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Bleibe bei dem, was du gelernt hast

2 Tim 3,14-4,2

 

 

Über die heutige Lesung

kam ich nicht hinaus.

An ihr blieb ich einfach hängen.

Und manches Nachdenken

in der zurückliegenden Woche

wurde durch sie beeinflusst.

Insbesondere doch durch

dieses eine Wort:

 

Mein Sohn, bleibe bei dem,

was du gelernt hast und wovon du

dich überzeugt hast. (2 Tim 3,14)

 

Dieser Satz hat mich gepackt.

Einfach nicht mehr losgelassen.

Ich fühlte mich ertappt

mit all meinen Fragen und Unsicherheiten,

mit meinem Zweifel und meiner Skepsis.

Zugleich aber auch wieder eingeholt durch

das, was mir in meinem Leben

schon immer Halt und Stütze gewesen ist

und was ich nie aufgeben

oder gar infrage stellen wollte.

 

Es geht dabei um das, was ich selber

über Gott und den Glauben an ihn

gelernt habe, wovon ich mich

in meinem ganz persönlichen Leben

überzeugen konnte,

was mich meine Erfahrungen

lehren

und was schlussendlich auch dazu

geführt hatte, dass ich einmal Priester wurde.

 

Mein Sohn, bleibe bei dem,

was du gelernt hast und wovon du

dich überzeugt hast. (2 Tim 3,14)

 

Ich habe etwas gelernt über einen

Gott, der das Leben des Menschen

in seinen Händen hält,

der sich das Leben

des Menschen, durch was auch immer und

wie auch immer, niemals seiner Hand entreißen lässt,

sondern der es bewahrt über alle Höhen und

Tiefen hinweg und der will,

dass der Mensch Leben in Fülle erfährt:

Unverstellt,

frei,

erlöst,

herausgerissen

aus den unzähligen Widrigkeiten

und Wirklichkeiten dieser Welt,

die den Menschen so sehr niederdrücken

und gefangen halten.

 

Ich habe etwas gelernt über die Liebe

dieses Gottes, mit der er jedem ausnahmslos zugewandt ist,

mit der er die Guten und auch die Bösen

umfasst und die der Quell all

seiner Güte und Barmherzigkeit,

seines Erbarmens und seiner Gerechtigkeit

ist.

 

Und dass er sich eines jeden annimmt und

seiner Situation, in der er sich gerade befindet,

dass er keinen verloren gehen lässt,

sondern dass er nachläuft, jedem,

wie verbissen nach dem Menschen sucht,

auf dass dieser wieder heimkehre,

dorthin zurückfindet, wo sein wirkliches Zuhause ist.

 

Ich habe etwas gelernt darüber,

was es für Gott bedeutet konsequent

diesen Weg der Liebe zu gehen.

Gott wurde Mensch,

in allem dem Menschen gleich.

In Jesus Christus zeigt er sich.

In Jesus Christus bekommen ihn die Menschen zu fassen;

in seinem Gesicht schauen sie die Züge Gottes;

in seinem Wort, hören sie Gottes Wort;

durch seine Hand legt Gott selbst seine Hand auf sie;

Und in seinem Leiden und in seinem Sterben,

geht Gott selber den Weg des Menschen mit

in dessen äußerste Not und gibt zu erkennen,

dass er sehr wohl weiß,

wie Menschsein geht,

was es ausmacht,

was es niederbeugt,

was es seines Sinnes beraubt.

 

Und ich habe gelernt,

dass Gott uns mit dieser Erfahrung nicht

nicht allein lässt.

Dass er kein Gott der Toten ist,

sondern der Lebenden

und dass er Leben schenkt,

auch über den Tod hinaus,

vom Sterben und vom Tod

befreites Leben eben.

Und dass jeder, der an ihn glaubt,

gerettet wird.

 

Ich habe gelernt,

dass es mit diesem Gott an meiner

Seite immer wieder möglich war,

aufzustehen, wenn ich gefallen war,

von vorne anzufangen, wenn ich mich verrannt hatte,

Leben neu zu wagen und zu riskieren, wenn mich der

Mut verlassen hatte

und den Weg zu gehen,

von dem ich meine,

dass es der Weg ist, den nur ich gehen kann

und niemand sonst,

und dass Gott ihn für mich

so vorgesehen hat.

