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Dürsten und kein Wasser haben

Joh 4,5-42

 

 

Von der

bestehenden Feindschaft

zwischen Juden und Samaritern

könnte ich erzählen.

Ich könnte davon erzählen,

wie wenig eine Frau

in der jüdischen Gesellschaft

anerkannt war,

wenn sie keine Kinder

haben konnte.

Allein die Tatsache,

dass eine Frau mit so vielen Männern

verheiratet gewesen war,

ist für einen Juden

einer Nachfrage wert.

Aber das scheinen

mir nicht die Themen zu sein,

die uns das Evangelium

wirklich vorgibt

und die für unser eigenes Leben

interessant sein könnten.

 

Lassen sie mich

also davon erzählen,

wie Begegnungen Menschen

verändern können.

Lassen sie mich

davon erzählen,

wie Begegnungen einen Menschen,

der zuvor wie vom Leben abgeschnitten war,

auf einen ganz neuen Weg setzen können.

Lassen sie mich davon erzählen,

wie ermutigend Begegnungen sein können

und bereichernd und wie sehr sie einem Menschen

wieder dazu verhelfen können,

sein Leben in Griff zu bekommen

und an den Wert

des eigenen Lebens zu glauben.

 

Die Geschichte

von der Frau am Jakobsbrunnen

scheint mir dafür

der beste Beweis zu sein.

In ihr begegnet uns ein Mensch,

dessen Leben sich sehr eintönig darstellt.

 

Sie versorgt ihren Haushalt.

Sie kümmert sich um das,

was täglich anfällt und zu tun ist.

Der Begegnung mit anderen

Menschen geht sie aus dem Weg.

Das zeigt sich daran,

dass sie in der Mittagszeit

zum Brunnen geht,

zu einer Zeit also,

wo andere Menschen die Hitze meiden.

Auch darüber hinaus

scheint diese Frau vom Leben

und dem,

was es ihr zu geben hat,

wenig erfüllt zu sein.

 

Begegnungen

können Menschen verändern.

Jesus bewirkt diese Veränderung.

Zunächst schenkt er

der Frau seine ungeteilte Aufmerksamkeit.

Er spricht sie an.

Er bittet sie um einen Schluck Wasser.

Die Frau verspürt vielleicht

seit Langem wieder einmal:

Da ist jemand,

der gibt er mir zu verstehen,

dass er mich meint.

Da ist jemand, dem kann ich etwas tun.

Da ist jemand, der meidet mich

nicht aufgrund

meines Lebenswandels.

 

Allen Bedenken zum Trotz

lässt sie sich auf den Mann

am Brunnen ein.

Ein Gespräch entwickelt sich.

Es reicht tiefer.

Es geht um das, was den Menschen

in seiner Sehnsucht nach Annahme und Liebe,

in seinem Durst nach Leben,

wirklich erfüllen kann.

Diesen Durst trägt die Frau

in ihrem Herzen.

Jesus weiß darum.

Jesus spürt das.

 

Er weiß auch um das Schicksal der Frau

und wie sehr ihr das Leben,

vor allem doch die anderen Menschen

mitgespielt haben.

Doch damit ist es jetzt vorbei!

 

Wonach sie sich immer

wieder gesehnt hat,

das wird ihr jetzt geschenkt:

Annahme und Verstehen,

Liebe und Aufmerksamkeit,

Wertschätzung und Wohlwollen,

Respekt und Würde.

All das eben,

was der Mensch braucht,

um leben zu können.

So wird Jesus selber

zum lebendigen Wasser,

das der ausgetrockneten Seele

der Frau Nahrung gibt.

 

Nur zu verständlich

erscheint die Bitte der Frau:

Herr, gib mir dieses Wasser,

damit ich keinen Durst mehr habe

und nicht mehr hierher kommen muss,

um Wasser zu schöpfen. (Joh 4,15)

 

Begegnungen

können Menschen verändern.

Die in Pakistan lebende

Lepraärztin Ruth Pfau hat einmal gesagt:

Das Aufregendste

im Leben finde ich überdies,

jemanden zur Selbstverwirklichung,

zum Blühen

oder zur Entfaltung zu bringen.

 

Nun gibt es aber

auch diese Erfahrung:

Dass Begegnungen einen Menschen

am Leben hindern können.

Menschen können in Begegnungen

mit anderen Menschen

so sehr in ihrer persönlichen

Lebensentfaltung eingeengt werden,

dass ihnen die Luft zum Atmen fehlt.

Unliebsame Begegnungen

können einen Menschen verletzen.

Begegnungen,

denen es an Respekt und Anerkennung

und Wertschätzung fehlt,

schaden der Seele eines Menschen.

