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Es geht um Leben und Tod

Lk 20,27-38

 

 

Es war

nicht wirklich die Frage,

die sie beschäftigte.

Vielmehr

führten sie mit dieser Frage

etwas ganz anderes im Schilde.

 

Mit dem aufgeführten Beispiel

von der Frau, die zu Lebzeiten

sieben Männer ehelichte,

wollten sie Jesus einfach nur lächerlich machen.

Sie wollten ihn bloßstellen

mit seiner Auffassung von Leben,

Tod und dem Leben nach dem Tod.

 

Für die Sadduzäer nämlich,

die damals einen sehr großen Einfluss

auf das religiöse und politische Leben

des Judentums hatten

und eine Art elitäre Vereinigung bildeten,

gab es eine Auferstehung von den Toten nicht.

Nach ihrem Glauben gelangte jeder Mensch,

ob nun gut oder böse,

nach dem Tod in die Schattenwelt,

der Scheol.

 

Nein,

es war nicht wirklich die Frage,

die sie beschäftigte.

Ist es vielleicht die Frage,

die unser Herz bewegt?

Nicht so spezifisch,

allgemeiner eben:

Was kommt für uns Menschen

nach dem Tod?

Was geschieht mit uns,

wenn unsere sterblichen

Überreste ins Grab gelegt werden?

Ist alles aus

oder gibt es ein Danach

und wenn ja,

wie dürfen wir uns

dieses Danach vorstellen?

 

Kinderbriefe

an den lieben Gott,

so lautet der Titel

eines kleinen Buches,

das ganz unterschiedliche Briefe

von Kindern an Gott zusammenfasst.

In einem kurzen Brief heißt es:

 

„Hallo, lieber Gott,

hier spricht Mareike!

Wenn mein Opa jemals stirbt,

dann kommt er in den Himmel.

Doch ich frage mich immer,

was ihr da oben mit ihm macht!

Hoffentlich geht es ihm da oben gut!

Hoffentlich kann er da oben auch Fußball gucken.

Das mag er so gern. Ich habe ihn nämlich sehr,

sehr lieb!

Ich weiß, dass Du ihn auch lieb hast!

Du hast ja alles lieb!

Deine Mareike, 10 Jahre.“

 

Was kommt

für uns Menschen nach dem Tod?

Was geschieht mit uns,

wenn unsere sterblichen Überreste

ins Grab gelegt werden?

Ist alles aus

oder gibt es ein Danach

und wenn ja, wie dürfen wir

uns dieses Danach vorstellen?

 

Viele Zeitgenossen,

darunter auch viele Christen,

tun sich mit dem Glauben

an die Auferstehung

und das ewige Leben schwer.

Das liegt nicht zuletzt

an den sehr mythologisch anmutenden Vorstellungen,

die das Neue Testament von der frühjüdischen Apokalyptik

übernommen hat

und die dann sowohl von der kirchlichen Verkündigung

als auch von der christlichen Kunst

durch die Jahrhunderte weiter getragen wurden:

Dass nämlich am

„Jüngsten Tag“

unserer Zeitrechnung,

bei der sichtbaren Wiederkunft

des Herrn auf dieser Erde,

die Gräber geöffnet und die Leichname

aller Verstorbenen neu belebt werden,

so dass sich dann alle Menschen

zum „Jüngsten Gericht“ vor Christus,

dem Richter, versammeln können.

 

Inzwischen sind viele Gläubige

und auch die meisten Theologen

davon überzeugt,

dass wir uns die Auferstehung der Toten

auch anders als in dieser massiv körperlich-realistischen

Bildsprache vorstellen können,

ohne dabei den verbindlichen Inhalt

unseres Glaubens aufgeben zu müssen.

So wird heute viel stärker die Einheit

von Leib und Seele im Menschen betont,

und zwar auch für die Vollendung

des Lebens bei Gott.

