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Aus- und Einatmen

Mk 6, 30-34

 

 

„Kloster auf Zeit“

so lauten Angebote

verschiedenster Klöster

in unserem Land.

 

Sie geben den Menschen

die Möglichkeit, sich für eine

bestimmte Zeit aus ihrem Alltag

zurückzuziehen und

das loszulassen, was ihr tägliches

Geschäft ausmacht,

um Ruhe zu finden,

zu sich selber zu kommen und damit

auch dem Wesentlichen ihres Lebens

wieder auf die Spur.

 

„Kloster auf Zeit.“

Das Angebot wird genutzt,

von Männern und Frauen

aus Gesellschaft und Politik,

aus Industrie und Wirtschaft

und Kirche.

 

Es scheint,

dass das Angebot

Bedürfnisse anspricht und weckt,

die im oftmals doch allzu angefüllten

Alltag in den Hintergrund geraten

oder gar gänzlich verloren gehen.

 

Gerade Manager

großer Unternehmen

wissen das Angebot zu schätzen.

Sie halten in ihrer Arbeit inne,

um an diesem „einsamen Ort ein wenig

auszuruhen“, aufzutanken,

sich zu besinnen,

um sich dann schließlich wieder,

innerlich erneuert, in den Alltag

zurückzubegeben.

Wie zufällig kommen

manche von ihnen bei

dieser Auszeit auch Gott auf die Spur.

Sie fangen an, Erfahrungen der Nähe

Gottes in ihrem Leben zu begreifen

und festzumachen.

 

Schon sehr früh haben

Ordensleute es verstanden,

sich den Gezeiten

des Lebens zu stellen.

Es gibt eine Zeit für das Arbeiten.

Es gibt eine Zeit für das Innehalten,

das Loslassen des Alltäglichen,

um das Eigentliche

wieder zu finden:

… das was einen Menschen trägt.

… das was einen Menschen ausmacht.

… das was einem Menschen Sinn gibt.

 

Das rechte Maß

ist das Leitmotiv

der Regel des Heiligen Benedikts.

„Ora et labora“, lautet

das Schlüsselwort.

An ihm orientieren sich alle

Lebensbereiche im Kloster.

Arbeit und Gebet,

Bewegung und Ruhe,

Speisen und Getränke,

Mahl- und Fastenzeiten,

Handarbeit und Lesung,

Schweigen und Reden.

 

Alles soll zur rechten Zeit

und in ausgewogenem

Maß erfolgen.

„Bete und arbeite.“

 

Kann es sein,

dass die Unausgeglichenheit

so vieler Mitmenschen, ihr Gereiztsein,

ihr innerliches Ausgebranntsein und ihre

Depressionen und Frustrationen,

ihre Unzufriedenheit mit sich

und der Welt auch damit zusammenhängen,

dass sie schon lange das rechte Maß

verloren haben? Also schon zu lange

zu maßlos leben?

 

Wir haben in vielen Dingen

das Maß verloren:

 

Es wird maßlos produziert.

Es wird maßlos konsumiert.

Es wird maßlos kommuniziert.

Es werden Menschen maßlos

strapaziert.

 

Jesus hält seine Jünger

dazu an, mit ihm zu kommen

und auszuruhen.

Jesus weiß, wie sehr

dies die Seele eines Menschen

braucht, damit sie sich

nicht verliert.

 

Der Mensch darf das rechte

Maß nicht aus dem Auge verlieren.

Erst recht als Kirche

dürfen wir dieser Versuchung

nicht unterliegen,

um den Bezug nicht

zu uns selber zu verlieren

und auch den Bezug zu den

anderen Menschen nicht.

Erst recht nicht den Bezug

zu Gott und seinen Absichten

mit uns.

 

Unser Leben sollte

sich in der Spannung

zwischen Aktion

und Kontemplation

bewegen. Alles allzu

Einseitige macht uns Menschen

kaputt.

 

Dass es gar nicht so

einfach ist, diese Spannung

im Alltag zu halten

und für das rechte Maß

und den Ausgleich zu sorgen,

auch darauf weist das Evangelium

hin.

 

Kaum dass die Jünger mit

ihrem Boot an das andere Ufer

losgefahren sind, machen

sich die Leute auf den Weg,

um sie dort mit ihren ganz

eigenen Anliegen

und Bedürfnissen zu erwarten.

Jene, die Jesus vorkommen,

wie Schafe, die keinen Hirten

haben.

 

Mir fällt auf,

dass an diesem Punkt

die Erzählung endet und

wir nicht erfahren, wie sich

Jesus und seine Jünger

verhalten haben.

 

Es wird immer wieder

genügend Gründe geben,

sich in seinen ganz eigenen

Bedürfnissen

unterbrechen zu lassen.

