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Sprich mir vom Glauben

Hebr 11,1-2,8-19

 

 

 

 

Ich glaube an Gott.

Ich glaube an Jesus Christus, seinen Sohn.

Ich glaube an den Heiligen Geist.

Ich glaube an die Auferstehung der Toten.

Ich glaube an das ewige Leben.

Ich glaube.

 

In jedem Gottesdienst

bringen wir diesen Glauben ins Wort.

Die Liturgie unserer Kirche

hält dafür die unterschiedlichsten

Riten und Bräuche,

Erzählungen und Symbole,

Bilder und Feste

und vor allem Gebete bereit.

 

Ich glaube.

Glauben heißt „nicht wissen“.

In der Tat:

 

Dass Gott der Schöpfer aller Dinge ist,

dass alles Leben in seiner Hand geborgen

und aufgehoben bleibt, das können wir nicht wissen.

Das ist eine Sache des Glaubens.

Dass Gottes Liebe so unendlich groß ist,

dass er dem Menschen nahekommt

in seinem Sohn

und er in ihm Mensch unter Menschen wird,

das können wir nicht wissen.

Das ist eine Sache des Glaubens.

Dass Jesus den Menschen mit dem erfüllt,

wonach er sich in der Tiefe seines Herzens sehnt,

dass er durch sein Sterben und seinen Tod

und seine Auferstehung uns allen die Hoffnung

auf ein neues Leben schenkt, das können wir nicht wissen.

Das ist eine Sache des Glaubens.

Dass Gottes Geist in uns am Wirken ist,

dass er uns bereit macht zur Vergebung,

zur Liebe befähigt,

dass er Beistand ist auf all den Wegen,

die uns unser Leben führt,

das können wir nicht wissen.

Das ist eine Sache des Glaubens.

 

Ich glaube.

Glauben heißt „nicht wissen“.

Diesen Glauben zu bewahren,

an ihm nicht irre zu werden,

darin liegt die größte Herausforderung

für uns Christen spätestens doch

seit der Aufklärung

und des Zusammenbruchs

des Weltbildes der Antike

und des Mittelalters.

 

Seit Kopernikus

und Kepler wissen wir:

Die Erde ist nicht mehr

der kosmische Mittelpunkt der Welt,

um den sich alles dreht.

Darwin entwickelte

im letzten Jahrhundert die Lehre

von der Evolution des Lebens,

auch des menschlichen Lebens.

Damit war die bisherige Vorstellung

von einer unmittelbaren Erschaffung des Menschen

durch Gott für viele erschüttert.

Freud entdeckte das Tiefenbewußtsein des Menschen.

Die Frage nach der menschlichen

Freiheit und Verantwortung war damit neu gestellt.

Immer mehr glaubten den modernen Wissenschaften,

meinten, die Welt ohne Gott erklären zu können.

Gott scheint entbehrlich geworden zu sein.

Der Mensch glaubte mündig geworden zu sein,

um die Welt aus sich selbst erklären

und gestalten zu können.

 

In der Religionskritik

meinte der Mensch auch den Gottesglauben

erklären zu können:

als Wunschbild und Wunscherfüllung des Menschen,

als Ausdruck und Rechtfertigung einer schlechten Welt,

als Vertröstung und als Opium des Volkes.

So wurde Gott für tot erklärt,

nicht nur im Namen der Wissenschaften,

sondern auch im Namen des Menschen

und seiner Freiheit.

 

Ich glaube.

Glauben heißt „nicht wissen“.

Und weil dem so ist,

ist auch kein Mensch sicher vor Erfahrungen,

die ihn haltlos sein lassen,

Die ihm den Boden unter den Füßen wegziehen wollen

und für ihn diesen Glauben in Frage stellen,

wenn nicht sogar gänzlich unmöglich

machen:

 

Wenn Gott das Leben des Menschen will,

wie kann er dann soviel Grausamkeit

und Böses unter Menschen zulassen?

Wenn Gott das Leben des Menschen will,

wie kann es dann sein,

dass Menschen an ihrem eigenen Schicksal

und an dem der anderen oftmals verzweifeln müssen?

Wenn Gott das Leben des Menschen will,

wie kann er es dann erlauben,

dass sich Leid und Sterben und Tod

wie ein dunkler Schatten

auf unser Leben legen?

 

Ich glaube.

Glauben heißt „nicht wissen“.

Paulus meint:

Glaube ist: Feststehen in dem, was man erhofft.

Überzeugt sein von den Dingen, die man nicht sieht.

 

Was ist das Fundament meines Lebens?

Woran mache ich mich fest?

Was gibt mir Halt,

dann wenn um mich herum alles haltlos zu sein scheint

und ich selber anfange,

den Boden unter meinen Füssen zu verlieren?

Worin liegt für mich der Grund der Hoffnung,

die mich angesichts der vielen Ungereimtheiten

menschlichen Lebens und dieser Welt,

nicht verzweifeln lässt?

