haben oder

ihn aus eigenen Kräften nicht

mehr gehen können.

 

Solange uns unser Weg nicht

dahin führt, wohin der Heilige Geist

in uns selbst uns hintreibt,

werden wir umherirren, nicht

den Frieden, nicht die Erfüllung,

nicht die Zufriedenheit finden,

nach denen wir uns zutiefst sehnen.

Wir werden halb gebrochen bleiben

und unerfüllt.

 

Aus dieser Einsicht heraus entstand

das folgende Gebet:

 

Herr, erfüll mich neu mit Deinem

Geiste, der mich belebt und zu Dir,

mein Gott, hinziehet!

 

Hier bin ich vor Dir. Leer sind meine

Hände. Herr, füll mich ganz mit Dir.

 

Herr, füll mich neu. Füll mich neu mit

Deiner Liebe, die bei Dir bleibt und mit

Freuden Lasten trägt.

 

Herr, füll mich neu. Füll mich mit

Deinem Glauben, der auf Dich schaut

und bei andern Glauben weckt.

 

Herr, füll mich neu. Füll mich neu

mit Deiner Freude, die überströmt

und in Lob und Preis Dich rühmet.

Hier bin ich vor Dir. Leer sind meine

Hände. Herr, füll mich ganz mit Dir.

 

Wie steht es eigentlich darum?

Sind wir noch mit ihm gefüllt?

Sind wir noch durch ihn erfüllt?

Als Einzelne?

Als Gemeinde?

Als Gemeinschaft?

Als Kirche?

 

Manchmal habe ich den

Eindruck, dass der ganz eigene

Zugang zur Quelle, die Christus ist,

unterbrochen ist.

 

Im einzelnen Menschen.

In den Gemeinden.

In den Gemeinschaften.

In der Kirche.

 

Woher sonst kommt die

Sehnsucht, die in uns Menschen wohnt,

und die unaufhörlich bei uns anklopft?

Oder sind wir mittlerweile schon derart

ausgetrocknet, dass wir dieses

Klopfen schon gar nicht mehr

wahrnehmen?

 

Geht es uns tatsächlich noch

darum, uns auf den

Weg zur Quelle zu begeben,

als Einzelne und in Gemeinschaft,

oder haben wir uns derart

in Nebensächlichkeiten, Debatten

und Selbererhaltungsversuchen verloren,

dass wir diesen Durst nach Christus

gar nicht mehr verspüren?

Das wäre schlimm und traurig

zugleich. Wir hätten allesamt

unsere Berufung aus dem Auge

verloren.

Als Einzelne.

Als Gemeinde.

Als Gemeinschaft.

Als Kirche.

 

Dabei müssten wir gar nicht

weit gehen. Wir müssten die Quelle

nur endlich wieder freilegen

und für uns neu entdecken

lernen.

 

Alfred Delp schreibt:

 

In uns selbst strömen

Quellen des Heils und der Heilung.

Gott ist als Brunnen in uns,

zu dem wir zu Gast

und Einkehr eingeladen

sind.

 

Diese inneren Quellen

müssen wir finden und immer

wieder strömen lassen

in das Land unseres Lebens.

Dann wird keine Wüste.

 

Ich will euch erquicken:

Das alte Herrenwort

wird vom strömenden Geist Gottes

eingelöst.

 

Wohin zielt unsere Sehnsucht?

 

Unsere Sehnsucht als Einzelne?

Unsere Sehnsucht als Gemeinde?

Unsere Sehnsucht als Gemeinschaft?

Unsere Sehnsucht als Kirche?

 

Was macht den Durst unserer

Seele aus?

 

Herr, schenke uns die Gnade der

Sehnsucht nach dem Unermesslichen,

nach Dir, unserem Gott.

Lass uns unsere Sehnsucht spüren,

in Dein Heiligtum einzutreten,

Dich in unser Heiligtum einzulassen.

Gib uns die Gnade, uns unserer

Sehnsucht zu überlassen, sie will uns hinführen

zu Dir, dem Unermesslichen,

dem Heiligen Geist, so dass

wir Ruhe finden in Dir.

 

 

Gebet aus den Philippinen

 

Mache uns unruhig, Herr,

wenn wir bequem und selbstzufrieden sind;

wenn unsere Träume sich erfüllt haben,

weil sie allzu klein, zu engherzig und beschränkt waren;

wenn wir nur allzu nahe am Ufer segelten,

und wie im sicheren Hafen ankernd uns bereits am Ziel glauben.

 

Schenke uns Sehnsucht Herr,

wenn wir über der Fülle der Dinge, die wir ansammelten, die Schönheit und die Wahrheit des Einfachen nicht mehr erkennen und den Durst nach den reinen Wassern des Lebens

verloren haben;

wenn wir verliebt in unser Leben, aufgehört haben, von der Ewigkeit zu träumen,

wenn wir über all den Mühen, die wir in den Aufbau der neuen Erde aufwenden, unsere Vision des neuen Himmels vergessen haben.

 

Rüttle uns auf, Herr,

damit wir mutiger werden

und uns hinauswagen auf dein weites Meer,

wo uns Stürme deine Allmacht erfahren lassen,

und wir mit der Entfernung vom Ufer

deine Sterne leuchten sehen.

 

Amen.

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© Supervision-Coaching-Therapie-Geistliche Begleitung- Pfarrer Thomas Diener