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Eine ganz persönliche Frage

Mt 16,13-20

„Ihr aber,

für wen haltet ihr mich?“

 

Die These ist die:

Auf die Frage Jesu gibt

es keine endgültige und für

alle verbindliche Antwort,

weil es sich um eine Beziehungsfrage

handelt und mein ganz persönliches

Verhältnis zu Jesus hinterfragt.

 

Es geht also nicht um

eine historische Frage und Antworten

wie wir sie überall nachlesen können.

Es geht um eine höchst persönliche

Frage, die im letzten eine Frage

nach mir selber ist:

 

Wer bin ich?

Was macht mich aus?

Wo stehe ich?

Was sind die meine eigene

Existenz betreffenden

Herausforderungen, Fragen

und Sorgen und Bedingungen?

 

Und darauf will Jesus

hinaus: Dass ich mich selber

hinterfrage und in meiner

Existenz anfragen lassen

und auf diesem Weg

zu der Antwort finde,

wer er für mich in diesem

Augenblick ist.

 

Die Antworten die der

Evangelist in den Mund

des Jüngers legt,

sind nicht falsch:

Jesus ist der Messias.

Der Sohn des lebendigen

Gottes.

 

Doch sind diese Antworten

auch meine ganz persönlichen

Antworten? Betreffen sie mich

höchst persönlich in meinem

Inneren? Bewegen sie mich?

Rühren sie mich an? Bringen

sie etwas in Bewegung in mir?

 

Vor allem: Intensiveren und

verdichten sie die eigene

Beziehung zu Jesus Christus?

Denn allem vorweg geht

es ja darum: Eine ganz eigene,

tragende und verlässliche

Beziehung zu ihm entstehen

zu lassen.

 

„Ihr aber,

für wen haltet ihr mich?“

 

Diese Frage ist eine zeitlose

Frage und zieht sich durch die

Jahrhunderte.

Unser Denken in Bezug auf

Jesus und die Art und Weise,

wie wir auf seine Frage antworten

ist kulturell gefärbt und immer

persönlich geprägt.

 

Der Jesus, den wir heute

in unserer Vorstellung, in unserer

Welt lebendig werden lassen,

ist eine völlig andere Realität,

als jener aus einfachen Verhältnissen

stammende Jude aus Galiläa,

der während der Herrschaft

des römischen Kaisers Augustus

geboren und auf Befehl des

Pontius Pilatus auf einem kleinen

Hügel außerhalb der Stadtmauern

Jerusalems gekreuzigt wurde.

 

Im Laufe der Geschichte des

Christentums wurden unzählige

Vorstellungen über Jesus entwickelt,

um sein Wesen und seine Bedeutung

für die Welt zu beschreiben.

 

Jesus hat es immer vermieden,

sich mit Titeln und Anreden

besetzen zu lassen, die ihn

zu eng definierten.

 

Jesus scheint eindeutig gewollt

zu haben, dass die Menschen

darüber nachdenken, wer er

sei; aber nicht nur in den

überlieferten biblischen oder

theologischen Zusammenhängen,

sondern im Sinne ihrer persönlichen

Beziehung zu ihm.

 

Bevor wir selber also eine

schnelle Antwort geben, wie Petrus

es tat, sollten wir vielleicht einen

Moment still sein.

Wichtige Fragen lassen uns still

werden. Mit der Frage Jesu ist

es nicht anders.

Anstatt Antworten zu geben

oder Regeln aufzustellen, fordert

Jesus die Menschen auf, durch

eigene Erfahrungen Wissen

zu erlangen. Er lädt die Menschen

dazu ein, die Wahrheit über ihn persönlich

zu entdecken.

 

Die Wahrheit Jesu

ist nicht in einen Slogan oder

eine dogmatische Definition

oder wissenschaftliche

Formel zu bringen.

 

Laurence Freeman meint:

„Wenn wir aufhören zu fragen,

sterben wir. Wir stellen nur dann

keine Fragen mehr, wenn wir am

Leben verzweifelt sind oder wenn

uns Illusion und Stolz bezwungen

haben.“

 

Noch einmal:

Die Aussagen des

Glaubensbekenntnisses,

wie es Petrus ablegt und wie

wir es gemeinsam sprechen,

sind deshalb nicht falsch.

