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"Glückliche Schuld"

3. Fastensonntag

 

 

Es geht um Schuld.

Es geht um Versagen.

Es geht um die Folgen

von Schuld und Versagen,

nämlich den Tod.

 

Die Worte erschrecken

mich. Sie wirken auf mich

bedrückend. Und ich versuche,

ihnen etwas Gutes und Positives

abzuringen.

 

Dabei komme ich zunächst

nicht an der Feststellung vorbei,

dass Schuld und Versagen

eine wesentliche Erfahrung

des Menschseins ist.

 

Keiner hier ist so,

wie er sollte, wie wollte,

wie er könnte. Wir alle

versagen immer wieder,

einmal mehr und einmal

weniger.

 

Wenn das Hauptgebot Liebe

heißt zueinander und zu Gott,

dann ist das vor allem die Schuld,

wenn die Liebe fehlt.

Wenn das Ziel eine Erde

ist, wo Menschen alle Brüder

sind, dann ist das unsere

wichtigste Pflicht,

dass die Liebe wächst.

Wenn Jesus uns so

sehr imponiert, weil

er nicht nur an sich selber

denkt, dann ist er der

Maßstab für uns.

dann ist er der Weg.

 

Doch:

Doch keiner hier ist so,

wie er sollte, wie wollte,

wie er könnte. Wir alle

versagen immer wieder,

einmal mehr und einmal

weniger.

 

An dieser Erfahrung

zerbrechen gerade jene

Menschen, die mit der Tatsache

nicht zurechtkommen, dass

ein Leben ohne Schuld

einfach nicht möglich ist.

 

„Schuld ist ein unheimliches

Phänomen“, sagt Manfred Lütz.

 „Sie beeinträchtigt unser

Leben Tag für Tag.

Wir sind ihr ausgeliefert.

Wir verstricken uns selbst

in ihr, aber wir können

sie nicht fassen.“

 

Viele unter uns setzen

Schuld zu sehr mit Taten

und Handlungen, Gesetzen

und Verpflichtung gleich.

Für Jesus ist die Schuld

eines Menschen etwas viel

Tiefergehendes.

 

Schuld ist die Weigerung

zu wachsen.

Schuld ist

die Zurückweisung von Liebe.

Schuld ist die Weigerung

der Hingabe, des Sich-Einlassens,

des Eingehens von Risiken.

 

Wie viele Gleichnisse Jesu

verurteilen die mangelnde

Bereitschaft, zu wachsen

und ein Risiko einzugehen?

 

Schauen Sie sich das

Gleichnis von den Talenten an.

Es verdeutlicht den Unwillen,

sich wirklich auf etwas einzulassen.

Das Evangelium von heute,

von dem Baum, der keine Früchte

trägt, illustriert die Weigerung,

zu wachsen und Früchte

zu tragen.

 

So gesehen ist Schuld

viel erschreckender als die

Kleinigkeiten, die in den Katechismen

erwähnt werden -  beispielsweise

die Frage, ob ich gebetet habe

oder nicht, ob ich andächtig gewesen

bin oder nicht; ob ich genascht

habe oder nicht;

ob ich den Gottesdienst

besucht habe oder nicht.

 

Schuld betrifft etwas viel

Fundamentaleres in uns.

In seiner Schuld versagt

der Mensch sich dem Leben

und seiner Entwicklung

zu dem, der er werden

soll.

 

Er sondert sich ab

von sich, von anderen,

von Gott und dessen Absicht

mit ihm und seinem Leben.

Absondern bedeutet

sündigen.

 

Dass ich mir meiner

Schuld bewusst bin,

dass ich der eigenen Sünde

in die Augen schaue,

ist von einem großen Wert.

 

Der Philosoph Karl Jaspers

gewinnt der Sünde des Menschen

etwas sehr Positives ab:

Im Moment der Schuld, meint er,

bemerkt der Mensch, dessen Leben

vielleicht bisher nichtssagend

dahingeplätschert ist, sich vielleicht

wirklich erstmals selbst,

er bemerkt, dass er existiert,

dass er lebt, dass er ist.

 

Die Sünde hat durchaus

ihren Zweck. Gesündigt

zu haben ist ein hoher Wert. -

Hört sich ziemlich schräg an,

ist aber so.

 

„Du hast gesündigt?“

fragt der Jesuit Antoni de Mello,

„Glückwunsch! Wie viel lernst

du aus dieser Erfahrung?“

 

Ich glaube, dass dies

auch der entscheidende Punkt

an vielen Gleichnissen Jesu ist.

Nehmen wir das Gleichnis

vom verlorenen Sohn.

Dieser Glückspilz hat gesündigt

und mehr dafür bekommen.

 

Der Fehler vieler Menschen

liegt in der Überzeugung, dass

sie wirklich dem Ideal gemäß

handeln könnten,

denn dazu ist ein menschliches

Wesen nicht imstande.

