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Aufstehn zum Leben

Pfingsten

 

 

Da liegen sie.

Über eine große

Fläche verteilt.

Gebeine über Gebeine.

Wie über ein großes

Schlachtfeld eines Krieges

verstreut, sind sie.

Ohne Haut.

Ohne Haar.

Ohne Leben.

 

Ein drastisches Bild.

Ein schockierendes

und abstoßendes

Bild zugleich.

 

Doch der Prophet

sagt den Gebeinen

neues Leben zu.

Mit Haut sollen sie

überzogen werden.

Blut soll wieder in ihren Adern 

zum Fließen kommen.

Erheben sollen sie sich,

die Gebeine,

aufstehn zum Leben.

 

Die Totenbeinvision

des Propheten Ezechiel

ist ein Bild.

Ein Bild für das Volk Israel

und dessen Glauben,

der wie ausgetrocknet

niederliegt.

 

Die Vision sagt:

Gott selber wird

wieder neues Leben in die Gebeine

bringen. Israel wird wieder

aufrecht zu stehen kommen.

Gott wird sein Volk mit Leben

erfüllen, anstecken

mit seinem Geist.

 

„Aufstehn zum Leben“

so lautet das Motto

des ökumenischen

Kirchentages an diesem

Wochenende in Speyer.

Zu diesem Anlass wurde

eigens ein Lied getextet.

Darin heißt es u.a.:

 

Wenn mir in vielerlei

Gestalt, der Tod entgegentritt,

und kalt ich seinen Schatten spür

und so die Hoffnung fast verlier,

wenn ich mich hier und nach der Zeit

mich sehne nach der Ewigkeit,

nach Gottes Reich, das jetzt noch klein,

einst unendlich wird sein,

dann werd ich aufstehn zum Leben,

aufstehn vom Tod, aufstehn zu Gott.

Zu Gott, der Lebensfülle schenkt,

die schon im Hier und Jetzt anfängt,

zu ihm werd ich aufstehn zum Leben.

 

Es kommt einer Auferstehung

zum Leben gleich, was sich am

Pfingsttag ereignet.

Noch liegen sie danieder, wie

verlorene Gebeine in der Steppe,

die Jünger.

Noch halten sie sich zurück

und verschlossen hinter

dicken Türen und zugeriegelten

Fenstern.

Aber dann - dann reißt

es sie heraus aus ihrer Erstarrung.

Grenzen werden überwunden,

die eigenen inneren und die

äußeren auch.

 

Es ist der Geist Gottes,

der wie Feuer vom Himmel fällt

und sie wieder lebendig macht.

Es ist der Geist Gottes, der in sie fährt

und sie herausholt

aus der Angst,

aus der Unsicherheit,

aus der Resignation

aus dem Tod.

Es ist der Geist Gottes schließlich,

der sie auch ihren

Glauben bekennen lässt.

 

Von Erstarrung,

von Verkrustung,

von Festgefahrensein

sprechen viele

mit dem Blick auf unsere Kirche

und ihre Gemeinden.

Wie totes Gebein

lägen sie am Boden.

Da wäre kein Leben

mehr in ihnen.

Nichts würde mehr in

ihren Adern pulsieren.

Die Begeisterung des Anfangs

wäre auf der Strecke geblieben

und verloren gegangen.

 

Die Versuchung,

das, was einen zu Anfang

einmal zusammengebracht,

sich erheben ließ und

auf den Weg gestellt hat,

aus dem Auge zu verlieren,

steckt in allem.

Auch unsere Kirche,

auch unsere Gemeinden

bleiben davor nicht verschont

und auch jeder und jede

einzelne von uns nicht.

 

Glaube kann sich in

der Tat wie tot anfühlen,

ausgelutscht und leer.

Ohne Lebenskraft.

Versiegt, wie eine Quelle,

die schon lange aufgehört

hat frisches und lebenschenkendes

Wasser hervorzubringen.

 

Vielerorts und in vielen von uns

sind diese Quellen versiegt.

 

Herr, erwecke deine Kirche,

und fange bei mir an.

 

Das kurze Gebet bringt

es auf den Punkt, worum es

an Pfingsten geht:

Es geht um Erweckung.

Es geht darum,

dass sich jeder und jede

einzelne von Gott wieder

herausreißen lässt

aus alten und ausgetretenen

Spuren. Aus allem,

was das Leben gefangen nimmt

und einschließt.

Es geht ums Aufstehn

zum Leben.

 

Gott selber schenkt

dazu die Kraft,

den Beistand,

den Geist.

 

Die Frage steht im Raum:

Wollen wir uns überhaupt

aus alten Gleisen herausholen

und auf einen neuen Weg

stellen lassen?

Oder haben wir es uns

nicht allzu gut und gemütlich

in Vorhandenem eingerichtet,

so dass uns Pfingsten geradezu als

Störung des laufenden

Betriebs vorkommen

muss?

 

Christen

sind pfingstliche Menschen.

Und sie sollten es bleiben.

Menschen, die immer wieder

bereit sind, Altes und Hohlgewordenes,

Abgegriffenes und Ausgelutschtes

hinter sich zu lassen, Grenzen

zu überwinden, Neues zu wagen,

aufzustehen zum Leben.

 

Alles andere käme

einer Verleugnung

des Glaubens nah.

Einer Verdrängung

der Wirklichkeit Gottes

und seiner Möglichkeiten

mit uns.

 

Die Gebeine, die über das Feld

verteilt sind, sind zahlreich.

Es geht darum,

sie mit Haut zu überziehen,

sie zu Fleisch werden zu lassen,

sie mit Leben zu erfüllen,

immer mehr,

immer noch mehr.

 

Die Gebeine der Ökumene.

Die Gebeine derer, die an

der Kirche und ihren

Restriktionen fortdauernd

verzweifeln wollen.

Die Gebeine der

geschiedenen und dann

wiederverheirateten Menschen.

Die Gebeine der

homosexuellen Partnerschaften.

Die Gebeine der fernstehenden

Menschen, die nach Glaubwürdigkeit

in unserer Kirche suchen.

Die Gebeine eines jeden einzelnen

von uns, dessen Lebensquelle

versiegt ist und der wie

tot am Boden liegt.

 

Sie alle sollen aufstehn können.

Sie alle sollen aufstehen dürfen.

Aufstehn zum Leben.

 

Auch die Ausgebeuteten, sie sollen aufstehn.

Auch die Hungernden, sie sollen aufstehn.

Auch die nach Frieden Suchenden, sie sollen aufstehn.

Auch die an den Rand gedrängten, sie sollen aufstehn.

Auch die in sich Gefangenen, sie sollen aufstehn.

Auch die Misshandelten, sie sollen aufstehn.

Auch die nach Heimat sich Sehnenden, sie sollen aufstehn.

Auch die Trauernden, sie sollen aufstehn.

 

Aufstehn zum Leben.

Weil Gott es so gewollt

hat und wir diesem Ansinnen

nichts in den Weg legen dürfen.

Im Gegenteil.

Wir dürfen den Geist Gottes

nicht ausbremsen, der nach

Befreiung drängt, nach Auferstehung

eben, mitten in dieser Welt

mit ihren schier unübersehbaren

Möglichkeiten.

 

Gott sei es gedankt,

dass wir seinen Geist auch gar nicht

ausbremsen können, denn der weht

bekanntlich immer noch

dort, wo er es will,

vollkommen unbeeindruckt

von dem, was wir uns in den

Kopf gesetzt und vorgenommen

haben.

 

Das lässt hoffen,

das lässt guter Dinge sein,

Für die Kirche,

für die Gemeinde,

für dich

und mich.

 

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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