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Vom Kreuztragen und anderen Lasten des Lebens

Lk 9,18-24

 

Vom Kreuz ist die Rede.

Davon, dass man das Kreuz

auf sich nehmen soll.

Von der Nachfolge ist die Rede,

davon, dass man sich selbst verleugnen soll.

Und schließlich ist die Rede davon,

dass wer an seinem

Leben festhält, dieses verlieren wird.

 

Diese Worte wiegen schwer.

Sie haben etwas Berückendes an sich.

Und: Sie fordern zunächst einmal dazu heraus,

sich gegen sie aufzulehnen.

Sie abzuwehren.

Sie erst gar nicht richtig hören zu wollen.

 

Wer greift schon gerne aus

nach dem Kreuz?

Wer nimmt sich tatsächlich gerne

mit seinen Bedürfnissen zurück?

Und wer hält nicht an dem bisschen Leben,

das ihm geschenkt ist, fest?

 

Dabei wissen wir nur zu gut,

dass jeder Mensch sein Kreuz zu tragen hat.

Dieses Päckchen, das einmal leichter und ein anderes Mal

schwerer auf seinen Schultern wiegt und lastet.

Und dass nicht alle Sehnsüchte, die der Mensch

in seinem Herzen mit sich trägt, Erfüllung finden.

Und wie schnell es aus und vorbei sein kann

mit diesem bisschen Leben.

 

Viele Menschen in vielen Teilen der Welt

tragen heute eindeutig das Kreuz.

Für die in großer Armut Lebenden

ist es das Kreuz himmelschreiender

sozialer Ungerechtigkeit.

Wir in den Wohlstandsländern tragen eher

das Kreuz zerbrochener Beziehungen

und angeknackster Psychen.

Und allen gemeinsam ist,

dass sich dieses für die meisten

nicht wie das Kreuz anfühlt,

sondern ganz einfach nur als Leiden.

 

Der Mensch leidet:

Unter Armut.

Unter Angst.

Unter Beziehungslosigkeit.

Unter Einsamkeit.

Unter Verständnislosigkeit.

Unter Ausgrenzung.

Unter Ablehnung.

Unter Stress.

Unter Krankheit.

An dieser Welt.

An den anderen.

Und: An sich selber.

 

Jede Zeit hat ihre eigenen Leiden.

Jeder Zeit kennt ihre eigene Art Leiden.

Im Glauben geht es um die Frage,

was man aus seinem Leiden macht.

 

Richard Rohr, der in seinem neusten Buch

eine Art Selbstbesinnung des Christentums

in der Gegenwart unternimmt, meint:

 

Wir haben es verlernt mit dem Leiden etwas

anfangen zu können. Die Spiritualität,

der „Umsetzer“, der aus dem Leiden etwas

Besseres macht, scheint in Vergessenheit

geraten zu sein.

In einer Kultur, ohne transzendente Mitte,

gibt es niemanden mehr, dem man sein Leiden

übergeben kann.

In einer Kultur ohne das starke Bild

von Kreuz und Auferstehung

hat unser Leiden allen Sinn verloren.

(vgl. R. Rohr, Hoffnung und Achtsamkeit, S. 39)

 

In der Tat:

Wenn ein Mensch nicht mehr weiß,

dass es Gott gibt,

dass er gut ist,

er ihm vertrauen kann

und er auf seiner Seite ist,

bekommt er offensichtlich gewaltige

Probleme.

Sein Schmerz schießt dann in alle Richtungen

und überall nur ins Leere.

In dieser Verfassung sind viele Menschen heute.

 

Und deshalb weichen sie dem Kreuz aus

und dem Leiden.

Und deshalb wollen sie möglichst

viel vom Leben mitbekommen,

das, was Spaß macht,

das, was ablenkt von den Problemen

der anderen und auch den eigenen.

Und deshalb hängen sie so sehr

an diesem bisschen Leben,

das sie haben.

 

Wir haben es verlernt mit dem Leiden etwas

anfangen zu können.

 

Jesus selbst lässt sich im Augenblick

seines größten Schmerzes auf Gott hin los.

Er empfiehlt sich uns sein ganzes Schicksal

in Gottes Hand. Das ist seine Weise,

mit seinem Leid etwas anzufangen.

 

Diese selbstlose Hingabe

an etwas unendlich Größeres

ist ziemlich selten.

Aber wenn sie geschieht, geht machtvoll

heilende und versöhnende Wirkung von

ihr aus.

Dann geschieht Ostern,

dann geschieht Pfingsten

dann geschieht Auferstehung

mitten am Tag.

Dann beginnen wir zu ahnen und zu erfahren,

was Gott mit unserem Leben gemeint hat,

als er es schuf.

 

In ein und demselben Moment,

geben wir uns Gott hin,

sterben uns selbst

und er-stehen zum großen Leben.

 

Wir haben es verlernt mit dem Leiden etwas

anfangen zu können.

 

Jesus lädt uns an anderer Stelle dazu ein,

mit all dem, was schwer auf uns niederliegt,

mit dem ganzen Wust unseres Lebens,

mit dem, was uns immer wieder so sehr in

die Tiefe reißt und am Leben und an Gott

fast verzweifeln lassen will, zu ihm zu kommen.

Kommt all zu mir, die ihr euch plagt und

schwere Lasten zu tragen habt,

ich werde euch Ruhe verschaffen.

Nehmt euer Joch auf euch

und lernt von mir. (Mt 11,28ff)

 

Und er lädt uns ein, der Vision

zu trauen, die wir alle in unseren Herzen tragen

und die von einem neuen Himmel und einer

neuen Erde erzählt,

davon, dass Gott in unserer Mitte wohnen wird,

dass es dann keinen Tod mehr geben wird

und keine Klage und keine Mühsal,

und keine einzige Träne mehr

(Offb 21),

und dass Gott selbst aus unserem Leid

ein Besseres machen wird.

 

Das setzt voraus,

… dass wir lernen, mit unserem Leiden etwas anzufangen

und dass wir auf Dauer der Erfahrung des Kreuzes

nicht ausweichen dürfen, wenn wir tatsächlich Erlösung erfahren

wollen.

… dass wir uns darüber im Klaren sind,

was es auf sich hat mit unseren eigenen Bedürfnissen

und dem Verlangen nach ihrer Befriedigung

und dass wir nicht immer alles erreichen können,

manchmal auch nicht erreichen dürfen.

… dass wir das Leben mit seinen Grenzen

und Bedingtheiten anzunehmen bereit sind

und daran glauben, dass einer diese Grenzen

zu überwinden vermag, einer,

der am Ende unseres Lebens zu uns sagen wird:

 

Seht, ich mache alles neu.

Wer durstig ist, den werde ich umsonst

aus der Quelle trinken lassen,

aus der das Wasser des Lebens strömt.

Ich werde sein Gott sein und

er wird mein Sohn sein. (Offb 21)

 

Zugegeben ein hoher Preis

und eine Herausforderung an den glaubenden

Menschen allemal,

aber nur so können wir

Rettung erfahren

und das Leben gewinnen.

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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