 

Die bittere Erfahrung,

die ich als Mensch in dieser Welt machen muss ist die:

Nichts in dieser Welt kann mein Alles sein

und mir letzten Halt geben.

Denn alles, was mir begegnet ist endlich

und begrenzt, unvollkommen und vergänglich.

 

Ich glaube.

Glaube ist: Feststehen in dem, was man erhofft.

Überzeugt sein von den Dingen, die man nicht sieht.

 

Demnach muss es also noch etwas geben,

das über die Erfahrungen dieses Lebens

und dieser Welt hinaus reicht,

etwas, das nicht aus uns und von dieser Welt ist,

uns vielmehr zukommt und geschenkt wird,

etwas das uns am Sinn dieses Lebens

nicht unsicher werden

und selbst in der größten Unsicherheit

nicht verlorengehen lässt,

etwas von dem wir überzeugt sind,

das jetzt noch nicht ist,

auf das wir aber hoffen.

 

Dass es dieses Etwas gibt,

das erweist sich darin,

dass der Mensch trotz der Erfahrung seiner Endlichkeit

nicht aufhören kann zu arbeiten und zu streben

und dem Glück nachzujagen.

Sein Bemühen zielt auf etwas,

was sein Alles sein kann.

Es geht aufs Ganze.

So strebt der Mensch über alles Erfahrbare

und Erreichbare hinaus.

Er ist niemals fertig,

ständig unterwegs,

hat immer Hunger und Durst nach mehr Wahrheit,

mehr Gerechtigkeit und mehr Glück.

 

Es ist die Grundüberzeugung

aller Religionen:

Das Geheimnis des Menschen

grenzt an ein noch tieferes und noch größeres Geheimnis,

das wir in der Sprache der Religionen wie der Bibel

Gott nennen.

 

Um ihn aber können wir nicht wissen,

im Sinne einer wissenschaftlichen Beweisführung.

Wir können nur an ihn glauben.

Glaube aber setzt Vertrauen voraus.

Vertrauen wiederum entsteht durch Erfahrung.

Der Glaube an Gott und das Vertrauen

in ihn macht sich an der Erfahrung fest,

dass er es gut mit dem Menschen

und dieser Welt meint.

 

Ich glaube.

Glaube ist: Feststehen in dem, was man erhofft.

Überzeugt sein von den Dingen, die man nicht sieht.

 

Paulus ruft dies seiner Gemeinde in Erinnerung.

Er muss dies tun, weil sie im Glauben unsicher geworden ist.

Paulus kann keine Beweise dafür aufbringen,

dass es sich lohnt, auf Gott zu vertrauen.

Lediglich die Erfahrung anderer Menschen

dient ihm zur Ermunterung

seiner eigenen Leute

und zur Stärkung ihres Glaubens.

 

Wenn es Euch schon nicht möglich ist,

aufgrund eigener Erfahrungen an Gott zu glauben,

dann glaubt es wenigsten aufgrund der Erfahrungen,

die Abraham und seine Frau Sarah mit Gott machen durften.

Sie vertrauten auf Gott und sein Wort.

Ihr Hoffen und Sehnen liefen nicht ins Leere:

Abrahams Nachkommen blieb die Aussicht

auf das gelobte Land,

Sarah empfing trotz ihres Alters ein Kind

und ihre Nachkommen wurden zahlreich,

wie die Sterne am Himmel und der Sand am Meeresstrand.

 

Ich glaube.

Glaube ist: Feststehen in dem, was man erhofft.

Überzeugt sein von den Dingen, die man nicht sieht.

 

Wenige Wochen

vor seinem 75. Geburtstag

und dem damit verbundenen Ausscheiden

aus dem aktiven Dienst als Bischof

von Limburg verabschiedete sich Franz Kamphaus von seinen

Priesterkandidaten.

Diese baten ihn um einen Zuspruch.

Kamphaus überlegte nur kurz und sagte:

„Werft also eure Zuversicht nicht weg!“

 

Ich glaube.

Glauben heißt „nicht wissen“.

In der Tat.

So ist es.

Es ist aber auch so,

dass der Glaube die nie versiegen wollende

Quelle menschlich-christlicher Zuversicht

ist und bleibt, die uns zu stärken vermag

auch in dem Überzeugtsein von den Dingen,

der wir jetzt noch nicht sehen,

die Gott aber jedem in Aussicht gestellt hat,

der an ihn glaubt.

 

Das gilt im Hinblick auf die

gegenwärtige Situation

der Kirche.

Das gilt im Hinblick auf

die großen Herausforderungen

der Welt.

Das gilt erst recht im Hinblick

auf unser eigenes kleines

Leben.

Was wir brauchen

ist lediglich Ausdauer.

 

Und noch etwas:

Wer glaubt, ist nie allein.

 

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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