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Den besseren Teil wählen

Lk 10,38-42

 

 

Maria hat den besseren

Teil erwählt. Wirklich?

Sind nicht beide Teile

dem Menschen wesentlich

zu eigen?

 

Der Mensch ist

ein höchst aktives

und kreatives Wesen.

Er schafft.

Er wirkt.

Er produziert.

Er stellt her.

 

Diesen Wesensteil

vom Menschen abzutrennen,

würde ihn zerstören, seelisch

verarmen lassen.

 

Nicht mehr aktiv sein zu können;

Dinge nicht mehr bewegen zu können;

keine Verantwortung mehr inne zu haben;

lässt den Menschen verkümmern.

Der Mensch braucht eine Aufgabe.

 

Insbesondere Menschen, die

sich aus dem aktiven und beruflichen

Abschnitt ihres Lebens zurückziehen

bekommen dies zu spüren.

Sie suchen sich ganz schnell

wieder einen Ausgleich zu dem,

was ihnen dann fehlt.

 

Manche Menschen im

sogenannten Ruhestand sind

unruhiger als je zuvor.

Überfüllt mit Aufgaben.

Besetzt mit Terminen.

Verplant eben.

 

Auf der anderen Seite

braucht der Mensch

den Abstand

zum Alltäglichen; zudem,

was ihn Kräfte und

manchmal auch Nerven

kostet, ihm an die

Substanz geht.

 

Es braucht die Zeit

der Betrachtung,

des bloßen Verweilens,

der Rekreation;

die Stunden, in denen

er sich wieder selber

einholen, seiner Seele

nachkommen

kann.

 

Es hat schon seinen Grund,

warum sich so viele Menschen

auf die Ferien freuen und

das Weite suchen, einfach

nur einmal weg möchten,

raus aus den eigenen vier

Wänden.

 

So ein Tapetenwechsel

tut der Seele gut!

Sollte es, denn auffällig

viele Menschen fallen

im Urlaub wiederum der gleichen

Versuchung anheim,

wie zuvor in ihrem Alltag.

Nach wenigen Tagen schon

fangen sie wieder an zu planen

und höchst aktiv zu sein.

„Was steht heute auf

dem Programm?“

lautet die erste Frage

am Frühstückstisch.

 

Auch das bloße Nichtstun

kann Stress verursachen.

Es lässt unruhig werden.

Und ehe man wirklich zur

Ruhe finden kann, sich anfängt

zu entspannten und loszulassen,

ist der Augenblick vorbei;

die Ferien sind zu Ende.

Wirklich erholt hat

man sich nicht.

 

Maria hat den besseren

Teil erwählt. Wirklich?

Sind nicht beide Teilen

dem Menschen wesentlich

zu eigen?

 

Ja, unbedingt, ja!

Ich glaube darüber

brauchen wir uns nicht

zu streiten. Beides macht

den Menschen aus.

 

Die Frage, die sich stellt,

ist wohl eher doch diese:

Wie gelingt mir der Wechsel

von der einen zur anderen

Seite?

Wie schaffe ich es, einmal

alles stehen und liegen zu

lassen und mich ausschließlich

nur mir und meine Seele

zuzuwenden?

Wie entspanne ich?

Wie komme ich runter?

Wie gelingt mir das

Loslassen?

 

Wie bringe ich es

fertig, mich wie Maria

einmal hinzusetzen,

zuzuhören, mich auf

anderes einzulassen.

Einfach im Augenblick

da und präsent zu sein?

 

So etwas geht nicht

von jetzt auf gleich.

Wer dies zu schaffen

meint, der irrt und der

macht es sich unnötig

schwer.

 

In meinem zurückliegenden

Urlaub musste ich genau

diese Erfahrung machen.

So sehr ich mich auch

darum bemühte, ich kam

einfach nicht zur Ruhe.

Die innere Maschine,

drehte in den ersten

Tagen immer noch

im gleichen Tempo

ihre Runden wie

zuvor.

 

Das musste ich zuerst

einmal anerkennen und

zulassen. Es ist wie es ist.

Ich kann nicht von 100

auf null kommen. Nicht

einfach so. Nicht gleich.

