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Plädoyer für eine zärtliche Kirche

Predigt im Rahmen der Fastenpredigten       in Herxheim bei Landau

 

 

Da ziehen sie hin.

Zu zweit, mit dem Auftrag

in der Tasche:

Menschen ins

Leben zurückzuholen;

Menschen von allem zu befreien,

was sie unfrei macht;

Menschen das Evangelium Gottes

zu verkünden.

 

Nichts haben sie bei sich

auf ihrem Weg:

kein Brot,

keine Vorratstasche,

kein Geld,

kein zweites Hemd.

Außer - sich selbst und

die ganz eigenen Erfahrungen

ihres Lebens und Gottes

mitten darin.

 

Die Erfahrung der eigenen Suche

nach Sinn und Orientierung,

Die Erfahrung der eigenen Sehnsucht

nach Leben und Erfüllung.

Die Erfahrung der eigenen Grenzen

und Unzulänglichkeiten.

Die Erfahrung der eigenen Schuld.

Die Erfahrung der eigenen Bemühungen

um das Gute.

Die Erfahrung des eigenen Scheiterns.

Die Erfahrung Gottes mitten im eigenen Leben.

Die Erfahrung des eigenen Wunsches nach Liebe.

und des Verlangens nach Annahme.

Die Erfahrung, was das Leben

eines Menschen ausmacht.

 

Braucht es mehr?

Braucht es mehr, um sich

in andere Menschen

hineinfühlen

und mit ihnen empfinden

zu können?

Braucht es mehr,

um sich mit ihnen

gemeinsam auf die Suche

zu begeben, nach all dem,

was Leben sein kann,

was dem Leben Halt zu geben

vermag?

Braucht es mehr,

um dabei Gott auf die Spur

zu kommen?

 

Nein, denn darauf käme

es an, wenn es darum geht,

sich auf den Weg zu machen,

hin zu den anderen

und glaubwürdige, authentische,

empathische Zeugen für das

Evangelium Gottes

zu sein:

 

In der Nachfolge Jesu

sind wir angehalten dieser Welt

und ihren Menschen entgegenzutreten,

als die, die wir sind,

mit dem, was uns ausmacht

und mit einer Botschaft für

die Welt und die Menschen

in unserer Tasche,

die es wahrlich in sich hat.

Mit mehr nicht,

aber auch nicht mit weniger.

 

Alles andere geschieht

dann wie von selbst.

Bleibt von Gott gegeben,

der das Gute vollendet,

das wir in seinem Namen

beginnen.

 

Da ziehen sie hin.

Mit nichts mit auf ihrem Weg.

Außer sich selbst. Das muss

reichen. Das wird reichen.

 

Papst Franziskus hat ein

Jahr der Barmherzigkeit ausrufen.

Ein heiliges Jahr. Ein Jahr, das Maßstäbe

setzen soll. Dafür steht

sein Auftrag:

 

„…dass wir auf alle Menschen

zugehen und ihnen die Güte

und Zärtlichkeit Gottes bringen!“

 

„Gottes Barmherzigkeit

ist keine abstrakte Idee, sondern

eine konkrete Wirklichkeit,

durch die er seine Liebe als die Liebe

eines Vaters und einer Mutter

offenbart, denen ihr Kind zutiefst

am Herzen liegt“,

meint Franziskus

und ruft die Menschen zur

Verantwortung,

denn:

„Barmherzigkeit

sei nicht nur eine Eigenschaft des

Handelns Gottes, sie wird vielmehr

auch zum Kriterium, an dem man

erkennt, wer wirklich seine

Kinder sind.“

 

„Der Tragebalken,

der das Leben

der Kirche stützt,

ist die Barmherzigkeit“,

meint Franziskus.

Das hat Konsequenzen

für jeden von uns.

 

Zärtlich sollten wir uns an die

Menschen wenden. Liebevoll,

mit dem Blick des Herzens sollen

wir die anderen ansehen.

Kann es sein,

dass wir es für lange Zeit vergessen

haben, diesen Weg zu gehen?

Als Kirche,

als Gemeinde,

als Einzelne.

 

„Da liebt ein Mann eine Frau.

So was gibt es, das kommt vor.

Aber das, was es gibt, darf nicht sein.

Denn die Frau ist geschieden.

Sie hat keine Wünsche zu haben.

Höchstens platonisch.

Die Kirche verbietet.

Doch der Mann ist ein Mann

und die Frau eine Frau.

Und sie möchten sich lieben

und tun es.

Doch die Kirche verbietet.

Sie hat ein Gesetz.

Nur Gott hat ein Herz.

 

Da liebt eine Frau einen Mann.

So was gibt es. Das kommt vor.

Aber das, was es gibt, darf nicht sein.

Denn der Mann ist ein Priester.

Er hat keine Wünsche zu haben.

Höchstens platonisch.

Die Kirche verbietet.

Doch der Mann ist ein Mann

und die Frau eine Frau.

