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Hoffen ist unser Dienst

Lk 12,32-48

 

 

An einem Novembermorgen

im vergangenen Jahr werde

ich von meinem Radiowecker

aus dem Schlaf geweckt.

 

Es ist 7.00 Uhr. Nachrichtenzeit.

Im Mittelpunkt der Berichterstattung

steht der nächtliche Terroranschlag

in Paris, dem mehr als 130 Zivilisten

zum Opfer gefallen sind.

 

Erinnern wir uns:

Nicht nur Frankreich

ist sprachlos und verstört

angesichts dieser Grausamkeit.

Mit Paris hält die ganze Welt

den Atem an und zeigt sich

solidarisch mit den Opfern,

mit dem französischen Volk.

 

Jeden könnte es treffen.

Welches Land, welche Stadt

ist das nächste Opfer von Terroristen

des sogenannten „Islamischen Staates“?

 

Die Welt ist betroffen.

Die Menschen weinen.

Sie fühlen sich ohnmächtig

und ausgeliefert.

 

Das alles ist jetzt nicht

ganz ein Jahr her.

Und der Wahnsinn hat nicht

aufgehört, sich weiter Bahn

zu brechen:

 

Ankara, Istanbul und Brüssel.

In Frankreich wird ein

Lastwagen zur Terrorwaffe.

Nahe Würzburg

geht ein junger Afghane

mit einer Axt auf Reisende

los.

In München versetzt

ein Amok laufender Jugendlicher

die ganze Stadt in Angst und

Schrecken.

In Ansbach zündet

ein junger Mann einen Sprengsatz

am Eingang eines Musikfestivals.

In der Türkei ist der Staatspräsident

dabei, das Gemeinwesen zu

zerlegen und das Land,

das gerade noch EU-Kandidat war,

in eine Diktatur zu stürzen.

 

Keines dieser Ereignisse

geht mir aus dem Kopf.

Und ich frage mich, gerade

auch mit dem Blick auf das

eben gehörte Evangelium:

Hält Jesu Wort wirklich,
was es verspricht?

 

„Fürchte dich nicht …“,

heißt es da.

 

Mein Erleben ist ein anderes:

Menschen haben Angst.

Ihre Angst wandelt sich in Frucht,

denn sie hat einen Namen:

IS, Islamischer Staat, Terror,

Krieg, Vernichtung, Tod.

 

Gott selber habe beschlossen,

uns „das Reich zu geben“,

sagt das Evangelium.

 

Wir wissen, wovon die Rede ist:

von einem Reich der Gerechtigkeit

und des Friedens.

Doch das scheint in

diesen Augenblicken sehr fern

und noch weiter von uns

weggerückt zu sein.

 

Gerechtigkeit? Frieden?

Weit gefehlt! Es gibt keine

Gerechtigkeit für die Entrechteten

dieser Erde!

Es gibt keinen Frieden für die,

die in Unfrieden leben müssen.

 

„Wer glaubt,

hat keine Angst“,

sagt man. Unsinn!

Vollkommener Unsinn!

Dann gilt schon eher,

was Papst Benedikt

einmal ins Wort bringt:

„Wer glaubt,

ist nie allein!“

 

Christen dürfen sich ihre Angst

eingestehen – genauso wie all jene,

die von sich behaupten,

nicht gläubig zu sein.

Nur: Christen haben einen Ort,

an den sie sich mit all ihrer Angst

hinbegeben können.

Im Schatten des Kreuzes finden

sie ihren Platz mit all ihren Ängsten,

Sorgen, Zweifeln und Befürchtungen.

 

Die Einladung Jesu steht,

unverrückbar und an jeden

Menschen gerichtet:

„Kommt alle zu mir …“

 

Nein, das nimmt uns

nicht die Angst,

aber das hilft uns,

mit ihr zu leben.

Es ist das Wissen,

dass diese Angst

nicht endgültig Macht

über uns haben wird

und wir ihr erliegen

werden.

 

Zudem:

Jesus nimmt uns sehr

ernst mit dem, was uns Angst

und Furcht bereitet:

„In der Welt seid ihr

in Bedrängnis; aber habt Mut:

Ich habe die Welt besiegt.“ (Joh 16,33)

 

Lothar Zenetti hat

auf das Phänomen

der Angst und Unsicherheit seine

ganz eigene Antwort gefunden.

