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Heute ist nicht damals

Mt 25,1-13

„Mitten in der Nacht …

vor dem verschlossenen Tor …

zehn Frauen …

warten …

wachen und warten …

Er kommt nicht …

 

Zehn Frauen …

wir hier … vor verschlossenem Tor …

nicht nur wir hier … alle …

überall auf der Welt …

überall in der Kirche …

warten … wozu? …

auf wen? …

 

Gott?

Wer glaubt, sieht ihn

kommen in Jesus Christus …

Aber wo, aber wann kommt

er zu mir und sagt mir:

Da bin ich?

Heute?

Heute ist nicht damals …“ 

Silja Walter

 

Jahrhunderte menschlicher

Irrungen und Wirrungen liegen

dazwischen – zwischen heute

und damals – Glaubenskriege,

Fanatismus und Gleichgültigkeit,

Vervollkommnung menschlichen

Könnens und Machtmissbrauch,

Grausamkeiten im Namen Gottes

und unendlich viel Nichtverstehen –

so viel, dass man oft Mühe hat,

das Gute dazwischen noch

wahrzunehmen.

 

Und wir – ich: ein Teil davon,

im Auf und Ab von Gelingen

und Versagen, von guten und

unguten Regungen, Worten,

Taten, von Glauben und Zweifeln,

von Angst und Hoffnung.

 

Kann ich mich da so einfach

auf einen Zeitpunkt in vielleicht

unendlich ferner Zukunft einstellen,

an dem alles gut sein wird –

für die Klugen, Weitsichtigen,

während die anderen

im Dunkel bleiben?

 

Woher nehme ich die

Zuversicht, mich zu den Ersteren

zu zählen? Und kann eine Zukunft

überhaupt gut sein, von der so viele

ausgeschlossen bleiben?

 

Es fällt mir nicht leicht

über meinen Ärger über diesen

Text heute hinwegzukommen.

Die Einteilung in Kluge und Törichte

ärgert mich. Es ärgert mich, dass

der Egoismus der „Klugen“, die

ihr Öl nicht mit den anderen teilen

und zudem mit der Unpünktlichkeit

des Bräutigams rechnen,

belohnt wird.

 

Nicht zu reden von dem

Bräutigam! Was für eine Zumutung,

die Leute bis Mitternacht warten

zu lassen und dann die Türen

hinter sich zu verschließen.

 

„Mit dem Himmelreich

wird es sein wie …“

Das bezieht sich nicht auf

die Jungfrauen als solche.

Es bezieht sich auf das

ganze Geschehen.

 

Die Hochzeit ist die endgültige

Erfüllung der Verheißungen

Gottes am Weltende,

das Gottesreich.

Der Bräutigam ist Gott –

eventuell Jesus Christus.

Aber das macht die

Sache auch nicht besser,

im Gegenteil.

Wer hat schon immer

und zu allen Zeiten

sein Öl bereit?

Irgendwann einmal

wäre ja auch das der Klugen

ausgegangen.

 

Und was für eine unbarmherzige

Härte des Bräutigams, bei dem

es zum endgültigen Ausschluss führt,

wenn man auf seine Pünktlichkeit

vertraut. Da kann einem schon

bange werden.

 

Mal ehrlich:

Was sollen wir heute mit

einer solchen Geschichte

anfangen?

Ist für uns Menschen,

im Abstand von mehr

als 2000 Jahren, das Vorbereitetsein

auf die Wiederkunft Christi

der Prüfstein, an dem

wir gemessen werden?

 

„Heute ist nicht damals!“

sagt Silja Walter.

 

„Mit dem Himmelreich

wird es sein wie mit zehn

Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen

und dem Bräutigam entgegengingen.“

 

Die einen meinen, sein Kommen

schon im Sack zu haben. Wenn

sie ihm entgegengehen dort und dann,

wo und wann sie ihn erwarten,

hat er auch zu kommen.

 

Wir wissen ja immer recht

gut, wo, wann und was Gott

zu tun hätte:

Mein Leiden heilen.

Den Kindern der Nachbarin

die Mutter erhalten.

Kriege abwehren,

möglichst schnell.

Wie vielen löscht das

Glaubenslämpchen aus,

wenn nichts von alldem

geschieht?

 

Andere wissen, dass man

selber auch etwas dabei

zu tun hat – nicht nur warten.

Aber vor allem: Lämpchen brennend

erhalten – Glaube, Hoffnung, Liebe

verbreiten und darin schon ein

wenig Hochzeit feiern.

 

Auch das kennen wir,

und dass wir manchmal nicht

genug haben, um an andere

weiterzugeben.