Wenn jemand ein Ideal

nimmt und sich

dessen vollständige Erfüllung

aufbürdet, dann tut er

etwas ganz Schlimmes.

 

Wenn ich dagegen sage:

„Ich verstehe das Ideal,

aber ich bin noch nicht

fort angekommen“, dann kann

ich beispielsweise antworten:

„Ich mag diesen Menschen nicht,

dafür aber einen anderen“,

oder „Dir gegenüber empfinde

ich etwas, aber ich kümmere

mich nicht besonders um dich“

Das ist ehrlich.

Dann bin ich mir meiner

Schwäche bewusst

und genehmige mir,

weiterhin zu wachsen

und mich zu entwickeln.

Wenn wir das nur

begreifen könnten,

könnten wir uns entspannen

und wirklich anfangen,

unserem höchsten Ziel

nachzueifern.

 

„Mein Wille sagt mir,

ich soll alle Menschen lieben.

Ich möchte auch wirklich alle

Menschen lieben.

Aber meine momentane Lage

ist, dass ich noch nicht

alle Menschen lieben kann.

Und deshalb möchte

ich jetzt lernen,

mehr Menschen zu lieben.

Der Wille ist jedenfalls

da, denn ich könnte mich ja

auch entschließen,

mich meinen Mitmenschen

gar nicht zu nähern.

Das wäre Sünde.

 

Zudem:

Das Bewusstsein der Sünde

ist von großem Wert.

Das Bewusstsein der eigenen

Selbstsucht, der Blockaden,

Ängste und Unfruchtbarkeit

ist von einem außerordentlichen

Nutzen, weil es die Freude

mit sich bringt, Gottes Liebe

und Geduld mit uns anzunehmen,

die Herausforderung zum Wandel

und alles, was daraus folgt.

 

Die Sünde hat ihren Zweck.

Sie ist weder ein absolutes Übel

noch ein Hindernis auf dem

Weg zu Gottes Gnade, zu seiner

Liebe und Barmherzigkeit.

Im Gegenteil:

Sie soll die Liebe Gottes

zum Vorschein bringen.

 

Unser Wert ergibt sich nicht

aus dem, was wir getan

oder unterlassen haben,

sondern er ergibt sich aus

der Liebe des Vaters.

Von dort kommt unsere

ganze Erlösung.

 

Ohne Sünde würden

wir die Ekstase und die

Schrecken von Gottes Liebe

nicht erleben.

 

Warum Gott diesen Weg

gewählt hat?

Ich weiß es nicht.

Das weiß nur er allein.

Und wenn wir ihn dafür

beschimpfen wollen,

nur zu, erleichtern

wir unser Herz.

Vielleicht sehen wir danach

etwas klarer.

 

Vor allem dies:

Wir haben unsere

Schrammen und Beschädigungen,

aber grundsätzlich sind wir gut.

Gott ist in uns verliebt.

Er würde sich für uns verlieren.

Wenn Gott verrückt ist vor

Liebe zu uns, dann müssen

wir sehr liebenswert sein.

 

Wir betonen stets,

dass Gott sehr liebenswert

sei, wenn er uns so liebt.

Aber niemand hat uns bisher gesagt,

wie liebenswert wir sein müssen,

damit Gott sich so sehr in

uns verliebt. Beides ist wahr.

 

Was wir am Dringendsten

brauchen ist die Erkenntnis,

von dieser Liebe Gottes.

 

Ohne Zweifel,

obwohl so viel Gutes

aus der Sünde entstehen

kann, dürfen wir ihren

Ernst nicht außer Acht lassen.

Die Sünde ist etwas Schreckliches!

Sie behindert Leben, Liebe

und Hingabe, Wachstum

und das Einswerden mit Gott.

 

Und trotzdem sprechen wir

Christen von der felix culpa,

der glücklichen Schuld.

„O glückliche Schuld,

welch großen Erlöser

hast du gefunden!“

Ohne die Schuld Adams,

so der Gedanke, wäre

Gott nicht Mensch

geworden.

 

„Denn aus Erbarmen

mit uns sündigen Menschen,

ist er Mensch geworden,

aus Maria, der Jungfrau.

Durch sein Leiden am Kreuz

hat er uns vom ewigen Tod

befreit und durch seine

Auferstehung uns das

unvergängliche Leben

erworben“, heißt es

in einer Präfation

zum Sonntag.

 

Gott durchbricht

die Sünde des Menschen

durch Liebe.

Gott rettet, heilt,

liebt uns, wird einer von uns.

Wir können loslassen

und uns selber in unserer

Hässlichkeit und in unser

ganzen Schuld anschauen –

in dem Wissen, dass Gott

uns liebt, dass er verzeiht

und unser Werden

und Wachsen geduldig

begleitet.

 

Bis zu der Zeit,

da unser eigener

kleiner Lebensbaum

seine Früchte hervorbringt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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