thomas diener systemische-lösungsorientierte supervision und coaching geistliche begleitung gestalttherapeutische beratung
thomas diener                                                             systemische-lösungsorientierte                                                             supervision und coaching                                                                                                                                       geistliche begleitung                                                             gestalttherapeutische beratung

Füreinander da sein

Lk 16,19-31

 

 

 

Schön,

wenn es einem gut geht.

Schön,

wenn man sich keine Sorgen

zu machen braucht, um das,

was morgen sein wird.

Schön,

wenn man aus dem Vollen schöpfen kann,

Tag für Tag und in Freuden lebt.

Aber, was ist mit den vielen anderen,

die das nicht können?

 

Draußen vor der Tür,

beginnt oftmals die andere Seite

der Wirklichkeit.

Draußen vor der Tür,

da wissen Menschen nicht,

wovon sie leben sollen,

kämpfen um das nackte Überleben,

werden ausgebeutet

und entrechtet. - So zur Zeit des Amos.

 

Draußen vor der Tür liegt Lazarus,

ein armer Mann, voller Geschwüre.

Draußen vor der Tür, da weiß ein Mann nicht,

wie er seinen täglichen Hunger stillen soll.

Stattdessen lecken Hunde an seinen

offenen Wunden - So zur Zeit Jesu.

 

Draußen vor der Tür,

da stehen Menschen,

die keine Arbeit haben.

Menschen, die nicht wissen,

wovon sie leben sollen

und womit sie ihren knurrenden Magen

stopfen können.

Draußen vor der Tür,

da sind Menschen,

denen es nicht nur an

materiellen Dingen fehlt,

sondern auch an den vielen

ideellen Werten,

die ein Herz braucht,

um schlagen zu können.

- So zu unserer Zeit.

 

Ganz zu schweigen von den

weltweiten Ungerechtigkeiten

und Gemeinheiten,

Nöten und Existenzsorgen

ganzer Völker.

 

Schluss damit meint Amos.

Hier feiern ein paar wenige

auf Kosten vieler anderer.

Hier kaufen sich ein paar wenige

das Paradies auf Erden

und verursachen damit den Hunger,

die Not und Armut so vieler.

Schluss damit,

denn hier handeln Menschen

nach dem Motto:

Nach mir die Sintflut.

Was kümmert´s mich,

wenn´s anderen dreckig geht?

 

Schluss damit,

das meint auch Jesus.

 

Vordergründig geht es beiden

um die ausgleichende Gerechtigkeit.

Hintergründig, darum,

was dem Leben mit Gott entgegensteht.

Vordergründig ist es der Reichtum.

Hintergründig sind es die verschlossenen Sinne:

blinde Augen, die das Elend vor der Tür nicht wahrnehmen;

taube Ohren, die Worte von Gott kennen und hören,

aber nicht einlassen in das eigene Leben;

gierige Hände, die nur das Halten und Greifen,

aber nicht das Öffnen kennen.

 

Eine Geschichte erzählt:

 

Ein Rabbi kommt zu Gott:

„Herr, ich möchte die Hölle sehen

und auch den Himmel.“

„Nimm Elia als Führer“,

spricht der Schöpfer,

„er wird dir beides zeigen.

Der Prophet nimmt den Rabbi bei der Hand.

Er führt ihn in einen großen Raum.

Ringsum Menschen mit langen Löffeln.

In der Mitte, auf einen Feuer kochend,

ein Topf mit einem köstlichen Gericht.

Alle schöpfen mit ihren langen Löffeln

aus dem Topf.

Aber die Menschen sehen mager aus,

blaß und elend.

Kein Wunder, ihre Löffel sind zu lang.

Sie können sie nicht zum Munde führen.

Das herrliche Essen ist nicht zu genießen.

 

Die beiden gehen hinaus.

„Welch ein seltsamer Raum war das?“,

fragte der Rabbi den Propheten.

„Die Hölle“, lautet die Antwort.

 

Sie betreten einen zweiten Raum.

Alles genau wie im ersten.

Ringsum Menschen mit ihren langen Löffeln.

In der Mitte auf einem Feuer kochend,

ein Topf mit einem köstlichen Gericht.

Alle schöpfen mit ihren langen Löffeln aus dem Topf.