 

Auch dass wir bisweilen schlafen,

gehört dazu, und geweckt

werden müssen – durch den

Fanfarenstoß eines Unglücks

vielleicht, eines Notschreis

oder auch mit dem Freudenschrei

über ein Ereignis, in dem wir

Gottes Kommen spüren.

 

Wie vielen löscht

das Glaubenslämpchen

aus, wenn von alldem nichts

geschieht?

 

Die Botschaft hinter der

Geschichte ist die:

 

Gott ist im Kommen – in Jesus Christus,

ins Dunkel der Zeit hinein, in eine Welt

voll Leiden und Bosheit, und hat sie

selber ausgekostet bis ins letzte.

Gott hat sich in die Hände der

Menschen begeben. Ihnen aber

war der Bräutigam im Wege,

denn sie wollten ein anderes

Fest.

 

Aber Gott hat die Menschen

nicht in Böse und Gute geschieden,

auch nicht in Kluge und Törichte.

Er hat den Menschen auf seine

dunklen und hellen Seiten

angesprochen und ihnen

gezeigt, wo das Öl für die

Lampe des Glaubens und der

Liebe zu holen ist, an einer

Quelle ohne Ende.

 

Er selber ist gekommen,

um das Feuer auf die Erde

zu bringen, das Feuer

seines Geistes.

Wo er ist, da ist Licht,

ist Gottes Reich. Darum ist

das einzig Wesentliche,

bei ihm zu sein,

zu bleiben.

 

In einem Gebet heißt es:

 

„Ich weiß nicht, mein Gott,

ob ich klug bin oder töricht,

ob ich genug Öl habe im Krug

oder zu wenig.

Oft weiß ich nicht einmal,

ob ich wache oder schlafe vor Dir.

Aber ich weiß, was Dunkelheit

ist und was Licht.

Und ich weiß, dass ich

das Licht will,

dich selber, Jesus,

Licht der Welt.“

Mir scheint, die Pointe

der Geschichte liegt gar nicht

so sehr beim Öl, das ausgeht.

Sie besteht darin, dass die

fünf Jungfrauen nicht da sind,

wenn der Bräutigam kommt.

In der Angst, mit leeren

Lampen dazustehen, laufen sie

zum Krämer, um noch schnell

aufzuholen, was sie versäumt haben,

ihren Fehler also zu verwischen.

 

Ist es von mir zu spekulativ

gedacht, wenn ich annehme,

sie wären auch so eingelassen

worden?

 

Beim Eintritt ins Haus wurden

ja die Lampen ohnehin gelöscht.

Wenn wir vor jener letzten

Tür stehen, hinter der das Fest

Gottes stattfindet, stehen wir

ohnehin mit leeren Händen da.

Niemand von uns weiß,

in welcher Phase unseres

Lebens es uns treffen wird –

ob die Lampe des Glaubens

dann brennt oder flackert

oder am Verlöschen ist.

 

Wir wissen nur das eine,

dass wir dorthinein nichts

zu bringen haben. Das Licht,

das wir pflegen, ist für die

Dunkelheit der Welt bestimmt.

Hier kann es immer wieder ein

Abglanz des ewigen Lichtes

sein, indem wir das unsrige

nicht mehr brauchen werden,

indem wir selber leuchten

im Widerschein der Liebe

Gottes.

 

 

Dieser Liebe können

wir gewiss sein.

Denn der Bräutigam,

der in die Welt gekommen ist,

weiß um die Nacht und

um unsere Nachtseiten.

Er hat uns versprochen,

dass niemand hinausgestoßen

wird, der ihm vertraut.

Wer ihm vertraut und auf

seine Liebe baut, den wird

er dort kennen und sich

ihm zu erkennen geben.

 

Wenn uns Glauben und Liebe

abhandenkommt, und unser

Leben dunkel und kalt wird:

Gib uns dein Licht, Jesus.

Wenn wir am liebsten über

alles Elend der Welt

hinwegschlafen möchten,

ruf uns zu deinem Fest, Jesus.

Wenn unsere Glaubenskraft nicht

ausreicht, um unsere leidende

Schwester und leidenden Bruder

zu trösten, gib uns deinen Geist,

Jesus.

 

Vielleicht hat sich ja mein

Ärger über diesen Text heute

gelohnt. Es lohnt sich immer,

um einen Text zu ringen,

bis man zum grenzenlosen

Erbarmen Gottes vorstößt.

 

Wir danken dir, Gott, für

dein Kommen zu unserer

Freude.

 

 

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Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

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0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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