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Aufbruch

Lk 15,1-3.11-32

 

 

Er ist gütig und barmherzig.

Er verzeiht und kommt entgegen.

Er lässt los und nimmt auch wieder auf.

Er riskiert, dass sich der Mensch von ihm abwendet

und schenkt ihm zugleich immer wieder aufs Neue

die Möglichkeit umzukehren und heimzufinden.

 

„So ist Gott!“, sagt Jesus

und weist damit alle anderen Bilder von einem

rachesüchtigen und zornigen Gott,

von einem nachtragenden und zerstörenden Gott,

von einem heimzahlenden und vernichtenden Gott,

wie ihn die Religion seiner Väter durchaus auch kennt,

in die Schranken.

 

Und was weiß Jesus über

den Menschen zu sagen?

Auch hierzu finden wir

im gehörten Evangelium die Antwort.

 

Tief in jedem Menschen

gibt es ein großes Verlangen nach Leben.

Tief in jedem Menschen

steckt ein Bedürfnis nach dem erfüllten Leben.

Tief in jedem Menschen

pocht unaufhörlich eine Sehnsucht

nach dem unverstellten Leben.

Tief in jedem Menschen

drückt sich das Begehren aus,

dass sein Leben endlich in die Gestalt

hineinwachsen darf,

die Gottes Absicht entspricht

und seinem Wunsch, dass der

Mensch Leben in Fülle habe.

 

Das Verlangen nach Leben,

oder nach dem, was der Mensch für das wahre und tatsächliche Leben hält,

birgt in sich eine unsagbar große Kraft,

die letztlich alles Denken und Tun eines Menschen

zu bestimmen vermag.

Die schließlich auch dazu führt, dass

ein Mensch aus seinem bisherigen Leben

einfach ausbricht,

alles hinter sich lässt

und einen neuen Anfang wagt.

 

Dem Verlangen nach Leben

liegt die Erfahrung zugrunde,

dass es mit dem bisherigen Leben

nicht sein Bewenden haben kann,

dass es eben noch mehr geben muss,

als das bisher Erlebte,

dass in allem etwas zu wenig steckt,

als dass der Mensch darin

seine wahre Erfüllung finden könnte,

und die Erkenntnis,

dass sich der Mensch mit den augenblicklichen

Umständen, die sein Leben ausmachen,

nicht abfinden will,

weil sie das wahre,

das tatsächliche Leben verhindern.

 

Menschen, die sich ihrem Leben stellen

und dem, was es augenblicklich ausmacht

und die erkennen, dass sich in ihrem Leben etwas ändern muss,

wenn sie nicht Zeit ihres Lebens in Bitternis verbleiben wollen,

die schließlich auch eine Veränderung ihres Lebens bewirken,

sind mutige Menschen,

denn die Folgen einer solchen Entscheidung

sind nämlich nie abzusehen, wie es uns das Evangelium lehrt.

 

Der, der den Mut aufgebracht hatte,

ein völlig neues Leben zu beginnen,

lag am Ende am Boden und hatte große Mühe,

wieder aufzustehen und Fuß zu fassen.

Das ist und bleibt immer das Risiko,

wenn man Vertrautes hinter sich lässt

und sich Neuem stellen will.

 

Doch wenn sich der Mensch nicht Zeit seines Lebens

den Vorwurf machen will, die entscheidende Chance seines Lebens vertan zu haben,

dann muss er dieses Risiko eingehen und der Verheißung und dem Ruf

des neuen und unbekannten Lebens folgen.

Manchmal, und auch dies ist eine Lehre, die uns das Evangelium erteilt,

verliert er dabei Gott und das Leben aus den Augen,

das er tatsächlich haben soll.

 

Nicht jeder Mensch hat den Mut,

sich seinem Leben zu stellen

und der Sehnsucht zu folgen,

die unaufhörlich in der Tiefe seines Herzens pocht.

Viele, allzu viele, haben Angst,

die vertrauten Sicherheiten des bisherigen Lebens

aufzugeben.

Mitunter fehlt es ihnen auch an der Kraft,

sich den Veränderungen

zu stellen, zu denen sie das Leben einlädt.

Doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Wer nicht wagt, wird neidisch auf die,

die es gewagt haben,

die den Mut hatten, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen,

die die Chancen des Lebens nicht vertan haben,

selbst, wenn sie dabei auf die Nase gefallen sind.