 

Wilhelm Willms schreibt einmal:

 

Wusstest du schon,

dass die Nähe eines Menschen

gesund machen

krank machen

tot oder lebendig machen kann.

 

Wusstest du schon,

dass die Nähe eines Menschen gut machen

böse machen

traurig und froh machen kann.

 

wusstest du schon,

dass das Wegbleiben eines Menschen

sterben lassen kann

dass das Kommen eines Menschen

wieder leben lässt.

 

wusstest du schon,

dass die Stimme eines Menschen

einen anderen Menschen wieder aufhorchen lässt

der für alles taub war.

 

wusstest du schon,

dass das Wort oder das Tun eines Menschen

wieder sehend machen kann

einen, der für alles blind war,

der nichts mehr sah,

der keinen sinn mehr sah in dieser Welt

und in seinem Leben.

 

Ich bin davon überzeugt,

dass vor allem in der Begegnung

mit einem anderen Menschen

der Mensch zu seinem wahren Kern finden kann,

zum Leben eben.

 

Der jüdische Philosoph

und Theologe Martin Buber sagt es einmal so:

Der Mensch wird am Du zum Ich.

Das Du begegnet mir. Ich werde am Du.

Ich werdend spreche ich Du.

Alles wirkliche Leben ist Begegnung.

 

Nachweislich sind aber gerade

heute immer mehr Menschen

zu einer echten und wirklichen

Begegnungen nicht mehr fähig.

Sie sind zu sehr mit sich selber beschäftigt,

was ein fiktives Gespräch

zwischen zwei jung vermählten

Menschen zeigt:

 

Es war eine wunderbare Hochzeitsfeier.

Ein strahlendes Brautpaar,

fröhliche Gäste,

erlesene Speisen und Getränke,

wertvolle Geschenke.

Eine unvergessliche Hochzeitsreise schloss sich an.

Auf der Rückfahrt bemerkte die junge Frau ihrem Mann gegenüber:

 

„Ich danke dir für alles, für deine Liebe, dafür, dass ich

zu dir gehören und mit dir verbunden sein kann.

Aber nun möchte ich doch wieder lieber in meine alte Wohnung,

in meinen alten Beruf, zu meinen alten Freunden.

Ich möchte schon deine Frau sein,

aber doch lieber für mich leben!

Ich komme einmal in der Woche zu dir.

Wenn ich dich brauche, rufe ich dich an.

Aber sonst möchte ich allein klarkommen.

Wenn ich krank bin oder Geld brauche,

in Schwierigkeiten stecke oder nicht mehr weiter weiß,

melde ich mich sofort bei dir.

ich bin ja so froh, dass ich einen guten Mann habe.

Aber ich möchte meinen Lebensalltag

doch gern allein bestimmen.

Wenn ich später einmal sterbe,

möchte ich natürlich ganz in dein Haus kommen.

Aber ich hoffe, dass dies noch sehr lange dauert.

 

„So geht es nicht!“

lautet bezeichnender Weise

die Überschrift zu diesem Gespräch.

 

Was Jesus der Frau am Jakobsbrunnen

schenkt und was diese Frau wieder zum Leben zurückfinden lässt:

Annahme und Verstehen,

Liebe und Aufmerksamkeit,

Wohlwollen und Respekt,

müssen wir Menschen wieder lernen,

einander zu geben.

 

Unserer Gesellschaft,

in der viele Menschen nur sich

selbst verwirklichen wollen

und dabei stets nur ihre eigenen Interessen

im Auge haben,

kommt ansonsten ihre

soziale Lebensqualität abhanden.

 

Ja, wir werden immer mehr

an dieser Lebensqualität verlieren,

je weniger es uns gelingt,

den sich ausbreitenden Egoismus

des Menschen zu stoppen

und uns auf das zu besinnen,

was das wirkliche Leben ausmacht

und ihm seine Qualität zurückgibt:

die offene und wohlwollende,

die bedingungslose und wertschätzende

Begegnung unter Menschen.

Anders geht es nicht!

 

Es bleibt zunächst

unsere Aufgabe,

das Wasser zu reichen,

das der ausgetrockneten Seele

unseres Nächsten

Nahrung gibt.

 

Ich bin mir gewiss,

dass wir selber dabei reichlich schöpfen dürfen,

denn jede wirkliche Begegnung

ist ein gegenseitiger Austausch

an Wohlwollen und Achtung,

an Liebe und Verstehen,

an Wertschätzung dem anderen gegenüber

und ein sich gegenseitiges Wünschen,

dass der andere Mensch Leben habe.

 

Davon wollte ich Ihnen gerne erzählen

und auch davon, dass Gott selber will,

dass der Mensch lebe und dass er dieses Leben finde

in der Begegnung mit Jesus Christus,

der auch für jeden von uns lebendiges Wasser

sein will.

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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