 

Ich muss es auch nicht.

Ich darf mir Zeit lassen.

Dieses Wissen allein

wirkt schon entspannend.

Es setzt mich nicht erneutem

Leistungsdruck aus.

 

Der Übergang braucht

Zeit. Und diese Zeit darf

ich mir nehmen und

auch anderen

zugestehen.

 

Um wieder zu mir selbst

zu finden, mich zu entschleunigen,

bediene ich mich

sehr oft meines Atmens.

Ich achte auf ihn.

Ich atme bewusst langsam

ein und wieder aus.

Alles um

mich herum spielt

dann keine Rolle mehr.

 

Ich atme.

Und das ist alles,

was ich in diesem

Moment tue.

Ich achte darauf,

wo ich atme und

wie ich atme.

Ob frei oder

anstrengend,

gepresst

und eng.

 

Ich spüre, wie ich durch

das Atmen allmählich zu einer

inneren Ruhe finde.

Was mich stören will,

das atme ich weit von mir

weg, aus mir hinaus.

 

Auch das wirkt befreiend.

Das macht mich frei.

Frei für mich selber.

Frei für die Dinge,

die ich in meinem Alltag nicht mehr

wahrgenommen habe. Sehr oft

wesentliche Dinge.

 

Frei auch für Gott

und das, was er mir sagen

und zu verstehen geben

will.

 

Zudem kann ich mir

ins Bewusstsein rufen:

Ich bin da.

Einfach nur da.

In der Gegenwart Gottes,

der mich sieht, der mich

wahrnimmt, liebevoll

auf mich blickt.

Vor dem ich sein kann,

als der der ich bin.

Dem ich nichts vorzumachen

brauche, weil er mich

kennt, bis auf

meinen Seelengrund

hin vertraut ist mit mir.

Diesen Moment darf ich

auskosten. Ich darf ihn fühlen

und erspüren. Erleben wie

es mir damit geht.

 

Maria konnte dabei

alle um sich herum vergessen.

Selbst die Aufgabe, die ihr

als Frau in diesem Haushalt

zugekommen wäre. Erst recht

wenn ein Gast in diesem

Haus zu Besuch ist.

Doch:

„Maria setzte sich dem Herrn

zu Füßen und hörte seinen

Worten zu.“

 

Durchatmen.

Loslassen.

Dasein.

 

Ich glaube, wem dieser

Wechsel von der aktiven Seite

zur betrachtenden Seite

gelingt, der wird auch

wieder empfänglich werden

für die eigene innere Stimme,

die im Alltag allzu oft

überhört wird und auch

für das Wort Gottes, das sich

in ihm unaufhörlich ausspricht.

Das ihm sagt, worauf es wirklich

ankommt und was zu tun

und auch zu lassen ist.

Das ihm den Weg weist,

den er zu gehen hat,

um seiner Berufung,

seinem ganz einmaligen

Leben gerecht werden

zu können. -

Ein Wort, das ihm

Leben verheißt.

 

Solche Momente sind

nicht einfach zu machen.

Sie sind einem Menschen

geschenkt. Bleiben Gnade.

 

Ich wünsche uns allen

solche Erfahrungen,

gerade jetzt, in den

beginnenden Ferien.

 

Übrigens für solche

Erfahrungen braucht es

nicht wirklich Ferien.

Sie können auch zu

einem festen Bestandteil

des Alltags werden.

 

Sie ereignen sich auch

in einem Gottesdienst

wie diesem, heute.

Gerade hierbei sind wir

eingeladen, uns zu Füßen

Gottes zu setzen, einfach

nur da zu sein und sein

Wort auf uns wirken

zu lassen.

Mehr haben wir nicht

zu tun, aber auch nicht

weniger.

 

Wir müssen es uns nur

immer wieder einmal

erlauben, diesen vermeintlich

besseren Teil zu wählen.

 

Maria tat es.

Tun Sie es auch.

Immer wieder einmal.

Ohne ein schlechtes

Gewissen zu bekommen,

gönnen Sie sich einmal

einfach sich selbst.

 

Eine schöne Ferienzeit!

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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