thomas diener systemische-lösungsorientierte supervision und coaching geistliche begleitung gestalttherapeutische beratung
thomas diener                                                             systemische-lösungsorientierte                                                             supervision und coaching                                                                                                                                       geistliche begleitung                                                             gestalttherapeutische beratung

"Wollt auch Ihr weggehen?"

Joh 6,60-69

 

Sie halten es einfach

nicht mehr aus mit ihm.

Vor allem das, was er ihnen

zu sagen hat, können sie

nicht mehr hören.

Unerträglich ist es

für sie geworden.

 

Nein, es sind nicht

nur die Pharisäer,

die Gesetzeslehrer und

Schriftgelehrten, denen

es genug zu sein scheint,

auch die Jünger selber

nehmen Anstoß an dem,

was er ihnen mit seinen

Worten zumutet:

 

Jesus spricht vom Brot,

das er selber ist und durch

das der Mensch, sofern er

von diesem Brot isst,

ewiges Leben haben wird.

Jesus spricht vom Brot,

durch das sich der Mensch

mit ihm verbunden wissen

darf und dass nur der in

ihm bleibt, der bereit ist,

von diesem Brot zu empfangen.

Jesus spricht vom Brot,

das den Hunger des Menschen

nach dem Ewigen und

dem Bleibenden zu stillen

vermag.

 

Für die Jünger und

die anderen ist das zu viel

des Guten. Das ist nicht mehr

zum Aushalten für sie.

Das setzt zu viel an Glauben

voraus. Da kommt keiner

mehr von ihnen mit.

 

Jesus äußert seine Bedenken:

„Wenn ihr schon jetzt aussteigt

und nicht mehr bereit seid

mitzugehen und mitzumachen,

dann ist die Katastrophe

vorprogrammiert.

Dann werdet ihr spätestens

doch dann alles niederlegen

und das Weite suchen,

wenn ich von den Toten

auferstehen werde.“

 

Die Jünger ziehen

daraufhin ihre Konsequenzen.

Sie packen ihre sieben Sachen,

sie ziehen sich zurück und

gehen ihre eigenen Wege.

Gemeint sind jene,

die Jesus schon eine ganze

Weile nachgefolgt sind,

Jünger und Jüngerinnen

in einem weiteren Sinn,

denn die anderen, die Zwölf,

die stellt Jesus vor die Frage:

 

„Wollt auch ihr weggehen?“

 

Manchmal möchte man

alles hinschmeißen,

möchte mit all den Konflikten,

Enttäuschungen und Ungerechtigkeiten

nichts mehr zu tun haben,

die das menschliche Zusammenleben

im Allgemeinen und das kirchlich-gemeindliche

religiöse Leben im Besonderen

mit sich bringen.

Manchmal ist es ja auch das

Verzweifeln an der eigenen Schwäche

und Begrenztheit.

Weit häufiger

aber hadern Kirchenmitglieder

aller Couleur mit den jeweils

anderen Brüdern und Schwestern,

ob in leitenden Ämtern oder

im „Volke“.

 

Und manch einer geht,

nicht selten aus schwerwiegenden

Gründen, traurig davon.

 

„Wollt auch ihr weggehen?“

 

„Morgen wird es euch

nicht mehr geben! Bestenfalls,

wenn überhaupt, werdet ihr

eine marginale und bedeutungslose

kleine Schar sein!“ meinte

ein Chefredakteur einer lokalen

badischen Zeitung zu dem

Wiener Pastoraltheologen

Paul Michael Zulehner bei

einer Podiumsdiskussion

im vergangen Jahr.

 

Der Mann

war der festen Überzeugung,

dass das Modell Kirche

kein Nachfolgemodell mehr haben

werde:

 

Die Kirche werde einfach

verschwinden.

Der Glaube werde

verdunsten.

Die Menschen bräuchten beide

nicht mehr für ihr Leben

auf dieser schönen modernen

Welt.

Im Gegenteil:

Sie würden hinfort ohne

Kirche und Religion leichter

leben, keine Sexualneurosen

haben, der Friede wäre nicht

durch religiös aufgeladene

Gewalt bedroht.

 

„Wollt auch ihr weggehen?“

 

Die Frage nach Bleiben

ist eine Entscheidung des Glaubens,

in dessen Mitte die Person

Jesu steht und mit ihm

die Wahrheit, die er verkündet.

