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Einfache Dinge tun

Christ König Sonntag

 

 

Wo werden wir zu stehen

kommen?

Auf der rechten Seite?

Auf der linken Seite?

 

Die Vorstellung, dass diesbezüglich

eine permanente Unsicherheit

bis zu meinem Lebensende bestehen

soll, ist geradezu angsteinflößend.

 

Von wegen Frohbotschaft!

Die Worte lasten schwer auf mir.

Sie lassen mich nervös

werden und mich konstant die

Frage stellen, ob ich denn

in meinem Leben tatsächlich

alles richtig gemacht hat

und noch machen werde.

 

Habe ich nicht.

Werde ich nicht.

Hat wohl keiner.

Wird wohl keiner.

Weder Sie

noch ich.

 

Das liegt an der Tatsache,

dass wir immer etwas schuldig

bleiben, selbst wenn wir meinen,

unsere Schuldigkeit getan zu haben,

dem anderen Menschen gegenüber,

auch sich selber gegenüber,

schlussendlich Gott gegenüber.

 

Das ist so.

Das bleibt so.

Und ich frage mich:

 

 

Gibt es etwas,

das dem Ganzen den Druck

nimmt?

Etwas, das mich nicht

so angespannt sein lässt,

was diese letzten Dinge

meines Lebens betrifft?

 

Damit sie mich

richtig verstehen:

Den Druck nehmen.

Nicht die Ernsthaftigkeit

dieser Worte einschränken.

Das wäre nämlich zu einfach.

Das wäre nicht im Sinne

ihres Erfinders …,

 

… denn der meint es durchaus

ernst, sehr ernst, wenn es darum geht,

seine Verantwortung gegenüber

Dritten nicht aus dem Blick

zu verlieren.

 

Und der, der das so meint

hat nicht nur selber einen

Blick für die Armen und die Kranken,

für die Ausgestoßenen und die Sünder

hat, sondern reiht sich zudem

selber in die Reihe derer ein.

 

Übrigens

begibt er sich auch an unsere Seite,

bückt sich uns entgegen,

kommt zu uns,

weil auch wir

irgendwo und irgendwie

hungern und dürsten,

fremd und ohne ein festes Zuhause,

krank und gefangen sind.

In einem übertragenen Sinn

zumeist. Aber auch ganz real.

Und er tut dies,

indem er sich der

Menschen bedient.

Auf uns baut.

 

Die Süddeutsche Zeitung                                                  

berichtete dieser Tage

von einem Bischof, den Papst

Franziskus ganz offiziell

die Aufgabe übertragen

hat, sich der Armut in der Stadt

und der Menschen anzunehmen,

die davon betroffen sind.

Das tat dieser dann auch.

Konkret sah es so aus:

 

Auf seinem Weg durch die Stadt Rom

traf er auf einen Obdachlosen.

Er sprach ihn an. Er fragte ihn,

wie es ihm denn ginge.

Der Mann freute sich über diese

Begegnung und gestand, dass er

an diesem Tag seinen fünfzigsten

Geburtstag feiern würde.

 

Der Bischof wollte ihn zum Essen

einladen. Der Mann aber lehnte ab:

„So kann ich doch in kein Restaurant gehen!

Ich stinke.“

Am Ende saßen sie doch

in einem Restaurant

und aßen miteinander.

 

Bei dem Austausch der Beiden kam heraus,

dass es für die Obdachlosen in der Stadt

zu wenige Möglichkeiten zum Duschen gibt.

Entweder seien die wenigen Duschen, die da sind

und zur Verfügung stehen, überfüllt

oder aber sie kosten etwas,

was sich wiederum keiner leisten kann.

                                                                                               

Den Bischof ließ dies nicht unbeeindruckt.

Er veranlasste nach Rücksprache mit

dem Papst, die Einrichtung von Duschen

und Waschmöglichkeiten unter den Bernini-

Kolonnaden am Petersplatz.

 

„Wir geben den Menschen die Würde

zurück, wenn sie sich wieder waschen können“,

meint der Bischof.

Auch Spender hat er aufgetrieben.

Der Rest kommt aus den Kassen des Papstes.

Zehn weitere Pfarreien konnten dazu motiviert,

weitere Duschen einzurichten.

Und auf die Frage: „Wer zahlt?“

gab’s zur Antwort:

„Der Papst.“

 

Und ein neues Projekt gibt es auch schon.

Der Bischof möchte Friseurschüler dafür gewinnen,

Obdachlosen in den kirchlichen Bädern

Bart und Haare zu schneiden.

 

Spüren Sie?

Jetzt werden die Worte des Evangeliums

konkret. Sie bekommen Hand und Fuß:

 

„Ich war durstig und ihr habt mir zu trinken

gegeben; ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen;

ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben;

ich war krank und ihr habt mich besucht;

ich war im Gefängnis und ihr habt mich besucht“

 

Das Evangelium sagt:

„Heute müssen wir einander helfen

und beistehen. Nicht erst morgen.“

Dabei sind es nicht die großen Dinge,

die entscheidend sind. Es geht darum,

die kleinen Dinge zu tun,

wenn es darum geht, dem Menschen

seine Würde zu erhalten.

Ob dies nun die Obdachlosen in Rom,

die vielen Flüchtlinge in unserem Land,

Betroffene in der eigenen Familie

oder im eigenen Bekanntenkreis sind.

 

Von Herman Coenen stammt

der folgende Gedanke, der mit

den Worten „Einfache Dinge tun“

überschrieben ist:

 

Nicht die Sterne vom Himmel holen.

Nicht den Weltraum erobern.

Nein, einfache Dinge tun:

Dem Kollegen Feuer reichen.

Den Kopf des Kindes streicheln.

Mir die schnippische Antwort verkneifen.

Die Mutter zum Essen einladen.

 

Nicht große Vorsätze fassen.

Nicht die Welt verändern wollen mit einem Schlag.

Nein, einfache Dinge tun:

Nicht so oft sagen: Keine Zeit.

Nicht alles selbstverständlich nehmen.

Danke sagen. Signale geben. Eine Blume schenken.

 

Nicht den Mund so voll nehmen.

Nicht Plakate kleben, egal für welche Partei.

Nein, einfache Dinge tun:

Die weggeworfene Zigarettenschachtel aufheben.

Keine Picknickreste im Wald liegenlassen.

Den Brief endlich beantworten.

Die fällige Ausspräche nicht aufschieben.

Oma besuchen, ohne Nebenabsichten.

Ein schönes Stück Holz suchen im Wald

und es der Freundin als „Osterei“ schenken.

 

Einfache Dinge tun.

Einfache Dinge tun.

 

Sollte es tatsächlich so einfach sein?

Sollten wirklich diese kleinen Dinge

entscheidend dafür sein,

wo wir am Ende unseres Lebens

zu stehen kommen?

Sie und ich?

 

Nicht mehr

aber auch nicht weniger

verlangt unser Gott von uns.

Darauf dürfen wir bauen.

Das nimmt den Druck

und schmälert nicht den Ernst

der Worte.

 

Nur anfangen,

damit müssen wir.

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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