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Wer sucht hier wen?

Lk 15,1-32

 

 

 

Wer sucht hier eigentlich wen?

Sucht Gott den Menschen

oder sucht der Mensch Gott?

 

Ausgehend von den beiden Erzählungen

liegt die Antwort auf der Hand:

Der Hirt sucht das verlorene Schaf.

Die Frau sucht die verlorene Drachme.

Gott sucht den Menschen.

 

„Adam, wo bist du?“

ruft Gott in den Garten Eden hinein.

Gott hält Ausschau nach dem Menschen.

Der Mensch ist zunächst

ein von Gott Gesuchter.

Nicht der Mensch geht Gott nach,

sondern Gott läuft dem Menschen

hinterher und der Mensch bleibt

zuallererst ein Anliegen

Gottes.

 

Aber gilt nicht auch das Umgekehrte,

dass der Mensch Gott sucht?

Unaufhörlich.

Oftmals ganz unbewusst

in seiner Suche

nach Sinn und Zufriedenheit,

nach Orientierung und Halt,

nach Erfüllung und Leben.

 

Vom anonymen Christentum sprach einst

der Theologe Karl Rahner

und zeigte auf die vielen

unbewusst Gott Suchenden hin,

wenn sie nach Sinn und Zufriedenheit,

nach Orientierung und Halt,

nach Erfüllung und Leben fragten,

die Antwort auf ihre Fragen aber

nicht in Gott, dem Gott der Christen,

vermuteten und erkannten.

 

Seit dem Karl Rahner das Wort

vom anonymen Christen geprägt hat,

hat sich kaum Grundsätzliches in unserer

Gesellschaft unter den Menschen verändert.

Viele Menschen sind immer noch auf

der Suche nach dem, was ihrem Leben

die letzte Vergewisserung schenkt,

dass es gut ist und Sinn hat, gelebt zu

werden.

Aber jene Menschen verrennen sich

oftmals in Antworten auf die Fragen

des Lebens, die auf Dauer

nicht tragen und halten,

was sie auf den ersten Blick hin versprechen.

Insbesondere dann nicht,

wenn es sich um die entscheidenden Fragen

handelt, die mit dem Leben verbunden sind:

der Frage, was schlussendlich

das Glück des Menschen ausmacht,

der Frage nach dem Leid,

der Frage nach dem Sterben,

der Frage nach dem Tod

und danach, was nach dem Tod

komme.

 

Ich durfte vor wenigen Jahren

solchen Menschen begegnen.

Ja ich durfte sogar eine längere

Zeit im Rahmen einer Ausbildung

mit ihnen zusammen verbringen.

Junge Menschen.

Menschen, denen das System Kirche,

nahezu unbekannt gewesen ist;

Menschen, die ihre berechtigte Kritik

an der kirchlichen Institution und ihrer Vertreter

äußerten;

Menschen, von denen manche noch nie

mit dem christlichen Glauben

in Berührung gekommen sind

und die daher ein unglaubliches

Interesse an diesem Glauben hatten,

Menschen, die schon lange aus Enttäuschung

und Verbitterung der Kirche den Rücken zugekehrt

hatten.

 

Die Tage mit ihnen

waren bereichernde Tage

für mich gewesen.

Ich hatte

mich mit ihnen sehr wohlgefühlt.

Das lag zweifelsohne an ihrer

lebensbejahenden Art, an ihrer

grundlegenden Freude und Dankbarkeit

und Zufriedenheit dem Leben gegenüber,

an ihrem Wohlwollen

und der Achtung und Wertschätzung,

die sie anderen Menschen entgegenbrachten.

 

Und das lag vor allem daran,

dass ich unter ihnen ein so großes Interesse

an den entscheidenden Fragen des Lebens

vorfand und mich ganz persönlich

in meinem eigenen christlichen Glauben

angefragt sah, wie ich dies innerhalb

unserer Kirche noch nie erleben durfte.

 

Das hat mich zutiefst beeindruckt.

Und dass ich, mit meinem Glauben

in einer Art und Weise

herausgefordert wurde,

wie ich es in unserer Kirche

schmerzhaft vermisse.

