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Auf der schweren Erde

Christi Himmelfahrt

 

 

Auf der schweren Erde*

 

Wenn du dich hier

fremd fühlst, dann geht es

dir wie vielen von uns.

Manche legen Flossen an,

um zurückzuschwimmen zu ihrem

Ursprung.

Andere fliegen ungelenk durch

die Luft, die zu Brei wird

und ihre Bewegungen

erstarren lässt.

Dann gibt es welche,

die träumen sich davon

über Berge und Täler, immer

weiter, bis sie zu ihrem Erschrecken

da aufwachen, wo sie angefangen

haben.

Manche wollen nicht geboren

werden, sie halten die Nabelschnur

fest, werden von Wehen gepresst

und finden kein eigenes Leben.

 

Es gibt verschiedene Weisen,

sich dem Leben gegenüber zu verweigern:

Aus Angst, aus fehlendem Vertrauen

und Zutrauen, wegen des fehlenden Mutes

und der Überzeugung, dass sie zu schaffen

sind und bestanden werden können,

das Leben und seine zahlreichen

Herausforderungen.

 

Dann gibt es für viele

nur noch das Eine: Die Flucht.

Nein, nicht die Flucht nach

vorn. Es handelt sich dabei

ehe um eine Flucht nach hinten,

einen Rückzug. Viele träumen

sich weg in das Land ihrer

Fantasie, das mit dem richtigen

und wirklichen Leben nichts mehr

gemeinsam hat, jedoch das eigene

Leben in dieser für sie so fremden

Welt wenigstens einigermaßen

erträglich machen kann.

Von Realitätsverlust ist dann

die Rede.

 

Und wenn sie dann wirklich einmal

aus ihren Träumen aufwachen

sollten, dann stellen sie fest,

dass sie immer noch an dem Punkt

stehen, von dem aus sie geflüchtet

sind. Und es scheint für sie

noch schlimmer zu sein,

als zuvor.

 

Mit anderen Worten:

Man nimmt sich immer selber

mit an den Ort, an den man

neu aufbrechen will, um

Altes hinter sich zu lassen.

Die Flucht vor dem ganz Eigenen

gelingt in den wenigsten Fällen.

Eigentlich nie.

 

Wenn du dich hier

fremd fühlst, dann geht es

dir wie vielen von uns.

Aber es gibt (durchaus)

einige, die versuchen, die Fremdheit

zu entziffern. Sie haben sich Tafeln

angelegt für die skurrilen Zeichen.

Sie übersetzen die Alphabete des Leidens.

Sie legen Löwen an die Leine

und sprechen mit Ungeheuern.

Die beängstigenden Ungenauigkeiten

nehmen sie in Kauf.

Sie zähmen die Gewalten innen

und außen. Sie heben Schleier um

Schleier und erhalten sich

ihr Staunen.

Sie sehen in das Loch, in das

sie fallen, und schaffen sich so

Boden unter den Füßen.

Sie wagen und gewinnen,

sie wagen und verlieren

und wagen doch weiter.

Sie haben ihr Herz angeschlossen

an das Fremde und geben

und nehmen Blut

in jedem Wagnis.

Sie ringen manchmal nach Luft.

Mühsam zupfen sie das

auseinander, was sie nicht verstehen.

In aller Vorläufigkeit entdecken sie

die Festigkeit, die die Liebe

sogar den Minuten und Sekunden

geben kann.

 

Auch das scheint eine

Weise zu sein, sich dem Leben,

dem Hier und Jetzt, dem Augenblick zu stellen

und auf seine Herausforderungen

einzugehen und zu reagieren;

auch auf dieses „Sichfremdfühlen“

in dieser Welt, in diesem Leben -

einem Gefühl, das gerade Christen

vertraut sein sollte, da

sie ja nicht von dieser Welt

sind und ihr Leben über ihre

irdische Existenz hinausweist, auf

den einen neuen Himmel

und die eine neue Erde hin.

