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Spüre das Eigene

Mk 3,20-25

 

 

Ohne Zweifel, er ist gefragt,

wie kein zweiter im Land.

Die Leute rennen hinter ihm her.

Unzählige sind es, die sich bei

ihm einfinden.

 

Ohne Zweifel, er hat zu tun.

Eine ganze Menge zu tun.

So viel, dass ihm und seinen

Jüngern keine Zeit verbleibt,

sich um ihre ganz eigenen

Bedürfnisse zu kümmern.

 

Das aber ist nur die eine Seite:

Dass er gefragt ist,

dass die Menschen mit ihm zu

tun haben wollen,

dass er sie anspricht mit dem,

was er ihnen zu sagen hat

über die Welt, über das Leben,

über Gott, über den Glauben

an ihn.

 

Die andere Seite ist die:

Da gibt es welche,

die sagen ihm üble Dinge nach.

Sie verleumden ihn.

„Er ist mit dem Teufel

im Bunde!“ sagen sie.

Und dass er nichts Gutes

im Sinn hat.

 

Als wenn das nicht schon genug

wäre, setzen andere noch eins

drauf. Die eigene Familie ist

es, die ihn als verrückt erklärt.

„Er ist von Sinnen!“ sagen sie

und wollen zu ihm hin.

 

Ich weiß nicht,

wie es ihnen mit der Position

Jesu ergeht, wie sie das Evangelium

herausstellt.

 

Ich finde, Jesus steckt ziemlich

dazwischen. In der Klemme.

Zwischen den einen,

die etwas von ihm wollen

und denen, die ihm an

den Kragen wollen

und schließlich der Haltung

seiner eigenen Familie

ihm gegenüber.

 

Ist das zum Aushalten?

Ist das nicht vielmehr zum

Davonlaufen?

Einfach nur weg von

alldem?

 

Jesus wäre nicht Jesus,

wenn er den Menschen nicht

die Stirn bieten würde.

Jesus wäre nicht Jesus,

wenn er sich auf und davon

machen würde.

Jesus wäre nicht Jesus,

wenn er sich einschüchtern

lassen würde

von dem Geschwätz der Pharisäer

und der Schriftgelehrten,

von der Haltung seiner Mutter

und seiner Brüder.

 

Dabei haben sie alle doch

gute Gründe, Jesus in die Parade

zu fahren, sein Tun zu unterbinden,

ihn davon abzuhalten.

 

Den Schriftgelehrten und den

Pharisäern ist er ein Dorn im

Auge, weil er sich mit der jüdischen

Religion anlegt. Institutionen sehen

es nicht gerne, wenn einer

aus dem Gewohnten und den

Vorgaben des Systems ausschert.

Sie verstehen dies als einen

Angriff, gegenüber dem es sich

zur Wehr zu setzen gilt.

 

Die Mutter Jesu und

seine Brüder sorgen sich um den Ruf

der Familie. Der ist schnell verspielt,

wenn es fortan heißen wird:

„Jesus ist ein Spinner.

Schau hin, da, seine Mutter,

da, seine Brüder.“

Diesen Spießrutenlauf im

eigenem Dorf hält wohl niemand

aus.

 

Natürlich machen sie sich

auch Sorgen um Jesus.

Insbesondere wohl Maria,

seine Mutter.

„Wohin soll das alles

noch führen!“

Der Konflikt ist vorprogrammiert.

Das Kreuz wirft schon

seinen Schatten

voraus.

 

„Halt ein!“ höre ich sie

Jesus zurufen.

„Halt ein, bevor es

zu spät ist!“

 

Dabei sind die Würfel

schon längst gefallen.

Wie gespannt  warten

die Vertreter der jüdischen

Religion auf den Moment,

indem sie ihn zu Fall bringen,

mundtot, machen können.

 

Jesus hält nicht ein.

Er schlägt seine Gegner

mit den Inhalten ihres

eigenen Geschwätzes:

„Wie kann der Satan

den Satan austreiben,

wenn sein Reich in sich

gespalten ist?“

Und seiner Familie gegenüber

stellt er unmissverständlich klar.

„Wer den Willen Gottes erfüllt,

der ist für mich Bruder

und Schwester und Mutter!“

 

An so einem Mann

müssen sich die Geister

scheiden.

An so einem Mann

müssen sich die Menschen

reiben.

 

Kennen Sie so etwas

mitunter aus ihren eigenen

Erfahrungen,

aus ihrer Familie,

aus ihrer Verwandtschaft,

aus ihrem Bekanntenkreis,

als Betroffene,

als Betroffener?