 

Mein Sohn, bleibe bei dem,

was du gelernt hast und wovon du

dich überzeugt hast. (2 Tim 3,14)

 

Und ich habe gelernt,

dass es zum Lernen und zum Glauben

anderer Menschen bedarf.

Dass der Glaube vom Hören kommt

und dass er Vorbilder braucht:

 

Keiner kann allein Segen sich bewahren.

Keiner kann allein Glauben sich bewahren.

Segen kann gedeihn, wo wir alles teilen.

Glauben kann gedeihn, wo wir ihn teilen.

 

Und ich habe gelernt, dass die Kirche

der Ort ist, an dem Glaube gelernt,

gelebt und gefeiert wird, an dem

Glaube erfahren wird -

und dass es eben auch diese Kirche ist,

die oftmals den Glauben verhindert,

im Keime erstickt,

Menschen bis an den Rand ihrer Verzweiflung

bringt und in die Irre gehen lässt,

sie frustriert und ausnützt,

demütigt, verkennt und kleinmacht.

 

Und ich habe Menschen verstehen gelernt,

die dieser Kirche den Rücken zugekehrt haben,

die sich nicht mehr länger bevormunden lassen wollten,

die sich befreien wollten von ihren Gesetzen und Zwängen,

die leben wollten, ohne das Gefühl, im Leben

nur versagt zu haben.

 

Es gab einmal einen Moment,

da stellte man mir im vertrauten Kreis die Frage:

„Wenn Du so sehr die Institution Kirche hinterfragst;

wenn Du so sehr an Deiner Kirche leidest;

wenn Dir Deine Berufung genommen wird

durch die Engstirnigkeit derer, die wiederrum

selber Opfer dieses Systems sind,

warum hörst Du nicht damit auf,

Priester zu sein?

Warum quälst Du Dich noch länger?“

Offengestanden, ich selbst habe mir

diese Frage früher auch schon gestellt.

 

Ich will es nicht!

Ich will es nicht,

weil ich ebenso gelernt habe,

dass es Erfahrungen mit Menschen

innerhalb dieser Kirche gibt,

die mich bewegen zu bleiben;

vor allem das zu bleiben, was ich bin;

die mich daran glauben lassen, dass es neben den

unsagbar vielen Schattenseiten in dieser Kirche

auch Gutes und Helles gibt:

Erfahrungen von Halt und Unterstützung,

Erfahrungen von Nähe und Geborgenheit,

Erfahrungen von Liebe und Annahme,

Erfahrungen von Umkehr und Neuanfang,

Erfahrungen von Freude und Ausgelassenheit,

Erfahrungen von Wertschätzung und Aufmerksamkeit,

Erfahrungen der Nähe und der Gegenwart Gottes.

 

An dieser Stelle trifft mich ein anderes Wort

der Lesung:

 

Ich beschwöre dich bei Gott und bei Christus Jesus,

dem kommenden Richter der Lebenden und der Toten,

bei seinem Erscheinen und bei seinem Reich:

Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will

oder nicht; weise zurecht, tadle, ermahne,

in unermüdlicher und geduldiger Belehrung. (2 Tim 4,2)

 

Zugegeben an Geduld fehlt es mir bisweilen.

Und manchmal fällt es mir verdammt schwer,

für Gott einzutreten und mich für

seine Sache stark zu machen

auch innerhalb der eigenen Gemeinde

vor Ort, gegenüber den Menschen,

die mir so nah sind und manchmal

wiederum so fern.

Aber es lohnt sich.

Es lohnt sich bei dem zu bleiben,

was man gelernt hat

und wovon man sich überzeugt

hat.

 

Die Herausforderung für jeden einzelnen

von uns besteht heute gerade darin,

sich den Glauben zu bewahren, den christlichen,

und ihn unbeeindruckt aller Widrigkeiten,

die sich uns in den Weg stellen,

zu leben.

 

Ganz am Ende steht die Frage,

wie sie das Evangelium formuliert:

Wird der Menschensohn, wenn er kommt,

auf der Erde noch Glauben vorfinden? (Lk 16,8)

 

Das liegt in unserer Hand.

Deshalb:

Bleibt auch ihr bei dem,

was ihr gelernt habt

und wovon ihr euch überzeugt habt.

 

Und gebe Gott uns allen die Kraft dazu,

uns, den Menschen seiner Kirche

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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