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Aus und vorbei?

6. Ostersonntag

 

 

Mann schreibt das Jahr 1918.

Anfang April schellt eine atheistische

Philosophin an der Tür einer

guten Bekannten, deren Mann

gerade im Krieg gefallen war.

Als sich die Tür öffnet, ist sie

völlig überrascht.

Sie hatte eine junge verzweifelte

Witwe erwartet, aber sie traf eine

liebenswürdige, zwar trauernde,

aber doch gefasste Frau an.

Sie sei Christin, für sie sei mit

dem Tod nicht alles aus.

 

Über diesen sehr bewegenden

Moment schrieb die atheistische

Frau, sie hieß Edith Stein:

„Es war der Augenblick, in dem

mein Unglaube zusammenbrach.“

 

„Ich bin Christin. Für mich

ist nach dem Tod nicht alles

aus.“

 

Es gibt ganz unterschiedliche

Weisen auf den Tod eines Menschen

zu reagieren.

Fassungslosigkeit ist der Ausdruck,

der inzwischen zum Standartrepertoire

von Reaktionen auf Todesfälle gehört.

Nicht nur Politikern, sogar christlichen

Predigern kommt der Begriff routiniert

über die Lippen.

 

Von Mascha Kalenko stammen

folgende Verse:

Vor meinem eigenen Tod ist mir

nicht bang, nur vor dem Tode derer,

die mir nah sind. Wie soll ich leben,

wenn sie nicht mehr da sind?

 

Allein im Nebel tast ich todentlang

Und lass mich willig in das Dunkel

treiben. Das Gehen schmerzt nicht

halb so wie das Bleiben.

 

Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr;

- Und die es trugen, mögen mir vergeben.

Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,

Doch mit dem Tod der andern muss man leben.

 

Aber wie?

Die westliche Welt hat den

Versuch unternommen, sich von den

christlichen Hoffnungen angesichts

des Todes zu emanzipieren.

Das Ergebnis ist Fassungslosigkeit.

Es herrscht ein verklemmter

Umgang mit dem Tod.

Er gilt als Panne.

Wer angesichts des Todes

vom ewigen Leben reden wollte,

von Zuversicht, von Hoffnung,

gar von Glück, der würde

irritieren.

Denn:

Der Grundton angesichts

des Todes hat Verzweiflung

zu sein.

 

„Ich bin Christin. Für mich

ist nach dem Tod nicht alles

aus.“

 

Natürlich dürfen auch

Christen vom Tod betroffen sein.

Alles andere wäre unmenschlich.

Trauer und Schmerz, Wut und

Verzweiflung, das Gefühl von

Ohnmacht angesichts scheinbarer

Endlichkeit menschlichen Lebens

und des Verlassenseins, kennen

Christen auch.

Sie sollten sich diesen Gefühlen stellen.

Doch sie sollten nicht in ihnen verharren

und sich für den Rest ihres Lebens

in ihnen einrichten.

 

Denn: „… nach dem Tod

ist nicht alles aus.“

Weder für den Verstorbenen,

noch für den Hinterbliebenen.

 

Das Leben fordert weiterhin

sein Recht. Der Tote wird

es in seiner ganzen Fülle

erfahren dürfen.

Für den Hinterbliebenen

klopft es immer wieder,

unaufhaltsam an die

Tür und ruft ihn heraus

aus dem eigenen Grab

der Resignation,

der Lebensmüdigkeit,

der Trauer.

 

„Wenn ihr mich lieb hättet,

würdet ihr euch freuen,

dass ich zum Vater gehe.“

 

Freude über das Fortgehen

eines geliebten Menschen,

über seinen endgültigen Weggang?

Jesus scheint sie von seinen

Jüngern einzufordern. Sie sei

ein Zeichen dafür, dass

sie ihn wirklich lieben.

 

Die Liebe freut sich mit,

die Liebe freut sich für den

anderen, auch bei dessen Tod.

Klingt irgendwie pervers;

überfordernd.

 

Ja und zwar für all jene,

die auf den Tod eines Menschen

nur mit Fassungslosigkeit reagieren

können.

Wer mit Fassungslosigkeit

auf den Tod reagiert, der erwartet

auch nichts nach dem Tod.

 

„Wenn tatsächlich die Fassungslosigkeit

die letzte Antwort auf den Tod ist,

dann kann es kein Glück angesichts

des Todes geben“, meint Manfred

Lütz in seinem letzten Buch über

das Glück.

 

„Ich bin Christin. Für mich

ist nach dem Tod nicht alles

aus.“

 

Dass mit dem Tod

nichts alles aus und

vorbei ist, das lehrt uns

die Auferstehung Jesu.

Dass mit dem Tod

nicht alles aus und

vorbei ist, das belegen

unzählige Schriften des

Neuen Testaments.

 

Paulus schreibt:

„Wir wollen euch über

die Verstorbenen nicht in

Unkenntnis lassen, damit

ihr nicht trauert, wie die anderen,

die keine Hoffnung haben.