Aber - ein Unterschied zu dem ersten Raum:

Diese Menschen sehen gut aus,

gut genährt und glücklich.

 

„Wie kommt das?“

- Der Rabbi schaut genau hin.

Da sieht er den Grund:

Diese Menschen schieben sich

die Löffel gegenseitig in den Mund.

Sie geben einander zu essen.“

 

Vordergründig geht es darum,

dass jeder satt wird.

Hintergründig darum,

dass wir einander geben,

was wir uns selber nicht

zukommen lassen können,

um leben zu können.

Vordergründig geht es darum,

dass einer den anderen braucht,

wenn er nicht verhungern will.

Hintergründig darum,

dass wir voneinander leben

und zeitlebens darauf angewiesen bleiben,

dass es ein anderer gut mit uns meint,

sich mit uns verbündet,

so dass wir einander das sein können,

wozu uns Gott berufen hat:

Menschen, die sich beistehen;

Menschen, die sich helfen;

Menschen, die sich unterstützen;

Menschen, die es sich erlauben,

Mensch zu sein.

 

Im Letzten jedoch geht es

um die alles entscheidende Frage:

Wie lebe ich mein Leben?

Was fange ich mit meinem Leben an,

vor allem doch:

Wie und wofür setze ich mein Leben ein?

 

Amos und Jesus

erzählen von Menschen,

die nur an das eigene Glück

und die eigene Erfüllung denken.

Menschen, die ihr Leben leben;

die raus holen, was raus zu holen ist

und dabei völlig den Blick

über den eigenen Tellerrand hinaus vergessen,

wenn nicht sogar bewusst unterlassen.

 

Amos und Jesus erzählen

aber auch von Menschen,

die auf andere angewiesen sind

und die auf der Strecke bleiben,

wenn man ihnen nicht das gibt,

was sie zum Leben brauchen

und was sie sich nicht aus eigenen Kräften

zukommen lassen können,

was aber zwangsläufig eintreten wird,

solange es Menschen gibt,

die nur ihren eigenen Profit,

ihr eigenes Glück

und ihre eigene Selbstverwirklichung suchen

und dabei ganz außer Acht lassen,

dass

- wenn nicht morgen,

so doch vielleicht übermorgen –

sie selber es sein können,

die auf den anderen angewiesen sind.

Hochmut kommt ja

bekanntlich vor dem Fall.

 

Keiner lebt sich eben selber.

Wir sind und bleiben

früher oder später

alle aufeinander angewiesen.

Darauf, dass mir ein anderer

vielleicht morgen das gibt,

was ich ihm heute

- aus welchen Gründen auch immer –

vorenthalte.

 

In der Apostelgeschichte lese ich,

welche Lehren und Konsequenzen

die Christen zu Anfang aus den Gleichnissen

und Erzählungen Jesu gezogen haben.

Es heißt da:

 

„Und alle,

die gläubig geworden waren,

bildeten eine Gemeinschaft

und hatten alles gemeinsam.

Sie verkauften Hab und Gut

und gaben davon allen, jedem so viel,

wie er nötig hatte.

Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel,

brachen in ihren Häusern das Brot

und hielten miteinander das Mahl

in Freude und Einfalt ihres Herzens.

Sie lobten Gott und waren beim ganzen Volk beliebt.

Und der Herr fügte täglich ihrer Gemeinschaft

die hinzu, die gerettet werden sollten.“ (Apg 2,43ff)

 

Sie verkauften Hab und Gut

und gaben davon allen, jedem so viel,

wie er nötig hatte.

 

Eines steht fest:

Wir haben alle einander nötig.

Früher oder später kommen

wir nicht daran vorbei,

uns all das eingestehen zu müssen,

was uns selber nicht mehr möglich ist,

vielleicht auch noch nie war.

 

Wir haben alle einander nötig.

Was hindert uns dann eigentlich daran,

schon jetzt aufeinander zuzugehen,

Herz und Hände

füreinander zu öffnen und einander

- einer dem anderen - ,

das zu geben,

was er zum Leben nötig hat?

Was hinter uns daran,

füreinander da zu sein?

 


 

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© Supervision-Coaching-Therapie-Geistliche Begleitung- Pfarrer Thomas Diener