Und sie möchten sich lieben und tun es.

Doch die Kirche verbietet.

Sie hat ein Gesetz.

Nur Gott hat ein Herz.

 

Da liebt ein Mann einen Mann.

So was gibt es. Das kommt vor.

Aber das, was es gibt, darf nicht sein.

Denn der Mann fühlt anders.

Er hat keine Wünsche zu haben.

Höchstens platonisch.

Die Kirche verbietet.

Doch der Mann ist ein Mann

und der andere auch.

Und sie möchten sich lieben und tun es.

Doch die Kirche verbietet.

Sie hat ein Gesetz.

Nur Gott hat ein Herz.“ (H. Coenen)

 

Franziskus meint:

„Wer bin ich schon, dass

ich richte?“ und setzt in Bezug

auf diese Themen ganz neue

Akzente, die die vermeintlich

Frommen auf die Barrikaden

bringt und zu einem

heftigen Widerstand herausfordert.

Doch eine Kirche, die nicht

das Handeln Gottes erfahrbar

macht, schafft sich selber

ab.

 

Erlauben Sie mir

die Zwischenfrage:

Wenn wir wirklich

Gottes Abbilder sind, und

das halten wir Christen

für möglich, davon sind

wir überzeugt, das glauben wir,

welches Bild

machen sich dann

andere Menschen

von Gott?

 

Noch einmal direkter

angefragt:

Wenn ich ein Abbild

Gottes bin, welches

Bild haben andere Menschen

demnach von Gott?

 

Und schließlich in Bezug

auf die heilige, katholische Kirche:

Wenn die Kirche Grundsakrament

der Nähe und Liebe Gottes ist,

welches Bild haben dann

Menschen von Gott?

 

Es ist Zeit,

zum Wesentlichen

zurückzukehren.

Unsere Sprache und unsere

Gesten müssen Barmherzigkeit

vermitteln und so die Herzen

der Menschen wieder

erreichen und herausfordern.

 

„Die Kirche lebt

ein authentisches

Leben, wenn sie das Erbarmen

bekennt und verkündet“,

sagt Franziskus,

„die erste Wahrheit

der Kirche ist die Liebe.“

 

Jesus selber gibt hierzu die einzelnen

Schritte vor, die es zu gehen gilt:

 

  • Richtet nicht,

    dann werdet auch ihr nicht

    gerichtet werden.

  • Verurteilt nicht,

    dann werdet auch ihr nicht

    verurteilt werden.

  • Erlasst einander die Schuld,

    dann wird auch euch die Schuld

    erlassen werden.

  • Gebt, dann wird euch

    gegeben werden.

 

 „Am Abend unseres Lebens

werden wir nach der Liebe

gerichtet“, sagt Johannes

vom Kreuz.

Die über alles endscheidende

Frage, wird die Frage nach

der Liebe sein.

 

„Sag, hast du jemals,

ein einziges Mal wenigstens

in deinen fünfzig Jahren

wirklich geliebt:

die Mutter oder einen Teddybär,

ein Pony, ein Meerschweinchen,

deinen Opa, eine Frau, einen Mann?

 

Ich meine nicht:

ob du gehangen hast an …

ob du gern gespielt hast mit …

ob du verliebt warst in …

ob du dir Sorgen machtest um …

ob du süchtig warst nach …

ob du geschlafen hast mit …

ob du abhängig warst von …

 

Versteh mich recht. Ich meine,

ob du wirklich geliebt hast?

Wenigstens ein einziges Mal?

 

Wenn es je so etwas geben sollte

wie ein „Jüngstes Gericht“,

es wäre ja möglich, dass dies

die entscheidende,

einzige Frage ist,

die dir gestellt wird.

Die Frage nach der Liebe.“ (H. Coenen)

 

„Haben wir jemals, wirklich

geliebt“?

 

Paul Michael Zulehner,

Wiener Patoraltheologe, meint

in diesem Zusammenhang:

„Auf den Prüfstand gehört, was

Menschen im Namen Gottes tun:

allein oder in kirchlichen Gemeinschaften.

GottesPasotral ist „biophil“,

lebensförderlich,

lebensfreundlich.“

 

Echte Barmherzigkeit besteht

darin, Menschen, deren Leben

im Widerspruch zum Evangelium

steht, jedwede Hilfe anzubieten,

damit sie ihr Leben in Einklang

mit Gott bringen können.

 

Haben wir dem Hungrigen zu essen

gegeben und dem Durstigen zu trinken?

Haben wir Fremde aufgenommen

und Nackte bekleitet?

Hatten wir Zeit, um Kranke und Gefangene

zu besuchen?

Genauso werden wir gefragt,

ob wir geholfen haben,

den Zweifel zu überwinden.

Waren wir fähig die Unwissenheit

zu besiegen, in der Millionen

Menschen leben, besonders die Kinder,

denen es an notwendiger Hilfe fehlt,

die einsam und bekümmert sind?