 

Ich meine, kennen Sie

Menschen, die so zielstrebig

ihren Weg gehen und sich

selber und dem von

ihnen als richtig Erkannten

treu bleiben?

 

Vielleicht haben sie

ja auch schon längst

einen Begriff für

solche Menschen gefunden:

 

Querulant.

Nörgler.

Miesmacher.

Störenfried.

Querkopf.

Trotzkopf.

 

In einer Biographie Alfred Delps,

Jesuit zur Zeit des Nationalsozialismus,

Mitglied des Kreisauer Kreises, der sich

offensiv gegen das Regime gewendet hatte,

lese ich:

 

"Den Zwang zum stromlinienförmigen

Denken gibt es nicht nur in Dikaturen.

Deshalb sind Querköpfe überlebenswichtig -

damit die Vision von einer besseren,

gerechteren Wel nicht untergeht. Mit ihr stirbt,

was den Menschen zum Menschen macht."

 

Natürlich hat

auch Jesus seine guten Gründe,

sich genauso und nicht

anders zu verhalten.

Eben nicht den Erwartungen

der anderen zu entsprechen.

 

Ein Grund für ihn

ist es, Gottes

Willen zu tun.

Der hat in allem

den Vorrang.

Der bringt ihn bisweilen

auf die Barrikaden,

lässt ihn Bänke und Tische

umwerfen und Händler

aus dem Tempel treiben.

Der lässt ihn sogar

Position gegenüber seiner

eigenen Familie beziehen.

 

Ich weiß nicht,

ob das jetzt Ihre Frage

ist, meine ist es schon:

Woran kann ich Gottes Willen

erkennen und woran nicht?

 

Viele meinen Gottes Willen

bereits zu kennen, folgen dabei

jedoch ausnahmslos ihren

eigenen Vorstellungen

und Wünschen und Zielen?

 

„Herr, lehre mich deinen

Willen zu tun!“ heißt es.

Und woran erkenne ich

den Willen des Herrn?

 

Ignatius von Loyola

spricht in diesem Zusammenhang

von der Unterscheidung der Geister.

Er geht davon aus,

dass jeder Mensch für

sich entscheiden kann

und muss.

 

Durch Stille und Achtsamkeit,

durch Geduld und geistliche Übungen,

durch biblische Betrachtungen

sinkt nach und nach die Wahrnehmung

des Menschen auf eine tiefere Ebene ab.

Am Ende gibt es nach Ignatius nur noch

zwei Grundregungen im Menschen

und in seiner Seele im Hinblick

auf die Dinge, die er zu entscheiden

hat:

Trost –

und sein Gegenteil:

Untrost.

 

Alles, was ein Mehr an Trost

auslöst ist dem Willen Gottes zuzuschreiben.

Trost hat zu tun mit Harmonie,

Gleichklang und innerer Stimmigkeit.

Trost gibt mir Freude, Freiheit und

Mündigkeit, Friede und Lebensdynamik.

 

Untrost meint das Gegenteil:

innere Unruhe, Hoffnungslosigkeit,

Getrenntsein von Gott, den anderen

und auch mir selber, Zweifel und Hass

gegenüber mir selbst und anderen,

innere Trockenheit und Lähmung.

 

Echten Trost erfahre ich,

wenn ich mit Gott unterwegs bin.

Die Frage, die sich auf dem Weg

zu einer gottgefälligen Entscheidung

stellt, ist die:

 

Wo öffnet sich mein Herz zu mehr

Hoffnung, Glaube und Liebe, obwohl

der Weg vielleicht schwieriger ist?

Darin zeigt sich der Wille Gottes.

Und in diese Richtung habe

ich zu entscheiden.

 

Das setzt betende Menschen

voraus, die bereit sind, sich mit

der Dynamik des Geistes Gottes

auseinanderzusetzen und das eigene Wollen,

den eigenen Willen und das eigene Wissen zu relativieren.

Menschen, die dafür Unterbrechungen schaffen,

Achtsamkeit üben und Räume offen halten.

 

Ich meine, dass Jesus ganz

und gar einem solchen Menschen

entspricht und uns dazu einlädt,

selber zu solchen Menschen

zu werden.

 

Das sind dann jene,

die er in der Tat seine

Brüder und Schwestern

nennt, denn:

„Wer den Willen des Vaters

erfüllt, der ist für mich

Bruder und Schwester

und Mutter.“

Alle anderen sind

es nicht.

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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