Wenn Jesus von den Toten

auferstanden ist, dann werden

auch wir mit ihm auferstehen.“

 

Keiner von uns weiß, was

genau nach dem Tod auf uns

zukommen wird. Woher auch!

Doch es gibt etwas tief in

unserer Seele, das weiß,

dass es weitergehen muss.

Nicht wie zuvor. Keineswegs.

Anders. Völlig anders.

Die Sehnsucht im menschlichen

Herzen malt hierzu die

unterschiedlichsten

Bilder.

 

Ein Schlüssel bedeutet für

mich das Buch der Offenbarung.

Dort heißt es, dass Gott in

der Mitte der Menschen wohnen

wird, dass es keine Trauer und

keine Mühsal mehr geben wird,

dass kein Mensch mehr Tränen

vergießen muss, dass keine

Angst mehr das Leben einengen

wird.

 

Wieso sollten wir uns

angesichts dieser Vision

nicht für unsere Verstorbenen

freuen?

Endlich haben sie erlangt,

wonach sich ihr Herz schon

immer gesehnt hat:

Frieden,

Leben,

Liebe,

Gott

in einer nie dagewesenen

Art und Weise.

 

Ich erinnere mich an

einen Besuch bei einem Sterbenden.

Tagelang lang er schon in seinem

Bett und atmete tief ein und aus.

Seine Frau saß fast ununterbrochen

an seiner Seite und sprach ihm gute

Worte zu.

Ihre Erschöpfung sah man

ihren Augen an. Ich machte ihr

Mut, sich einmal nach Hause zu begeben,

um sich ausruhen zu können.

Ich ahnte, dass ihr Mann nicht

sterben konnte, solange sie ihn

immer nur durch ihre Anwesenheit

versuchte festzuhalten.

In der folgenden Nacht

verstarb ihr Mann.

 

Kann es sein, dass

wir in unserer Position

als Trauernde, als Mitleidende

und dann als Hinterbliebene

eben in diesen Augenblicken auch

ein bisschen egoistisch reagieren

und mehr an uns denken,

als an den anderen.

 

„Bedenkt, den eigenen Tod,

den stirbt man nur, doch

mit dem Tod der anderen

muss man leben …“

 

Wovor fürchten wir uns so sehr?

Vor dem Alleinsein?

Davor, unser eigenes weitere

Leben nicht mehr bewältigen

zu können?

Vor der Stille und der Leere,

die der andere bei uns hinterlässt?

Oder vor der Unsicherheit,

die sich in der Frage ausdrückt,

ob man sich jemals wieder begegnen

wird und in Armen halten darf?

 

„Ich bin Christin. Für mich

ist nach dem Tod nicht alles

aus.“

 

Nichts von dem, was

uns hier auf Erden wichtig gewesen

war, wird verlorengehen.

Kein Wort, keine Umarmung,

kein einziger Kuss, keine Beziehung

in Liebe.

Ich bin mir bewusst,

wir werden einander wiedersehen.

Nur über das Wie, weiß ich

nichts zu sagen.

 

Von Ulrich Schaffer stammt

ein wunderbarer Gedanke, den

ich Ihnen nicht vorenthalten

will:

Ich durchschritt Kammer um Kammer,

jeder mit ihrem eigenen Licht,

mit der Zartheit ihrer Einmaligkeit,

und in jeder war Gott an meiner Seite,

mein Schatten, dunkel und finster,

dann wieder glücklich und hell,

in meinen Schritten sich verbergend,

wachsam sicherfüßig

wie eine Gämse.

 

Ich ging auf die letzte Kammer zu,

die mit dem schwarzen Licht,

ich wollte es wissen,

ich wollte es fühlen,

ich wollte sehen,

was so schwer zu glauben war,

aber es war noch nicht die Zeit.

 

Noch gab es die Tür in mir nicht,

noch war die Zeit nicht erfüllt

und ich nicht heil genug,

das Licht zu ertragen.“

 

Ich habe oft das Empfinden,

dass es bei dem Gedanken

um den Tod und dem, was

uns danach erwartet,

um etwas ganz anderes geht,

als um das, was wir

gewöhnlich denken.

 

Wir sind in Diesseitigkeit gefangen.

Wir reden wie Blinde von

Farben, wie Taube von Musik.

Wir versuchen mit Sinnen

und Wahrnehmungsfähigkeiten

etwas zu erfassen, was außerhalb

dieser Welt liegt und uns dennoch

so nah ist.

Das ist unser Los,

unser Schicksal.

 

Vielleicht macht es genau

das vielen unter uns so schwer,

uns mit dem Tod anzufreunden,

ihn als einen Bruder anzunehmen,

wie es Franziskus tat,

und uns für unsere Verstorbenen

zu freuen, aus Liebe für sie

und am Leben, das uns alle

einmal erwarten wird.

 

Vergessen Sie nicht:

Wir sind Christen, für uns

ist nach dem Tod nicht

alles aus.

 

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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