Es wird immer wieder

genügend Gründe geben,

immer nur weiterzumachen

und nicht innerzuhalten:

… weil die Arbeit nicht liegen

bleiben darf,

… weil die Dinge keinen Aufschub

erlauben,

… weil ich doch niemanden abweisen kann,

… weil alles andere scheinbar

wichtiger ist,

… weil,

… weil,

… weil …

 

Bis es dann eines Tages

einfach nicht mehr geht

und der Mensch

zusammenbricht.

 

Wir haben Verantwortung

den Dingen, den Menschen

und dieser Welt gegenüber.

Wir haben aber auch

Verantwortung gegenüber

unserer eigenen Seele,

Verantwortung gegenüber

unserem eigenen Leib,

Verantwortung gegenüber

unserem eigenen Geist.

 

Keiner nimmt uns

diese Verantwortung ab.

Wir müssen auch für

uns selber sorgen.

Nein, das ist nicht

egoistisch.

Das ist notwendig,

wenn wir uns selber nicht

verlieren wollen,

wenn wir anderen

Menschen auch weiterhin

zur Verfügung stehen wollen.

 

 

Was haben Kinder

von ihrer Mutter, wenn

diese völlig ausgebrannt

und entnervt, an den Grenzen

ihrer Leistungsfähigkeit,

den Familienalltag

zu stemmen versucht,

wie irre durch die Gegend rennt

und ihre Familie nur noch

anschreit?

 

Was haben Kunden

von ihrem Dienstleister,

wenn dieser in seiner Hektik

und Betriebsamkeit

ihre Bedürfnisse und Anfragen

nicht mehr wahrnimmt?

 

Was haben „verlorene

Schafe“ von ihren „Hirten“

und Seelsorgern und Seelsorgerinnen,

die sich selber schon lange

wie verloren vorkommen,

nicht mehr zu neuen Weideflächen

aufbrechen wollen, weil

sie um den rechten Weg nicht

mehr wissen und völlig

entkräftet sind?

 

In einer Woche beginnen

Ferien. Die Erwartungen,

die viele mit dieser Zeit verbinden,

sind in den wenigsten Fällen

realistisch. Viele überfordern

sich selbst in dieser Zeit.

 

Es geht um die Einübung

einer grundlegenden Haltung

und Einstellung dem Leben

und uns selber gegenüber,

die uns auch in unserem

Alltag zu bestehen helfen

soll.

 

Wie kann uns

das rechte

Maß hierbei gelingen?

Was können wir tun,

um uns nicht zu verlieren?

Wie halten wir die Spannung

und den Ausgleich?

Wie können wir gut

für uns sorgen?

 

Das Evangelium gibt

mir den Hinweis, Auszeiten

zu suchen. Zeitinseln zu schaffen,

in denen ich mich an einen

„einsamen Ort“ zurückziehen

kann. Dieser Ort ist in uns

selber. Dorthin gilt es

hin zu gelangen.

 

Es ist möglich immer wieder

den Alltag zu unterbrechen, um

nur eine Minute bei uns sein zu

können. Je mehr wir solche

Minuten in unseren Alltag integrieren,

desto mehr werden wir eine

innere Stärkung finden.

 

Eine Minute am Morgen.

Eine Minute am Mittag.

Eine Minute am Abend.

Alles unterbrechen.

Bewusst auf das eigene Atmen

achten und nur auf das Atmen.

Gedanken, die sich einstellen

wollen anhalten und unterbrechen.

Nach einer Minute gut durchatmen

und weitermachen.

 

So etwas kann nicht von

heute auf morgen funktionieren.

So etwas bedarf der regelmäßigen

Übung. Es ist wie mit

einer Medizin, die ich

regelmäßig und zu bestimmten

Zeiten einzunehmen habe,

um zu gesunden.

Probieren Sie es einfach

einmal aus.

 

Beim Aufstehen.

In der Küche.

Am Arbeitsplatz.

Im Wald.

In der Warteschlange im

Supermarkt.

Zwischen zwei Terminen.

Im Wartezimmer beim Arzt.

Jetzt nach der Predigt

oder nach dem Empfang

der Kommunion.

Ich bin sicher,

dass Sie genügend Möglichkeiten

finden werden.

Haben Sie einfach einmal

den Mut, das Karussell

anzuhalten – für eine Minute nur.

Ganz bewusst.

 

„Kloster auf Zeit.“

das ist gewiss eine gute Sache.

Doch für die meisten unter

uns bedeutet dieser Ortswechsel

schon eine gewisse Herausforderung.

 

Ich möchte Sie darin bestärken,

das rechte Maß mitten

in Ihrem Alltag einzuüben und zu finden.

Ich möchte Sie darin bestärken,

sich auch einmal die Zeit für

sich und nur für sich zu nehmen.

Auch die anderen werden es

Ihnen danken.

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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