 

Dennoch können Christen

nicht einfach vor diesem Leben

flüchten und das Weite suchen.

Sie dürfen es nicht. Um „Himmels

willen“ nicht, der nicht irgendwann

einmal Wirklichkeit für uns werden

will, sondern der bereits begonnen hat,

uns alle mit seinen ihm ganz

eigenen Realitäten einzuholen,

hier auf Erden schon, mitten

in der Fremde, wenn Sie es

so wollen.

 

So bewohnen sie die Fremde,

und es gibt Tage, da sind sie so zu Hause,

dass sie nicht mehr weg wollen.

 

Kennen Sie dieses Gefühl -

des Einklangs mit sich selber;

der Harmonie mit allem, was ist;

des Einseins mit Gott, dem Nächsten,

der Schöpfung und sich selbst?

 

Das sind die Momente,

in denen der Himmel wahrlich

schon jetzt die Erde berührt, unsere Seele

betroffen macht; Momente, für die

es sich zu leben lohnt, hier und

jetzt.

 

Und dennoch, ob wir es wollen

oder nicht, wir müssen eines Tages

aufbrechen, aufbrechen für

immer.

Der Tod ist die Wirklichkeit

unseres Lebens, um die wir

uns nicht herummogeln können,

so sehr wir uns in unserer Gesellschaft

auch darum bemühen, ihn auszutricksen.

Er spricht eine endgültige Sprache.

 

Dennoch wird mit ihm

nicht alles aus und vorbei

sein. Wir sind eingeladen

unseren Blick über das hinaus

zu erheben, was viele als

endgültig erklären wollen,

dieses Leben, hier auf

Erden, weil sie meinen,

ein anderes gäbe es

nicht.

 

Der Tag heute verspricht

uns ein „Mehr“ zu all dem,

was ist und jemals auf Erden

sein wird: Eben diesen

neuen Himmel, diese neue

Erde. Und die Sehnsucht, die

in unserem Herzen ruht

stimmt diesem Versprechen

leise zu:

 

Schwester Sehnsucht

 

Ich sehne mich nach der Heimat

in der Hand der Milde, nach dem

Regenbogen quer durch unsere

Augen, nach einer Salbe

für die Zerrungen der nackten Seelen,

nach einer neuen Sanftmut,

in der auch die härtesten Worte

nicht mehr töten.

 

Ich sehne mich nach Augen,

mitten in der Blindheit aus Angst.

Ich verzehre mich nach der Weite,

in der einer dem anderen nah ist,

ohne die Steifheit der Enge.

Ich strecke mich aus

wie eine Hand, die aus der

Verworrenheit ragt.

 

Die Gräser der Liebe werden uns

schützen, die Musik, die jedes Blühen

begleitet, wird uns den Weg weisen.

Das Leben wird lebbar sein,

und ich werde an deinen Händen

tanzen.

 

Spüren Sie, dass das Jenseits

nur auf der anderen Seite

einer sehr zarten Tür liegt,

die zu öffnen nicht des Todes

bedarf und nicht einer

besonderen Intelligenz,

sondern nur der Entscheidung

zu sehen.

 

Wenn du dich hier

fremd fühlst, dann geht es

dir wie vielen von uns.

 

Niemand muss sich wirklich

fremd fühlen in diesem Leben

auf dieser Erde, unter Menschen,

in Gottes Welt.

Der Himmel liegt nur

ein Stückweit von uns

entfernt und manchmal,

manchmal, da fällt ein Licht

durch den Türspalt und wir

beginnen zu ahnen,

was uns hinter der Tür

erwartet:

 

Ein neuer Himmel,

eine neue Erde, wo uns nichts

mehr fremd sein muss und wo sich

selbst Gott von uns erkennen lässt,

von Angesicht zu Angesicht.

 

 

 

 

 

 

* Kursiv gedruckte Gedanken stammen von Ulrich Schaffer

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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