 

Es gibt Menschen,

denen ist nur ihre eigene kleine und begrenzte und enge Welt vertraut,

die wissen nur um das Bescheid, was um sie herum passiert,

die haben nie etwas anderes zu Gesicht bekommen,

nicht weil sie nicht die Möglichkeiten dazu gehabt hätten,

sondern

weil sie sich bislang nicht getraut haben, einmal auszubrechen,

weil sie es sich in diesem Leben allzu bequem eingerichtet haben,

weil sie noch nie danach gefragt haben,

worauf es in ihrem Leben wirklich ankommt

und was tatsächlich zählt,

weil sie andere nicht enttäuschen wollten.

 

Solche Menschen sind zumeist auch verbitterte Menschen.

Menschen, die einen tiefen Groll mit sich herumtragen.

Menschen, die sich am Glück anderer Menschen nicht mitfreuen können.

Menschen. wie der ältere Sohn, der Zuhause geblieben war und der

das Zurückkommen seines Bruders nicht akzeptieren, vor allem aber doch das

Verhalten seines Vater nicht verstehen wollte

und den der Neid und die Eifersucht, geradezu aufgefressen hatten.

 

Ich gebe durchaus zu,

dass nicht immer der Augenblick gegeben ist,

auszubrechen und Neuland zu begehen.

Manchmal sind es ja auch die Umstände, die es einem nicht erlauben,

der Spur des wirklichen Lebens treu zu bleiben

und die Verantwortung, die man für eine Sache oder gar andere Menschen

übernommen hat.

Doch ich glaube auch fest daran, dass sich für jeden Menschen

immer wieder die Chance ergibt,

dem wirklichen Leben auf die Spur kommen zu können

und es zu ergreifen.

Mit anderen Worten:

Gott schenkt auch jenen Menschen,

die in den alten Strukturen ihres Lebens gefangen sind,

immer wieder die Möglichkeit der Umkehr und eines neuen Anfangs.

Es liegt dann aber am Menschen selbst, den Ruf zu hören und dann aufzubrechen.

 

Manchmal aber ist das Leben eines Menschen so stimmig,

dass es keiner Veränderung bedarf und dass ein Ausbrechen

aus krankmachenden Strukturen nicht notwendig ist.

Solche Menschen sind begnadete Menschen.

Sie dürfen sich glücklich schätzen, weil sie doch tatsächlich

etwas von der Fülle des Lebens erfahren, wie Gott sie für jeden von uns

bereithält.

 

Doch wer unter uns könnte tatsächlich behaupten, dass sein Leben

wirklich stimmig ist und nicht der Umkehr bedarf?

Wer unter uns verspürt nicht bisweilen die tiefe Sehnsucht

nach dem ganz Anderen und nach Erfüllung?

 

Wenn dem aber wirklich so ist, dass Sie ihr Leben als stimmig erfahren,

und Gott wohlgefällig,

dann seien Sie dankbar, unendlich dankbar

und loben Sie Gott dafür, jeden Tag immer wieder aufs Neue.

 

Allen anderen aber möge das heutige Evangelium

Einladung zum Aufbruch und zum Neuanfang sein,

Ermutigung dazu, dem Ruf des Lebens zu folgen,

immer aber in der festen Zuversicht,

dass sie von Gott gehalten bleiben,

und dass sie jederzeit umkehren dürfen,

sollten sie sich einmal tatsächlich verrannt

und dabei von Gott und dem wirklichen Leben abgewandt haben.

 

Denn:

Gott ist gütig und barmherzig.

Gott verzeiht und kommt entgegen.

Gott lässt los und nimmt auch wieder auf.

Gott riskiert, dass sich der Mensch von ihm abwendet

und schenkt ihm zugleich immer wieder aufs Neue

die Möglichkeit umzukehren und heimzufinden.

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Seiten:

 

TelefonSeelsorge

www.telefonseelsorge.de

0800/1110111

0800/1110222

 

Bistum Speyer

www.bistum-speyer.de



Deutsche Bischofskonferenz

www.dbk.de



BTS

Gesellschaft für Organisationberatung

Training und Supervision

www.bts-mannheim.de



Deutsche Gesellschaft für Supervision

www.dgsv.de









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