Haben wir denen vergeben,

die uns beleidigt haben,

und jede Art von Groll und Hass

abgewehrt, die zur Gewalt führen?

Hatten wir Geduld nach dem Beispiel

Gottes, der selbst so geduldig

mit uns ist?

 

Dass ein beachtlicher Teil

der Christen, insbesondere auch

der Bischöfe bei der römischen

Bischofssynode zur Familienpastoral,

an die elementaren Werte des

Christentums erinnert und gegen

eine zersetzende Aufweichung der kirchlichen

Lehre protestiert, halte ich für

ein Signal für die Kirche von heute,

die an innerer Zerrissenheit

und Orientierungslosigkeit

leidet.

 

Es ist höchste Zeit,

dass sich die Kirche wieder

an das vollständige Gottesbild

erinnert und hält.

Tut sie es nicht, kann sie

nicht mehr Symbol Gottes sein,

sondern wird zu dessen „Diabol“ –

sie verwirrt die Menschen

über Gott. Denn sie macht

aus einem unpassenden Gott

einen ihr passenden Gott.

Sie betrügt die Menschen

um die göttliche Wahrheit,

indem sie ihnen wesentliche

Inhalte verschweigt und

vorenthält.

 

Eine dieser wesentlichen

Wahrheiten ist die:

Gott ist barmherzig.

Aus Liebe dem Menschen

zugetan, ohne Wenn und Aber,

einfach so. Wegen nichts.

Göttliche Barmherzigkeit und

Liebe sind nicht zu verdienen.

Sie bleiben Geschenk;

sie sind Gnade.

 

Da ziehen sie hin.

Zu zweit, mit dem Auftrag

in der Tasche:

Menschen ins

Leben zurückzuholen;

Menschen von allem zu befreien,

was sie unfrei macht;

Menschen das Evangelium Gottes

zu verkünden.

 

Nichts haben sie bei sich

auf ihrem Weg:

kein Brot,

keine Vorratstasche,

kein Geld,

kein zweites Hemd.

Außer - sich selbst und

die ganz eigenen Erfahrungen

ihres Lebens und Gottes

mitten darin.

 

Das muss auch uns reichen.

Mehr braucht es nicht.

Nicht wirklich.

Auch in einer Welt

voll Groll und Wut,

Gewalt und Rache,

Terror und Zerstörung,

Korruption und Intrige

nicht.

 

Franziskus meint:

„Barmherzigkeit ist der Weg,

der Gott und Mensch vereinigt,

denn sie öffnet das Herz für

die Hoffnung, dass wir trotz

unserer Begrenztheit aufgrund

unserer Schuld,

für immer geliebt sind.“

 

Braucht es mehr

für unseren Weg heute,

den Weg zu den Menschen?

 

Nicht wirklich.

Außer, den Mut, sich

endlich auf den Weg zu

machen.

Zu zweit.

Zu dritt.

Als Gemeinde.

Als Kirche.

 

Es ist Zeit, den Sinn

des Auftrags wieder zu entdecken,

den Gott seiner Kirche anvertraut

hat: Zeichen und Werkzeug

der Barmherzigkeit zu sein.

 

Franziskus meint:

„Es ist eine gute Zeit,

um die Wunden zu heilen,

um nicht müde zu werden, denen

zu begegnen, die darauf warten,

die Zeichen der Nähe Gottes

zu sehen und mit der Hand

zu berühren…“

 

Lassen Sie mich enden

mit einem Gedanken von

Hermann Coenen überschrieben

mit den Worten:

Menschen mit Herz

 

„Täglich bringt die Tageschau

Berichte über schlimme Dinge:

Hunger und Entführung,

Gewalt und Angst und Krieg.

Und mit jeder Schreckensnachricht

wird die Hornhaut dicker.

Wer kann das schon ändern?

Es bleibt wie es ist!“

 

Sag, wo sind noch Menschen,

die menschlich sind?

Nicht bloß Computer ohne Herz!

Menschen, die noch weinen können,

lachen können, singen können,

menschliche Menschen,

Menschen mit Herz?

 

Überall wohin ich sehe

in Betrieb und Schule,

gilt nur, wer sich durchsetzt,

was leistet, was bringt.

Alle tun, als ob der Mensch

zur Arbeit nur geboren ist.

Spür´n sie denn gar nicht,

dass da etwas fehlt?

 

Und selbst in den Kirchen

wird gemanagt und verwaltet.

Funktionäre sorgen,

dass der Service klappt.

Doch vor Zeiten gab es einen,

der Gemeinde anders sah:

Gott, der ein Herz hat,

sucht Menschen mit Herz.“

 

Es ist eine gute Zeit.

Es ist höchste Zeit.

Nutzen wir sie,

um einander zu lieben,

wie er uns geliebt hat,

um zueinander barmherzig

zu sein, wie er, Gott,

selber barmherzig mit

jedem einzelnen von

uns ist:

mit Dir, mit mir,

mit jedem von uns.

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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