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Die Liebe leben

Mt 5,38-48

 

Worauf laufen Jesu

Worte hinaus? Was ist

Jesu Ansinnen und Absicht?

Wozu will er Menschen

bewegen?

 

Die Antwort liegt auf

der Hand. Sie sticht geradezu

ins Auge und will das Herz

des Menschen erreichen:

 

Dass Menschen

zueinander gut sind.

Dass sie einander annehmen

und respektieren.

Dass sie Verzeihung schenken,

sich wertschätzend und

wohlwollend begegnen.

Dass sie immer mehr das Einende

in den Blick nehmen, statt das,

was sie vom anderen Menschen

trennt.

Dass Menschen einander zutrauen,

dass in jedem ein guter Kern

zu finden ist, der nicht die

Zerstörung will, sondern das

Wohl all dessen, was ist und lebt.

Schließlich, dass in allem,

was der Mensch an Guten

tut, Gott selber Lob und

Ehre erfährt, denn kein Tun

in Liebe und in der Absicht,

das Gute zu tun, ist losgelöst

von Gottes Absicht, zu begreifen,

dass ein Mensch Leben

und Frieden haben soll.

 

Jesu Worte und die mit

ihnen ausgedrückten Absichten,

sind nicht nur zentral, sie sind

auch radikal, so radikal,

dass es einem den Atem

verschlagen kann.

Ja sie gehen über alles

menschliche Maß hinaus,

übersteigen weit das,

wozu ein Mensch überhaupt

in der Lage zu sein scheint.

 

Um der Überforderung

des Menschen und den mit

Jesu Worten verbundenen Schwierigkeiten

in ihrer konkreten Umsetzung

zu entgehen, entwarfen

bereits die Kirchenväter eine

Zweistufenethik.

 

Nach Ambrosius gilt:

Böses nicht mit Bösen zu

vergelten, ist Pflicht.

Bösen mit Guten zu vergelten,

ist vollkommen.

Nach Augustinus ist es die

höchste Form des Almosens,

wenn wir denen verzeihen,

die um Vergebung bitten.

Der Mann ist realistisch genug,

um zu wissen, dass diese Tugend

der großen Menge abgeht.

Jeder Gläubige aber soll

danach streben und

darum bitten.

Thomas von Aquin meint,

dass es nötig sei, sein Herz

für die Liebe zu bereiten,

um im konkreten Fall,

wenn dies notwendig wird,

seinen Feind zu lieben.

 

Nicht nur Staaten haben

es schwer, Jesu Forderungen

in die Tat umzusetzen und

der Bergpredigt ein Gesicht

zu geben. Auch die Kirche

tut sich mit der Verwirklichung

der Liebe schwer und scheitern

bis heute an ihr immer wieder.

 

Wie hat sich die Christenheit

verhalten in Juden und Ketzerverfolgungen,

in Kreuzzügen und Glaubenskriegen?

Wie ist die Kirche mit ihren Gegnern umgegangen

in der Polemik und Kontroverse, die sehr

oft alles andere als objektiv und fair

waren? Auch viele Kriegspredigten

machen einen makabren Eindruck.

Wie ist ihr Umgang mit Randgruppen

der Gesellschaft und des sozialen

Lebens und auch mit Menschen

in ihren eigenen Reihen?

 

Ideal und Realität liegen aber auch

beim einzelnen Menschen oftmals

sehr weit auseinander.

Fragen stellen sich nicht

nur im Hinblick auf Krieg und Frieden.

Sie stellen sich auch in Bezug auf

den unfreundlichen Nachbarn,

den Konkurrenten im Beruf,

in der Wirtschaft, in der Politik,

den anderen Christen  in der Kirchenbank,

ein paar Reihen vor mir

oder hinter mir.

 

Der Schriftsteller Herman Coenen

richtet sein Wort in solche Momente

hinein, in denen der Mensch

dem Anspruch des Evangeliums

nicht mehr nachkommen kann:

 

„Keiner hier ist so wie er sollte,

so, wie er wollte, so, wie er könnte.

Keiner hier ist so, wie er sollte.

Wir haben alle versagt.