 

Wir glauben,

dass nach dem Tod jeder Mensch

mit „Leib und Seele“,

mit seinem ganzen Menschsein

und seiner ganzen bunten Lebensgeschichte,

mit allem, was er erlebt und erlitten,

was er getan oder auch unterlassen hat,

unverborgen der Liebe Gottes im Angesicht

des auferstandenen Jesus Christus begegnet. –

 

Damit wir es recht verstehen:

Leib bedeutet in diesem Zusammenhang

nicht den biologischen Organismus. –

Für den Menschen endet im Tod definitiv

das Leben in unserem irdischen,

in viele verschiedene Phasen und Orte

ausgedehnten Raum-Zeit-Zusammenhang.

 

Das „ewige Leben“ nach dem Tod

verläuft darum auch nicht einfach

parallel zu unserer Zeit,

nur auf einer höheren,

unsichtbaren, „himmlischen“ Ebene

endlos weiter.

Nein, im Tod findet unser

hier gelebtes Leben bei Gott

seine endgültige Gestalt.

 

Endgültigkeit

bedeutet in diesem Zusammenhang:

Wir bringen die „Frucht“ unseres Lebens zu Gott.

Er nimmt sie entgegen, reinigt und vollendet sie.

Im Licht der Liebe Gottes kann so unsere Lebensfrucht

zur vollen „Reife“ gelangen,

eben zu jener geglückten Lebensgestalt,

die Gott jedem persönlich vom Anfang

seines Daseins an zugedacht hat

und nach der wir uns oftmals

in stiller Verzweiflung so sehr sehnen,

bis wir endlich Ruhe gefunden

haben in Gott.

 

In dieser letzten Begegnung mit Gott

wird uns auch die Wahrheit unseres Lebens

unverstellt aufgehen.

In dieser letzten Begegnung mit der Liebe Gottes

wird uns die große Diskrepanz zwischen

unserem tatsächlichen Leben,

dem Leben, wie es eigentlich zu leben gewesen wäre

und der Liebe Gottes zu uns offenbar werden.

Wir gelangen zur Erkenntnis der Wahrheit,

zur Einsicht in unsere Schuld und zur Reue darüber.

So kann sich unser Leben „läutern“

und wir selber können „himmelfähig“ werden.

Das ist der Vorgang,

den die Tradition als das Gericht

und das Fegefeuer versteht.

 

Unter Himmel

verstehen wir das vollkommene

und bleibende Aufgehobensein des Menschen

in der Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott;

aber zugleich auch mit Christus,

der dann alle glaubenden,

hoffenden und liebenden Menschen

dieser Erde in sich vereinen wird

und schließlich auch

mit der ganzen Schöpfung,

die von Gott geliebt ist,

und die, wie Paulus sagt,

mit uns jetzt noch in Geburtswehen liegt,

zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder

Gottes befreien wird.

 

Und die Hölle?

Im Unterschied zum Himmel

teilt Gott sie nicht von sich aus dem Menschen zu.

Von sich aus teilt Gott nur sich selbst mit,

eben als die alle retten wollende Liebe.

Jedoch kann der Mensch - so unwahrscheinlich es auch sein mag –

von sich aus, in seiner von Gott unangetasteten Freiheit auch „Nein“ sagen

und sich dieser Barmherzigkeit Gottes verschließen.

Die Folge wäre die Erstarrung allen Lebens

und aller Beziehungen und die absolute Verwiesenheit

des Menschen auf sich selber.

Das kann für einen Menschen

nur die „Hölle“ sein.

 

So differenziert und durchdacht,

wie das Lehramt der Kirche auf diese Fragen antwortet,

so ist die Antwort Jesu auf die Einwände der Sadduzäer nicht.

Jesus schlägt sie vielmehr mit ihren eigenen Waffen

und beruft sich wie sie auf die Schrift.

 

Er macht ihnen damit klar,

dass sie zu kurz gedacht haben:

Gott schenkt neues Leben nach dem Tod.

Er ist ein Gott, der das Leben liebt,

ein Gott der Lebendigen.

