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Nur weg von hier!

Vierter Advent

 

 

 

Das hatte

er sich so gedacht:

Sich heimlich davonstehlen.

Die Tür hinter sich schließen und weglaufen.

Einfach gehen. Ganz gleich wohin,

nur weg von hier.

 

Zu verstehen ist es schon.

Oder? Zumindest im ersten Augenblick.

Irgendwann kann man

nur noch seine sieben Sachen

packen, sich auf und davon machen,

weil es einem zu viel wird,

weil man nicht mehr kann,

weil man keinen Sinn mehr in den Dingen sieht,

weil man den Durchblick nicht mehr hat,

weil es einem nur noch weh tut,

weil es sich so nicht mehr leben lässt.

 

Das muss man sich vorstellen.

Ein alter Mann, so wird erzählt.

Im Besitz einer Werkstatt.

Zimmermann ist er.

Brav.

Angesehen.

Anständig.

Fromm.

Verlobt.

 

Mit einer Frau,

die bedeutend jünger ist als er selber.

Die fast noch Kind ist.

Eine Familie wollen sie gründen.

Kinder wollen sie haben.

Doch dann zieht

es dem Mann den Boden

unter seinen Füßen weg.

Es kommt ganz anders.

 

Seine Verlobte ist schwanger.

Das soll es geben.

Das kommt vor.

Schon vor der Heirat.

Auch damals.

Aber das Kind ist nicht von ihm.

Da muss doch alles

in sich zusammenbrechen.

Das ist doch nur noch zum Davonlaufen.

Oder?

 

Wie gesagt,

zumindest in ersten Augenblick.

Welcher Mann lässt sich schon gerne

Hörner aufsetzen?

Welcher Mann verliert schon gerne

sein Gesicht?

Das tut weh.

Das verletzt.

Das kränkt.

 

Die Geschichte erfährt eine Wende.

Gut geht sie aus. Happy end.

Josef bleibt bei Maria.

Maria bekommt ihr Kind.

Doch es dauert nicht lange,

da ist von dem Greis

nichts mehr zu hören.

Er verschwindet im Hintergrund

der Heilsgeschichte.

 

Schade eigentlich.

Bedauerlich.

Maria und Jesus stehlen

ihm die ganze Show.

Ich meine, seine Bedeutung.

Können wir sie ermessen?

 

Einfach Davonlaufen,

das geht nicht.

Gewiss, es gibt immer

genügend Gründe,

das Weite zu suchen

und wegzulaufen:

weg von dem Partner,

weg von der Familie,

weg von dem Beruf,

weg von der Kirche,

weg von der Gemeinde,

weg von dem ganzen

Wust des so beschissenen Lebens.

 

Das kann ich tun.

Dann ich nehme mich immer

selber dorthin mit, wo

ich mich endlich in vermeintlicher

Sicherheit glaube.

Und auch die anderen nehme ich mit.

Uneingestandene Krisen und Probleme

nehme ich mit.

Der Wust des Lebens lässt

sich nicht so einfach unter den Teppich

kehren.

 

Einfach Davonlaufen,

das geht nicht.

Ich muss mich

den Herausforderungen stellen.

Wenn nicht im ersten Augenblick,

dann später.

Ich muss mich aussprechen können.

Ich muss auf den anderen hören wollen.

Ich muss zur Versöhnung bereit sein wollen.

Ich muss nach Lösungen suchen wollen.

Und die gibt es immer.

Selbst wenn ich selber

dafür kein Auge habe.

Vielleicht hilft dabei

etwas anderes.

Ein anderer?

 

Josef bekommt Hilfe im Traum.

Im Schlaf löst sich das Problem auf.

„Der Herr schenkt es dem Josef im Schlaf.“

 

Den Schlaf,

den Traum

sollten wir nicht unterschätzen.

Ich weiß manche

können vor Problemen

kein Auge mehr zutun.

Und wenn sie träumen,

dann sind es zumeist Albträume,

die sie am nächsten Tag

belasten. Manchmal so sehr,

als hätten sie die ganze Nacht

durchgemacht.

Andere schlafen einfach

drüber und am nächsten Tag

ist alles klar.

Beherzt packen sie zu.

Ermutigt tun sie das,

was getan werden muss.

 

Das hatte

er sich so gedacht:

Sich heimlich davonstehlen.

Die Tür hinter sich schließen und weglaufen.

Einfach gehen. Ganz gleich wohin,

nur weg von hier.

 

Josef bleibt.

Das hat er Gott zu verdanken.

Der schickt ihm einen Engel.

Der Engel sagt Josef,

was er zu tun und zu lassen hat.

Von höchster Stelle gestärkt

und vergewissert,

stellt er sich der Herausforderung.

Josef nimmt Maria

zur Frau.

 

Das Evangelium heute

erzählt davon.

Aber noch mehr vom

Eingreifen Gottes in den Lauf

der Dinge,

des Lebens,

der Welt.

 

Rechne ich damit?

Dass Gott sich einmischt?

Dass Gott eingreift,

- wenn ich selber nicht mehr ein noch aus weiß?

- wenn es nur noch zum Davonlaufen ist?

- wenn ich nur noch das Weite suchen will?

- wenn sich der ganze Wust meines Lebens vor

meinen Füßen ausbreitet und ich nicht weiß,

wohin mit allem?

 

In einem Gedicht lese ich:

 

Du Gott-mit-uns,

der mit uns geht,

der zu uns steht,

der in uns lebt.

 

Du Gott-mit-uns,

der nicht mehr thront,

der bei uns wohnt,

der sich nicht schont.

 

Du Gott-mit-uns,

der sich ganz gibt,

der liebt und liebt –

und uns in seine Liebe

zieht.                 Wolfgang Steffel

 

 

Gott mischt sich ein.

Wo immer wir aus eigenen

Kräften und Möglichkeiten

nicht mehr weiterkommen

und nur noch davonlaufen wollen.

Gott mischt sich ein.

In seinen Sohn und durch ihn.

Gott mischt sich ein

in den Lauf der Dinge,

in das Geschehen dieser Welt,

in mein eigenes Leben.

Hierin will er zur Welt

kommen. Jeden Tag aufs Neue.

 

Wenn ich es zulassen will.

Wenn ich mich darauf einlassen will.

Wenn ich ihm vertrauen will.

Wenn ich es mit ihm wagen will.

 

Dann wird alles gut.

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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