 

Wenn das Hauptgebot Liebe

heißt zueinander und zu Dir,

mein Gott, dann ist das vor allem die Schuld,

wenn die Liebe fehlt …

 

Keiner hier ist so, wie er sollte …

 

Wenn das Ziel eine Erde ist,

wo Menschen alle Brüder und Schwestern

sind, dann ist das unsere wichtigste Pflicht,

dass die Liebe wächst.

 

Keiner hier ist so, wie er sollte …

 

Wenn uns Jesus so sehr imponiert,

weil Er nicht nur an sich selber denkt,

dann ist Er der Maßstab für uns,

denn ist Er der Weg.

 

„Keiner hier ist so wie er sollte,

so, wie er wollte, so, wie er könnte.

Keiner hier ist so, wie er sollte.

Wir haben alle versagt.

 

Ich frage mich, ob Jesu Absichten

tatsächlich anwendbar sind und

brauchbar? Sind sie nicht utopisch?

Wie soll eine Mutter den

Mörder ihres Kindes lieben?

Kann sie ihm verzeihen?

Wohin kämen wir, wenn wir

dem Bösen keinen Widerstand

entgegensetzten, wenn wir

verziehen, statt Gerechtigkeit

einzufordern?

Würde dadurch nicht derjenige,

der Unrecht getan hat, belohnt?

 

Hierzu gibt es aber auch

die Gegenfrage: Wohin kämen wir,

wenn es kein Verzeihen und

keine Vergebung gäbe und wenn

wir jedes uns angetane Unrecht durch

neues Unrecht vergelten würden –

Auge um Auge, Zahn um Zahn?

 

So sehr Barmherzigkeit und

Vergebung und Verzeihen nahezu

übermenschliche Akte sind,

sie sind doch auch höchst vernünftige

Akte.

 

Nur wenn Menschen

sich über alte Gräben hinweg neu

die Hände reichen, um Vergebung

bitten und Vergebung gewähren,

können blutige und traumatische

Konflikte bearbeitet werden,

Heilungsprozesse geschehen

und die Spirale von Gewalt

und Gegengewalt, so wie der

Teufelskreis von Schuld und Rache

durchbrochen werden.

 

Denken Sie an die

jüdisch- christliche,

deutsch-israelische,

deutsch-französische oder

die deutsch-polnische Aussöhnung

nach dem zweiten Weltkrieg.

 

Als Schüler kam ich

in einen deutsch-französischen

Kinderaustausch. Zwei Wochen

sollte ich in Amiens bei einer

Familie Ferien machen und

dabei meine Französischkenntnisse

verbessern, sowie Land und

Leute kennenlernen.

 

Der Großvater meines

Austauschfreundes, war im

Zweiten Weltkrieg in einem

deutschen Arbeitslager

gefangenen gewesen und hatte

unter den Deutschen sehr

zu leiden. Krank kam er

nach Hause. Er erholt sich

nie wirklich von dieser Krankheit.

Bevor ich als Austauschschüler

vermittelt werden konnte,

bedurfte es der Zustimmung

des Großvaters. Schließlich

sollten wir uns jeden Tag

der Ferien bei den Großeltern

zum Mittagessen einfinden.

Wir saßen dann auch jeden

Tag zusammen an einem Tisch.

Der Großvater meines Freundes

meinte: „Der Krieg ist zu Ende.

Es geht jetzt darum wieder

zusammenzufinden, das sind

wir unseren Kindern und Enkeln

schuldig.“

Seine Frau lernte eifrig mit mir

die fremde Sprache.

Zusammen spielten wir

am Abend Scrabble.

Er teilte mit mir die Früchte

seines Gartens beim Mittagessen.

In seiner "Ente" fuhren wir mit ihm

ans Meer, kauften Crevetten

und aßen diese aus der Tüte

im engen Auto, weil es draußen

nur so schüttete.

Mein Studium sollte mich

viele Jahre später wieder nach Frankreich

führen. Seit mehr als 30 Jahren verbindet

mich eine tiefe Freundschaft

mit diesem Land und

ihren Menschen.

 

Papst Franziskus schreibt

in Amoris Laetitia:

„Die Liebe besteht aus Tausenden

von realen und konkreten Gesten.

In dieser Mannigfaltigkeit von Gaben

und Begegnungen, die das innige

Miteinander reifen lassen,

hat Gott seine Wohnung.“

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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