 

„Wollt auch ihr weggehen?“

 

Ich kenne diese Frage aus ganz

eigener Erfahrung.

Sie hat auch mich einmal  betroffen.

Damals stürzten viele andere

Fragen mit dieser einen Frage

zusammen auf mich ein.

Vor allem doch diese:

 

Kann ich mich mit dem System

Kirche wirklich noch länger identifizieren?

Hat Jesus Christus seine Kirche

auf Erden tatsächlich so gewollt,

wie sie sich für mich und viele darstellt?

 

 

Den Wirklichkeiten dieser Welt

und der Menschen fern.

Oftmals

menschenverachtend

und verletzend.

Einschüchternd

und angstmachend.

Bevormundend

und gefangennehmend.

Selbstbezogen

und eingebildet.

 

Schließlich habe ich meine

Entscheidung getroffen.

 

Ich bin geblieben,

weil es für mich nicht nur

schmerzhafte Erfahrungen

und Begegnungen in dieser Kirche

gab und immer noch gibt,

sondern weil ich in dieser

Kirche und im Evangelium Christi,

das ihr anvertraut ist,

meine Wurzeln habe

und mehr gute Erfahrungen

und heilsame Begegnungen

gemacht habe als schlechte.

Und weil ich mich erinnert habe

an den Weg den Gott mit mir

gegangen ist, ein Weg,

für den ich dankbar bin.

 

Die Erfahrung und die Erinnerung

dieses Weges helfen mir, meine

Entscheidung in die Zukunft hinein

zu leben.

Und es hilft mir auch, mich mit

anderen immer wieder zusammenzutun,

die sich ebenfalls dafür entschieden

haben zu bleiben:

Das sind Menschen wie Sie.

Mein Blick geht bei diesen

Worten nochmals auf die Lesung zurück:

 

„Josua sagte zum ganzen Volk:

Wenn es euch nicht gefällt,

dem Herrn zu dienen, dann entscheidet

euch heute, wem ihr dienen wollt:

den Göttern, denen eure Väter jenseits

des Stroms dienten, oder den

Göttern der Amoriter, in deren

Land ihr wohnt.

Ich aber und mein Haus,

wir wollen dem Herrn dienen.

 

Das Volk antwortete:

Das sei uns fern,

dass wir den Herrn verlassen

und anderen Göttern dienen.

Denn der Herr, unser Gott,

war es, der uns und  unsere

Väter aus dem Sklavenhaus Ägypten

herausgeführt hat und der vor unseren

Augen alle großen Wunder getan hat.

Er hat uns beschützt auf dem ganzen Weg,

den wir gegangen sind …

Auch wir wollen dem Herrn dienen;

denn er ist unser Gott.“        Josua 24,1ff

 

Dieser Glaube ergibt sich

nicht von selbst.

Dieser Glaube ist nicht die große

Selbstverständlichkeit, sondern eine

Frage an jeden Menschen.

Dabei kommt man nicht

an schweren Momenten vorbei,

in denen man sich stößt

und Anstoß nimmt.

Der Glaube ist kein niederschwelliges

Angebot, das wir automatisch

bejahen.

 

 

Viele gehen an diesem Punkt

nicht mehr mit, wenn sie das merken.

Aber keiner kann den Moment

überspringen, in dem er

oder sie an den Punkt kommt,

wo die Frage sich ihnen stellt:

„Willst auch du weggehen?“

 

Ich wünsche uns den Mut,

mit Petrus das Wagnis einzugehen

und zu antworten:

„Herr, zu wem sollen wir gehen?

Du hast Worte des ewigen Lebens.

Wir sind zum Glauben gekommen

und haben erkannt:

Du bist der Heilige Gottes.“

 

Das ist gewiss keine Antwort,

die all unsere Fragen und Zweifel

beantwortet, alle Probleme löst,

vor allem die zwischenmenschlichen nicht sofort,

und uns das weitere Bemühen abnimmt,

aber sie gibt dem Leben eine maßgebliche Richtung

und lässt uns mit Jesus gehen, der

mit uns weitergehen will,

auch, ja gerade

in dieser „verbeulten“ Kirche.

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© Supervision-Coaching-Therapie-Geistliche Begleitung- Pfarrer Thomas Diener