Wenn er sich selber als Gott Abrahams,

Isaaks und Jakobs bezeichnet,

dann müssen diese längst gestorbenen Menschen leben.

Es muss also ein Leben nach dem Tod geben.

Dieses Leben ist nicht vergleichbar mit dem,

was der Mensch hier auf Erden führt.

Ein Mensch, der gestorben ist,

steht nicht irgendwann wieder

auf und ist genauso wie zuvor.

 

Sie sind Engeln gleich, sagt Jesus

und durch die Auferstehung zu Söhnen Gottes geworden,

also völlig anders als zu vor.

 

„Hallo, lieber Gott, hier spricht Mareike!

Wenn mein Opa jemals stirbt, dann kommt er in den Himmel.

Doch ich frage mich immer, was ihr da oben mit ihm macht!

Hoffentlich geht es ihm da oben gut!

Hoffentlich kann er da oben auch Fußball gucken.

Das mag er so gern. Ich habe ihn nämlich sehr, sehr lieb!

Ich weiß, dass Du ihn auch lieb hast!

Du hast ja alles lieb!

Deine Mareike, 10 Jahre.“

 

Die Unsicherheit und die Frage,

die sich in diesen Zeilen ausdrückt,

ist damit jedoch mit dem bisher Gesagten

noch nicht beantwortet,

zumindest nicht allumfassend und vollständig.

Man wird diese Frage wohl ebenso

wenig beantworten können,

wie die heimtückische Frage der Sadduzäer

nach dem Schicksal

der Frau nach ihrem Tod.

 

Ich weiß auch nicht,

ob wir sie im Letzten beantworten müssen,

oder ob wir uns nicht vielmehr als Christen,

wie Paulus es meint,

stärken sollten in der Hoffnung auf die Auferstehung der Toten.

Stärken sollten in dem Glauben,

dass es für Gott keinen Tod des Menschen geben kann.

Stärken sollten in der Zuversicht,

dass Gott das Leben des Menschen will

und dies in seiner unverstellten,

erlösten und den Fesseln des Todes befreiten Form.

 

Dazu aber wird es von Nöten sein,

für sich ganz persönlich der Frage nachzugehen,

was ich selber nach meinem Tod erhoffe.

Dazu wird es von Nöten sein,

sich mit dem eigenen Sterben und dem eigenen Tod auseinander zu setzen

und nach Anlässen zu suchen, welche mir glauben machen,

dass Gott nur das Leben eines Menschen wollen kann und nicht seinen Tod.

Dazu aber wird es von Nöten sein,

allen Sehnsüchten, die wir in unserem Herzen tragen,

unsere ganze Aufmerksamkeit zu schenken

und der Erkenntnis nicht aus dem Wege zu gehen,

dass unsere Sehnsucht nur in Gott zu Ruhe kommen kann.

 

Was wäre das auch für ein Gott, der alles liebt,

der alles ins Leben rief und als gelungen definierte,

wenn hinter seinem Schaffen einzig und allein die Absicht stünde,

dass mit dem Tod alles aus und vorbei sei!

Müsste man nicht seinen Glauben an diesen Gott aufkündigen?

Müsste man an einem solchen Gott, nicht schier verzweifeln?

 

Ich gebe zu,

ich weiß nicht, wie dieses Danach aussehen wird.

Ich weiß nicht, um mit den Worten des Kindes zu sprechen,

ob sein Opa im Himmel Fußball gucken wird.

Aber ich glaube,

was sich auch in den Worte dieses kleinen Kindes wiederfindet

und was die Hoffnung für uns Christen über den Tod hinaus ausmacht:

 

Dass wir, wenn wir sterben in den Himmel kommen.

Dass es uns bei Gott gut gehen wird.

Dass unsere Liebe zueinander ihre Vollendung findet.

Dass Gott, weil er uns liebt,

unser Leben will, unverstellt und frei, erlöst eben.

Und dass Gott alles neu machen wird,

sicherlich anders als zuvor,

aber zu unserer Zufriedenheit

und unserer Erfüllung dienlich.

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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