Doch Jesus will von uns eine

Antwort die aus dem Herzen

kommt und unser ganz

eigenes Leben betrifft.

 

„Wenn wir Jesus kühl

objektivieren, verpassen

wir unsere Verabredung

mit ihm.“

 

Erst wenn wir erkennen,

worauf Jesus mit seiner Frage

hinaus will, werden wir

begreifen, worauf er mit

uns hinaus will.

 

Helmut Gollwitzer

antwortet auf die Frage

Jesu persönlich:

 

„Er stört mich. Ich kann

mich wegen seines Dawischentretens

nicht verhalten, wie ich es zunächst wollte.

Oft genug tue ich es natürlich, leider.

Aber er überlässt mich nicht

seinen Neigungen und

Launen. Er ringt mit mir …

So gestört zu werden,

ist das Heilsamste, was

uns widerfahren kann.“

 

Dorothee Sölle sagt:

„Was er mir tut?

Ich lerne von ihm …

Ich lerne von ihm, allen Zynismus

zu überwinden. Diese Lektion

finde ich heute am schwersten –

es gibt überzeugende Gründe,

Menschen zu verachten, es gibt

großartige Gründe, mich

selber zu verachten.

Es gibt eine Versuchung,

das Leben nur teilweise,

nur ein Stück weit,

nur unter Umständen

zu bejahen.

Er beschämt mich –

meine endliche, ungeduldige,

teilweise, oberflächliche

Bejahung. Er lehrt mich

ein unendliches, revolutionäres,

nichts und niemanden auslassendes

Ja.“

 

Eine Frau, Anfang vierzig und schwer

krebskrank, sagte zu mir: Jesus

ist für mich der, der das Leid

zu Gott hin öffnet. Ich kann als Christ

leben, weil er als einziger das

Leid öffnet auf einen letzten

Sinn hin.“

 

Ich bin sicher, dass es

im Leben eines jeden von uns

Stellen der Begegnung mit Jesus

gab und gibt, wo seine Frage eine

Antwort suchte und weiterhin

sucht und fand und immer

wieder neu finden

wird.

 

Eine Antwort, die eine

Antwort des Herzens ist,

die keine Theologie, kein Dogma,

bilden kann, sondern die einzig

und allein aus der persönlichen Beziehung,

die ich selber zu Jesus

habe, kommt.

 

Eine letzte Antwort

will ich Ihnen am Ende

gerne vorstellen. Sie wurde

gegeben von Frère Roger

und in einem Gebet

zusammengefasst:

 

„Du, o Christus, forderst mich

unablässig heraus und fragst mich:

„Für wen hältst du mich?“

Du bist es, der mich liebt bis

in das Leben, das ohne Ende ist.

Du öffnest mir den Weg zum

Wagnis. Du gehst mir voraus

auf dem Weg zur Heiligkeit,

wo der das Glück findet, der liebt

bis in den Tod, und wo

das Martyrium die letzte

Antwort ist.

 

Tag für Tag wandelst du das Nein

in mir um in ein Ja. Du willst nicht

nur ein paar Brocken von mir,

sondern mein ganzes Dasein.

 

Du bist es, der Tag und Nacht

in mir betet, ohne dass ich darum

weiß. Mein Stammeln ist Gebet.

In Anruf deines Namens, Jesus,

erfüllt sich unsere Gemeinschaft.

Du bist es, der jeden Morgen

den Ring des verlorenen Sohnes,

den Ring des Festes, an

meinen Finger steckt.

Du hast mir wiederholt gesagt:

„Lebe das wenige, was du

vom Evangelium begriffen hast.

Verkünde mein Leben unter

den Menschen.

Entzünde ein Feuer auf der

Erde. Komm und folge

mir nach …“

 

Und eines Tages habe ich

begriffen: Du wollest meinen

unwiderruflichen Entschluss.“

Das, liebe Gemeinde,

ist ganz und gar eine Antwort

die aus dem Herzen kommt;

eine Antwort, die nur aus einer

ganz eigenen und persönlichen

Beziehung zu Jesus Christus

entstehen kann.

 

Ich wünsche uns allen

den Mut, unsere ganz eigene

Antwort auf Jesu Frage, für

wen wir ihn halten, geben

zu können und damit nicht

nur ihm ein Stück näher

zu kommen, sondern auch

uns selber und dabei zu

entdecken, wer wir

selber sind.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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