In seinem „Credo“ bekennt er:

 

„Ich kann nicht denken,

dass die Welt, in der wir leben,

das Produkt blinder Zufälle ist.

Ich erkenne,

dass es Gesetze und Strukturen gibt,

Höherentwicklung und Zielstrebigkeit

über die Jahrtausende hin.

Einen tiefen Sinn in allem

und ein Ziel,

auf das alles zugeht.

Ich will glauben,

dass dieses Geheimnis aller Welt,

das auch mich hervorbrachte,

das mich birgt,

ein Angesicht hat,

dass es um mich weiß und mich liebt,

dass ich nicht austauschbar bin,

dass ich nicht verloren sein werde.

Ich glaube an Gott,

den allmächtigen Vater.“

 

Diese Worte sind wie

eine Lampe in unseren

Dunkelheiten, die wir

am Brennen erhalten sollten,

damit wir den Weg und das Ziel

nicht aus dem Auge verlieren.

Eine Lampe, die wir auch anderen

hinhalten dürfen, die im Dunkeln sind

und keinen Ausweg mehr

erkennen können.

 

Der Sieg Jesu über

die Stunden der Angst

und über alle Anlässe

menschlichen Lebens,

die uns in Furcht und Schrecken

versetzen, und das Ziel,

das uns gesetzt ist,

geben den Augenblicken der Angst

eine gewisse Vorläufigkeit

und grenzen sie zeitlich

ein.

 

Denn am Ende von allem

steht die große Vision:

„Er (Jesus) wird sich gürten,

sie am Tisch Platz nehmen lassen

und sie der Reihe nach bedienen.“

 

Ich höre das Fragen

der Menschen:

„Wann?“

Und ich höre ihren Einwand:

„Wann, wenn nicht jetzt?“

 

Diese Frage steht

unbeantwortet

im Raum.

Sie findet keine Antwort.

Schon seit 2.000 Jahren

nicht.

 

Die Herausforderung

beginnt da, wo viele

das Hoffen aufgeben.

Damit stehen wir alle

vor der Herausforderung,

die sich mit der Frage verbindet:

Wollen wir weiterhin mit Jesu Kommen

in unser Leben und in unsere Welt rechnen?

Mit seinem Kommen auch überall dorthin,

wo diese Welt und die Menschen

buchstäblich ein Schattendasein

fristen?

 

„Und kommt er auch

in der zweiten

oder dritten Nachtwache und

findet sie wach – selig sind sie.“

 

Das Warten kann zermürbend sein.

Viele haben das Warten aufgegeben.

Sie erwarten schon lange nichts mehr.

Nichts von anderen. Nichts von Gott.

Sie haben schon zu lange gewartet.

 

Es ist zu begreifen.

Es ist zu verstehen.

Doch ist es nicht ein

himmelweiter Unterschied,

ob mich das Hoffen auf das Kommen Jesu

in meinem Leben stärkt oder nicht?

 

Ich halte es mit Rabbi Hillel,

einem Zeitgenossen Jesu,

dem die Worte

zugeschrieben werden:

 

„Wenn ich nicht hoffe – wer dann?

Wenn ich nur für mich hoffe – wer bin ich?

Wann sonst – wenn nicht jetzt?“

 

Basil Hume, Benediktiner und

langjähriger Erzbischof von Westminster,

verbindet unser eigenes Hoffen

mit einem Auftrag:

 

„Eine wichtige Aufgabe

wartet auf uns in dieser Zeit:

Es geht darum, einer Welt,

in der weithin Ernüchterung herrscht,

Hoffnung zu geben;

unseren Zeitgenossen zu zeigen,

dass Gottes Wort und Sakramente

ein Ort sind, wo sie vom Göttlichen

berührt werden und

neuen Mut finden.“

 

Gott lässt unser Hoffen

nicht ins Leere laufen.

Unsere Ängste und Unsicherheiten,

sie werden ein Ende finden.

Hoffen wir miteinander an gegen

all jene Erfahrungen in dieser Welt,

die uns daran zweifeln lassen wollen.

Hoffen ist unser Dienst

für die Welt.

 

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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