Ganze Nächte haben wir

miteinander durchdiskutiert,

einander zu verstehen versucht,

schließlich einander verstanden

und angenommen.

 

Am Ende dieser gemeinsamen Tage,

stellte ich für mich fest, dass sich Gott

und das Wirken seines Heiligen Geistes

anscheinend mehr außerhalb unserer

Kirche ereignet, als innerhalb,

ihres Systems, dort eben,

wo man es am meisten

vermuten möchte.

Und das machte mich sehr traurig.

 

In den Worten eines Mannes,

der unlängst einen Leserbrief

in einer christlichen Wochenzeitung

veröffentlichte, finde ich mich

mit meiner Wahrnehmung

durchaus wider:

 

Es werden Glanz und Eitelkeit

zur Schau gestellt in Rom,

in Bischofspalästen und an Altären.

Fragen wird ausgewichen,

weil man keine Antworten weiß …

Es wird dann lieber ein durchaus

fröhliches Pfarrleben praktiziert

mit Eucharistiefeiern, mit Wallfahrten,

Prozessionen, mit Reisen, Pfarrfesten,

Basaren und so weiter.

In diesem heimeligen Milieu lässt

sich ohne Tiefgang gut katholisch sein.

Man macht mit und fühlt sich

unter alten Freunden und Bekannten

und in Pastoren-Nähe gut aufgehoben.

 

Ich bin der festen Überzeugung,

dass viele Menschen,

nach denen wir in unseren Kirchen

und Gemeinden vergeblich Ausschau halten,

unbewusst mehr

nach Gott suchen und fragen,

als dies macheiner von uns in

der Kirche tut.

Und ich bin des festen Glaubens,

dass Gott in ihren Reihen oftmals

mehr zu verspüren ist, als

in unseren Gottesdiensten

und in unseren gemeinsamen Gebeten

und in den vielen Bemühungen

um die Zukunft unserer Kirche,

die uns oftmals nur noch um uns selber

kreisen lassen, aber nicht mehr um

die wirklich entscheidenden Dinge

des Glaubens und des Lebens.

 

Und ich freue mich für diese Menschen

weil sie unbewusst das leben,

was viele andere Menschen,

vermeintliche Gutchristen,

in unserer Kirche vom Evangelium

noch längst nicht verstanden haben.

 

Wer sucht hier eigentlich wen?

Sucht Gott den Menschen

oder sucht der Mensch Gott?

 

Ich glaube, dass es das Eine ohne

das Andere gar nicht geben kann.

Dass es zwar immer zuerst Gott ist,

der sich auf die Suche nach dem Menschen

begibt, auch außerhalb eines Systems,

das wir Kirche nennen, dass sich aber

zugleich der Mensch von Gott

finden lassen muss,

vielleicht ausgerechnet jener,

der sich innerhalb der Kirchenmauern

so sicher fühlt und unanfechtbar

und sich selber

zu den scheinbar Gerechten zählt.

 

Des Menschen Suche nach Gott

beginnt dort, wo er nach dem

wirklichen Leben fragt,

nach den bleibenden und tragenden

Antworten sucht

und um Wahrhaftigkeit in seinem

Leben bemüht ist.

Des Menschen Suche vollendet sich

schließlich, wenn er sich von Gott

finden und sich von ihm her

vergewissern lässt,

dass es gut ist,

dass er ist

und dass sein Leben Sinn hat,

eine feste Richtung und ein Ziel.

 

„Unruhig ist unser Herz,

bis es ruht in Gott!“ meint Augustinus.

Er weiß, wovon er spricht,

denn auch er war ein Umhergetriebener

auf der Suche nach der Wahrheit

bis zu dem Augenblick,

wo er Gott gefunden hatte.

Oder Gott ihn?



Wenn es stimmt,

dass Gott dem Menschen entgegenkommt,

kann kein Leben auf dieser Erde bedeutungslos sein.

Das gilt es zu begreifen,

wenn wir verstehen wollen,

warum Jesus sich mit Sündern abgibt

und sogar mit ihnen isst.

Das gilt es zu begreifen,

weil es uns dann nicht mehr so schwer fällt,

Gott zu finden, wenn wir uns selber suchen

lassen von ihm.

 

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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